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Ukraine-Konflikt: Junge Russin attackiert Putin bei Mahnwache in Fulda

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Von: Leon Schmitt, Ann-Katrin Hahner

Russlands Angriff auf die Ukraine sorgt in Hessen nach wie vor für Entsetzen. Fuldas Oberbürgermeister appelliert an russische und ukrainische Mitbürger, die Zwietracht in ihren Heimatländern nicht „in unsere Stadt“ zu tragen.

Update vom 26. Februar, 15.01 Uhr: Nachdem bereits am Freitagabend eine Mahnwache stattgefunden hatte, versammelten sich in Fulda auch am Samstagvormittag Hunderte Menschen aus Solidarität für die Ukraine.

+++ 19.16 Uhr: Eine „Mahnwache für den Frieden“ ist am Freitag vom Verein „Fulda stellt sich quer“ abgehalten worden. Am frühen Abend kamen Mitglieder und Besucher mit Kerzen, Flaggen und Plakaten auf dem Universitätsplatz in Fulda zusammen, um ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk zu bekunden. Die Veranstalter forderten die sofortige Beendigung des Krieges in Europa.

Russin spricht bei Mahnwache in Fulda: Putin zerstört Ostblock-Zusammenhalt

Pfarrer Stefan Buß trug ein Gebet über Solidarität und Mitgefühl vor. Unter den spontanen Rednern aus dem Publikum war auch eine junge Russin, die ihre Trauer über den Kriegszustand ausdrückte. „Egal, ob Russland, Ukraine, Polen oder Serbien – wer früher aus dem Ostblock kam, gehörte bei uns zur Familie“, erinnerte sie sich an ihre Kindheit zurück, „das alles zerstört Putin gerade.“

Mahnwache für den Frieden: Dutzende Menschen versammelten sich am Freitagabend auf dem Uniplatz in Fulda.
Mahnwache für den Frieden: Dutzende Menschen versammelten sich am Freitagabend auf dem Uniplatz in Fulda. © Fulda stellt sich quer

+++ 17.15 Uhr: Als Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern des Krieges in der Ukraine hat Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) angeordnet, die Europa-Fahne vor dem Stadtschloss auf halbmast zu setzen.

„Unser Mitgefühl gilt allen, die unter dem völkerrechtswidrigen Vorgehens Russlands und der Eskalation der Gewalt zu leiden haben“, sagte OB Wingenfeld und ergänzte: „Die Verantwortung für diesen verbrecherischen Krieg liegt allein bei Putin und seinem Regime.“

Ukraine-Konflikt: Oberbürgermeister appelliert an Bürger mit ukrainischen und russischen Wurzeln

Die Europa-Fahne, die bereits seit gut 45 Jahren auf dem Fuldaer Schlossturm ein Zeichen für die Einheit Europas setzt und aufgrund der Bauarbeiten am Turm nun seit gut zwei Jahren regelmäßig vor dem Ehrenhof des Schlosses gehisst wird, sei auch ein Symbol für die europäischen Werte, für Freiheit und Demokratie. „Diese Werte sind aktuell akut in Gefahr, auch dies soll die Trauerbeflaggung zum Ausdruck bringen“, verdeutlichte Wingenfeld.

Wegen des Kriegs in der Ukraine hängt die Fahne der Europäischen Union vor dem Fuldaer Stadtschloss auf halbmast.
Wegen des Kriegs in der Ukraine hängt die Fahne der Europäischen Union vor dem Fuldaer Stadtschloss auf halbmast. © Stadt Fulda

Er erinnerte daran, dass allein in der Stadt Fulda rund 400 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit leben. „Diesen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gilt unser besonderes Mitgefühl und unsere Solidarität, sie bangen um das Leben ihrer Familienangehörigen und Freunde in der Heimat“, so Wingenfeld.

Gleichzeitig gebe es in Fulda derzeit auch fast 2000 Menschen mit russischer Staatsangehörigkeit. Auch viele von ihnen seien in diesem Krieg in Sorge um Menschen, die ihnen nahestehen. Wingenfeld appellierte an beiden Gruppen sowie an alle in Fulda lebenden Deutschen, die ihre Wurzeln in der Ukraine oder in Russland haben: „Lassen Sie es nicht zu, dass die in Ihren Heimatländern geschürte Zwietracht in unsere Stadt getragen wird. Wir sind jetzt alle dazu aufgefordert, für ein friedliches Miteinander in Fulda einzustehen!“

Fulda will bestehende Kontakte nach Russland nicht abreißen lassen

Die seit mehr als drei Jahrzehnten bestehenden Kontakte nach Russland, insbesondere in die Partnerstadt Sergiew Posad, werde man nicht abreißen lassen, betonte OB Wingenfeld: „Denn ich bin überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen in beiden Ländern den Krieg nicht will. Die auf Ebene der Kommunen geknüpften Freundschaften und Kooperationen dürfen nicht verloren gehen, denn sie bilden die Basis für das Vertrauen in die internationalen Beziehungen.“

+++ 14.58 Uhr: Das Bistum Fulda unterstützt humanitäre Hilfsmaßnahmen in der Ukraine mit 25.000 Euro. Das Geld aus dem Katastrophenfonds fließt in die Arbeit von Caritas International. „Wir sind als Christen gefordert, den Menschen zur Seite zu stehen, die in den Kriegsgebieten leben, von den Auswirkungen der Feindseligkeiten betroffen sind und so schnell wie möglich Hilfe brauchen“, so der Generalvikar des Bistums Fulda, Prälat Christof Steinert, in einer Stellungnahme.

