Die Raiffeisen Waren GmbH möchte zwischen Böckels und Rex eine Getreideerfassungsanlage bauen.
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Die Raiffeisen Waren GmbH möchte zwischen Böckels und Rex eine Getreideerfassungsanlage bauen. (Symbolfoto)

Raiffeisen plant hochmoderne Anlage

30-Meter-Silos zwischen Böckels und Rex? Bürger laufen Sturm - So reagieren die Fraktionen

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Die Raiffeisen Waren GmbH will zwischen den Petersberger Ortsteilen Böckels und Rex eine Getreideerfassungsanlage bauen – mit bis zu zehn Silos, die bis zu 30 Meter hoch werden sollen. Gegen das Vorhaben laufen die Bürger jetzt Sturm. So reagieren die Fraktionen.

Update vom 24. Januar, 11.29 Uhr: Die Fraktionen reagieren auf das Vorhaben von Raiffeisen, zwischen den Petersberger Ortsteilen Böckels und Rex eine Getreideerfassungsanlage zu bauen.

„Der Verkehr wird zunehmen, und eine Schönheit ist ein Silo auch nicht“, sagt die Fraktionsvorsitzende der CDU Tamara Pfaff. Eine abschließende Meinung habe man sich aber noch nicht gebildet. Schade sei es gewesen, dass am Mittwoch kein Landwirt das Wort ergriffen habe, um zu erläutern, ob und wie wichtig eine solche Anlage für die Landwirtschaft sei.

30-Meter-Silos zwischen Böckels und Rex - So reagieren die Fraktionen

„Das Vorhaben von Raiffeisen ist nicht umsetzbar“, sagt SPD-Gemeindevertreter Martin Neugebauer, der Mitglied des Bauausschusses ist. Die Belastung durch den Verkehr sei bereits jetzt zu hoch.„Und die 30 Meter hohen Silos, die auf einem Hügel gebaut würden, wären dann eine Landmarke in der Region.“

Ein solches Silo passt nicht in den Ort, sagt der CWE-Fraktionschef Rainer Dargatz. „In Böckels gibt es schon genug Betriebe. Außerdem würden die Silos auf einer Anhöhe stehen und weithin sichtbar sein. Und durch den Verkehr sind die Orte schon jetzt belastet. Ich sehe keine Möglichkeit für Raiffeisen, dieses Projekt in Böckels umzusetzen. Das wäre nicht zu verantworten.“

„Man kann so etwas nicht gegen die Bürger machen“, sagt der Vorsitzende der Fraktion Die Linke.Offene Liste Michael Wahl. Raiffeisen solle sich für ihr Vorhaben einen anderen Standort suchen, findet Wahl. „Ich hätte mir bei einem solchen Thema aber auch eine Bürgerversammlung im Vorfeld gewünscht, obwohl das momentan natürlich schwierig ist.“

Die FDP-Fraktion hat sich noch nicht festgelegt, sondern möchte intern noch darüber diskutieren, sagt Vorsitzender Wolfgang Schad. Grundsätzlich stehe seine Fraktion Gewerbeansiedlungen aufgeschlossen gegenüber. „Aber hier habe ich Bauchschmerzen, etwa was die Verkehrsbelastung angeht.“ Die sei bereits jetzt sehr hoch. „Daher sehe ich das Projekt kritisch.“

Der Vorsitzende der Bürgerliste Winfried Schäfer hatte bereits während der Ausschusssitzung seine Meinung prägnant formuliert: „Was raucht, stinkt und kracht, wollen wir hier nicht.“ Die Raiffeisen-Anlage passe nicht nach Böckels. Die Infrastruktur sei dafür nicht ausgelegt, betont Schäfer.

Raiffeisen will zwischen Böckels und Rex mehrere 30-Meter-Silos bauen - Bürger laufen Sturm

Erstmeldung 22. Januar: Böckels/Rex - Das Vorhaben scheint sich erledigt zu haben, bevor die Gemeindevertreter die Chance hatten, sich ausführlich auszutauschen und zu debattieren. Schon seit einiger Zeit hatten in Böckels Gerüchte über das Projekt die Runde gemacht, zahlreiche empörte Schreiben von Anwohnern landeten bereits im Rathaus-Briefkasten. Zur Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend hatten sich mehr als 50 Bürger und Bürgerinnen auf den Weg ins Propsteihaus begeben, um dort ihrem Ärger Luft zu machen. Vorsitzender Edgar Schäfer erteilte zahlreichen Böckelsern, Rexern und Margretenhaunern das Rederecht.

