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Bombensuche: Kompletter Rauschenberg kann erst im Herbst untersucht werden

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Petersberg - Die Suche nach Bombenresten aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Rauschenberg kann wohl im Sommer beginnen. Die Untersuchung wird sich aber länger hinziehen als bisher erwartet.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Im Oktober 2017 wurden bei der Renovierung einer Waldhütte auf dem Rauschenberg Stabbrandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Da im Krieg auf den 471 Meter hohen Berg aufgrund der Nähe zur Stadt und zum Bahnhof viele Bomben fielen, befürchtete die Gemeinde, dass noch mehr Munitionsreste auftauchen – und ließ die Pfade abseits der Wanderwege sperren.

Im Sommer 2019 kam ein weiteres Problem hinzu: Wegen der lang anhaltenden Trockenheit waren 60 Bäume auf dem Rauschenberg abgestorben und drohten umzustürzen. Aufgrund der möglichen Bomben konnten sie jedoch nicht gefällt werden. Die Gemeinde musste daraufhin die Wanderwege im Waldgebiet ebenfalls sperren lassen.

Schwierige Bedingungen verhindern Start der Suche

Die Suche nach Bombenresten auf dem 27 Hektar großen Areal hat jedoch immer noch nicht begonnen. Bürgermeister Carsten Froß (CDU) erklärt wieso: „Wir haben es mit äußert schwierigen Bedingungen zu tun. So eine Sondierung hat es wahrscheinlich deutschlandweit noch nicht gegeben.“ Ein Hindernis sei etwa die Topographie des Berges mit großen Höhenunterschieden, Büschen und Bäumen. Außerdem ist der Rauschenberg eine Basaltkuppe. „Basaltgestein hat eine magnetische Wirkung. Wenn man dort mit einem einfachen Metalldetektor suchen würde, würde dieser ständig ausschlagen“, erläutert Froß.

Deshalb seien Spezialgeräte und Spezialwissen für die Untersuchung nötig. „Die Ausschreibung muss sehr detailliert sein, damit sich keine Firmen bewerben, die hinterher gar nicht das leisten können, was wir brauchen“, sagt der Bürgermeister. Ein Ingenieurbüro aus Weimar helfe der Gemeinde bei der Ausschreibung. Froß hofft, dass im Juli oder August mit der Sondierung begonnen werden kann.

Ende der Suche nicht absehbar

Dann kann allerdings nur ein Teil des Rauschenbergs untersucht werden, denn von 1. März bis 30. September dürfen Büsche und Bäume nicht gerodet oder auf den Stock gesetzt werden. „Das ist für einen Teil der Flächen jedoch erforderlich, damit diese sondiert werden können“, sagt Froß.

Dieser Abschnitt des Berges könne deswegen erst ab dem 1. Oktober untersucht werden. Eine Prognose, wann der gesamte Berg untersucht ist und die Sperrungen aufgehoben werden, kann der Bürgermeister derzeit nicht geben: „Im Herbst kann es bereits Bodenfrost geben, dann müsste die Sondierung eingestellt werden.“

Hohe Kosten und mögliche Blindgänger

Die Gemeinde rechnet mit Kosten von bis zu zwei Millionen Euro. Froß hält den Aufwand für gerechtfertigt: „Bei einer Stichprobe wurden neulich Bombensplitter entdeckt. Das erhärtet den Verdacht, dass am Rauschenberg noch mehr böse Überraschungen lauern.“ Im schlimmsten Fall befinden sich dort Blindgänger.

„Bei einer Entschärfung müssten wohl Wohngebiete, Kita und Betriebe in der Nähe evakuiert und die Autobahn gesperrt werden“, sagt Froß. Deswegen sei auch der Kampfmittelräumdienst stets mit im Boot. „Aber selbst diese Experten haben gesagt, dass sie so einen Fall wie den Rauschenberg noch nicht hatten.“

Trotz all der Probleme gibt es eine gute Nachricht für Petersberg, berichtet Froß: „Das Land will bis zu 75 Prozent der Kosten tragen. Und auch der Kreis als Vorbesitzer hat signalisiert, dass er sich an den Kosten beteiligen möchte.“

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