Wer Caritas International unterstützen möchte, kann an folgende Bankverbindung spenden: Caritas international, IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, BIC: BFSWDE33KRL, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Stichwort: Ukraine-Krieg, CY01026.

Ukraine-Krise: Zwei Mahnwachen in Fulda angekündigt

Update vom 25. Februar, 9.54 Uhr: Im Hinblick auf die Ereignisse in der Ukraine sind in Fulda zwei Mahnwachen angekündigt worden. Die erste findet am heutigen Freitag um 17 Uhr auf dem Universitätsplatz in Fulda statt. Veranstalter der Mahnwache „für den Frieden in Europa“ ist der Verein „Fulda stellt sich quer“.

Am Samstag um 11 Uhr findet eine zweite Mahnwache auf dem Platz Unterm Heilig Kreuz in Fulda statt. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung der Parteien CDU, FDP, SPD und Die Grünen im Landkreis Fulda. „Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat uns alle schockiert. Um ein Zeichen der Solidarität mit dem ukrainischen Volk zu setzen, laden wir alle Menschen und alle demokratischen Kräfte in unserer Region dazu ein, zusammen ein Zeichen für Freiheit, Demokratie und Frieden zu setzen“, heißt es in der Einladung.

Der russische Angriff auf die Ukraine sorgt deutschlandweit für Entsetzen - auch in Fulda. In der Christuskirche wurde am Donnerstagabend ein ökumenischer Friedensgottesdienst abgehalten.
Der russische Angriff auf die Ukraine sorgt deutschlandweit für Entsetzen - auch in Fulda. In der Christuskirche wurde am Donnerstagabend ein ökumenischer Friedensgottesdienst abgehalten. © Mediennetzwerk Osthessen

+++ 21.54 Uhr: Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben die Kirchen zu Solidarität und Gebet aufgerufen. Ein erster ökumenischer Friedensgebet fand am Abend in der Christuskirche in Fulda statt. Zu dem Gottesdienst hatten die katholische Innenstadtpfarrei und die evangelische Christuskirchengemeinde eingeladen um beieinander zu stehen und miteinander um Frieden zu beten.

Am Sonntag um 9.30 Uhr und um 11 Uhr finden statt der Fastnachtsgottesdienste Gottesdienste für den Frieden in der St. Johanneskirche in Petersberg und im Bonhoefferhaus Fulda statt. Am Freitag rufen die katholische Kirche Hünfeld und die evangelischen Gemeinden im Hünfelder Land um 19 Uhr zum Friedensgebet in der Stiftskirche auf.

+++ 15.24 Uhr: Der Frankfurter Generalkonsul der Ukraine, Vadym Kostiuk, hat Deutschland und Europa nach dem russischen Angriff auf sein Land um Hilfe gebeten. Das Land warte und hoffe sehr auf weitere Defensivwaffen, sagte er am Donnerstag im hessischen Landtag in Wiesbaden.

Die Ukraine wolle ihr Land, ihr Volk, aber auch Europa verteidigen, erklärte er sichtlich betroffen. Als Unterstützung für die Ukraine müssten die Sanktionen gegen Russland fortgesetzt werden. Russland müsse beispielsweise vom internationalen Bankverkehr ausgeschlossen werden.

Volker Bouffier hat den ukrainischen Generalkonsul, Vadym Kostiuk, am Donnerstagnachmittag zu Gespräch gebeten.
Vadym Kostiuk, Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt/Main (l), und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier stehen im hessischen Landtag vor Fahnen der Ukraine. © Frank Rumpenhorst/dpa

Kostiuk forderte außerdem eine „volle Isolation Russlands von allen Formaten“, etwa der Uno. Wichtig für die Ukraine sei auch finanzielle Unterstützung. Der Generalkonsul bat zudem um humanitäre Hilfe. Wie diese genau aussehen könne, werde man bald wissen. Nach der Ansprache im Landtag traf der Konsul zu Gesprächen mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zusammen.

+++ 12.46 Uhr: Nach dem Angriffs Russlands auf die Ukraine hat der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) für alle öffentlichen Gebäude und Dienststellen des Landes Hessen ab sofort Trauerbeflaggung angeordnet. Das geht aus einer Mitteilung des Innenministeriums hervor.

Den Gemeinden, Gemeindeverbänden und sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts werde empfohlen, sich der Beflaggung anzuschließen.

Ukraine-Krise: Trauerbeflaggung in Hessen - Scharfe Kritik von Bouffier

„Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt eine Zeitenwende dar. Der russische Machthaber Putin bricht mit dieser Invasion das Tabu vom Einsatz militärischer Gewalt in Europa“, so Innenminister Beuth.