Frank Gollbach, Regionalleiter von Raiffeisen, sowie Martin Warburg von der Raiffeisen Waren GmbH in Kassel erläuterten zuvor ihre Pläne. Demnach soll eine Anlage mit acht bis zehn Silos entstehen, die bis zu 30 Meter hoch sind und insgesamt ein Fassungsvermögen zwischen 18.000 und 24.000 Tonnen Getreide haben. Angeliefert würden unter anderem Brot- und Futtergetreide sowie Ölfrüchte wie Raps. Das Getreide wird in den Zellen gelagert und gekühlt, um es später an die Abnehmer, darunter etwa die Hehrmühle in Schlitz, zu transportieren.

Eine neue und moderne Anlage in der Region rund um Böckels sei wegen der Veränderungen in der Landwirtschaft und der gestiegenen Anforderungen an Kapazitäten und Lagerung wichtig für die Landwirte der Region, betont das Unternehmen. So sollen beispielsweise die oft langen Wartezeiten für die Lkw-Fahrer bei der Abladung minimiert werden. Hinzu komme, dass im vergangenen August am Raiffeisen-Standort in Hünfeld eine Halle abgebrannt war und seitdem Lagerkapazitäten fehlen.

Silos zwischen Böckels und Rex: „Wir bewegen uns im Hochhausbereich“

In der Hauptanlieferungszeit von Juni bis August könnten die Anlage circa 30 Lkw und landwirtschaftliche Fahrzeuge täglich ansteuern, erklärte Frank Gollbach. In der restlichen Zeit des Jahres würden etwa sechs Lkw am Tag erwartet. Eine Linksabbiegerspur soll verhindern, dass es auf der Landesstraße zu Staus kommt. Das Getreide werde in einer Halle angenommen, um dort die Emissionen mithilfe einer Entstaubungsanlage so gering wie möglich zu halten.

Das Grundstück, auf dem die Silos entstehen sollen, liegt an der Landesstraße zwischen Böckels und Rex.

Ausschussvorsitzender Edgar Schäfer, der angesichts vieler Zwischenrufe während der Sitzung keine leichte Aufgabe hatte, zeigte seine Skepsis: „Bei einer Höhe von 30 Metern bewegen wir uns im Hochhausbereich.“ Doch nicht nur die Höhe der Silos kritisierten die Anwesenden. „Die Straßen sind für die Fahrzeuge nicht gemacht. Und wie sollen wir bei dem Lärm schlafen? Das nimmt uns die Lebensqualität“, sagte eine Nachbarin.

Ein anderer Böckelser berichtete, dass es in dem 170-Einwohner-Ort schon mehr als 30 Gewerbebetriebe gebe: „Wir dulden hier Lkw und Traktoren – aber nicht in diesem Umfang.“ Dass die nun geplanten Silos erst der Anfang sein könnten, mutmaßte ein benachbarter Firmeninhaber. Eine Bürgerin warnte: „Wir werden gegen das Vorhaben vorgehen, wenn nötig, mit einem Anwalt.“ Auch der Margretenhauner Ortsvorsteher Holger Götz nahm Stellung. Das hohe Verkehrsaufkommen in den Orten sei schon jetzt Dauerthema: „Unsere Orte stehen an der Grenze zum Kollaps.“ Weitere Fahrzeuge könne man nicht verkraften.

Raiffeisen will Silos bauen - Ortsvorsteher: Unsere Orte stehen an der Grenze zum Kollaps

Einzig der CDU-Gemeindevertreter Christian Bug, der in Böckels einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, allerdings von der Raiffeisen-Anlage nach eigener Aussage nicht profitiert, gab zu bedenken: „Eine solche Anlage ist sehr wertvoll für die Landwirtschaft. Denn nicht jeder hat die Möglichkeit, seine Erzeugnisse zu Hause zu lagern.“

Eine endgültige Entscheidung wurde vertagt. Nun sollen erst einmal die Fraktionen diskutieren, bevor das Thema erneut im Ausschuss und dann in der Gemeindevertretung behandelt wird. Klar ist schon jetzt: Es sieht nicht gut aus für Raiffeisen. Der Petersberger Bürgermeister Carsten Froß (CDU), der sich während der Diskussion weitgehend zurückgehalten hatte, ließ am Ende dann doch seine Meinung durchblicken: „Ich denke, dass das Projekt für Böckels eine Nummer zu groß ist.“

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