Die Flaggen der Ukraine, der Europäischen Union, von Deutschland und des Bundeslandes Hessen wehen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vor dem hessischen Landtag.
Die Flaggen der Ukraine, der Europäischen Union, von Deutschland und des Bundeslandes Hessen wehen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vor dem hessischen Landtag. © Sebastian Gollnow/dpa

Der Minister spricht von einer der dunkelsten Stunden Europas seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. „Mit der Trauerbeflaggung wollen wir unser Entsetzen und unsere Solidarität mit der Ukraine ausdrücken. Unsere Gedanken sind in diesen bedrückenden Zeiten bei den Menschen in der Ukraine“.

Update vom 24. Februar, 12.09 Uhr: Wegen der Ereignisse in der Ukraine laden die katholische Innenstadtpfarrei und die evangelische Christuskirchen-Gemeinde in Fulda heute um 19.30 Uhr zu einem ökumenischen Friedensgebet in die Christuskirche ein. Von 20 bis 20.15 Uhr findet außerdem in der Kreuzkirche ein Friedensgebet statt, das live auf Youtube gestreamt wird.

„In diesen besorgniserregenden Zeiten wollen wir beieinander stehen und miteinander um den Frieden in der Ukraine und der Welt beten“, werden die Vertreter der Gemeinden in einer Pressemitteilung zitiert.

Kirchengemeinden im Kreis Fulda laden zu Friedensgottesdiensten ein

In zwei evangelischen Kirchengemeinden in Fulda und Petersberg werden am kommenden Sonntag Friedensgottesdienste gefeiert: Am 27. Februar um 9.30 Uhr in der St. Johanneskirche in Petersberg und um 11 Uhr im Bonhoefferhaus Fulda. Die ursprünglich geplanten Faschingsgottesdienste entfallen.

Erstmeldung vom 24. Februar, 11.23 Uhr:

Fulda - Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber ruft in einer Pressemitteilung zur Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und zum gemeinsamen Gebet um eine baldige Einstellung der Kämpfe auf.

Als Zeichen der Zusammengehörigkeit und der Hoffnung auf Frieden werden am Donnerstag um 12 Uhr im gesamten Bistum Fulda die Glocken läuten. Das Bistum schließt sich damit einer gemeinsamen, ökumenischen Aktion der Kirchen in Hessen an.

Ukraine-Krise: Hessen verurteilt Russlands Angriff - Friedensgeläut und Flagge

„Die aktuellen Ereignisse in der Ukraine sind erschreckend und bedrücken mich sehr“, betont Bischof Dr. Michael Gerber. „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten: Fast 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrscht wieder Krieg in Europa!“, so der Bischof von Fulda.

„Unsere Gedanken sind zuallererst bei den Menschen in der Ukraine, aber auch bei allen anderen, die von den Folgen dieses Krieges bedroht und betroffen sind. Wir beten für sie und hoffen nach wie vor, dass die Vernunft siegt und rasch wieder Frieden einkehrt.“

Angesichts der aktuellen Eskalation wird das Bistum Fulda gemeinsam mit den Kirchen in Hessen in einer ökumenischen Solidaritätsaktion um 12 Uhr die Kirchenglocken zu Friedensgeläut läuten lassen. Das Geläut wird ein Zeichen der Zusammengehörigkeit sein und Ausdruck der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konfliktes. Bischof Gerber: „Beten wir gemeinsam für den Frieden!“

„Tag der Schande“: Volker Bouffier verurteilt Angriff auf Ukraine

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat den russischen Angriff auf die Ukraine mit scharfen Worten verurteilt. „Es ist ein Tag der Schande, ein Tag, der die Weltgeschichte verändern wird“, sagte er am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden. „Wir konnten uns das nicht vorstellen und vor allen Dingen wollten wir es uns auch nie vorstellen, dass mitten in Europa im Jahre 2022 Krieg herrscht.“

Zu allererst gälten seine Gedanken den Menschen in der Ukraine, sagte Bouffier. Er kündigte an, den ukrainischen Generalkonsul zu einem Gespräch einladen zu wollen und Hilfe anzubieten. Bouffier erinnerte an die rund 10.000 Menschen aus der Ukraine, die in Hessen leben. „Vielleicht müssen und können wir helfen, dass Menschen zu uns kommen“, sagte der Ministerpräsident.

Ukraine-Flagge am hessischen Landtag in Wiesbaden gehisst

Auch der hessische Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) hat den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilt. „Für dieses völkerrechtswidrige Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putin gibt es keinerlei Rechtfertigung“, erklärte Rhein am Donnerstag in Wiesbaden.

Neben den Flaggen der Europäischen Union, von Deutschland und des Bundeslandes Hessen weht nach dem Angriff auf die Ukraine auch die Ukraine-Flagge.
Neben den Flaggen der Europäischen Union, von Deutschland und des Bundeslandes Hessen weht nach dem Angriff auf die Ukraine auch die Ukraine-Flagge. © Hessischer Landtag

Putin setze leichtfertig und vorsätzlich die seit Jahrzehnten gültige europäische Friedensordnung aufs Spiel und gefährde unzählige Menschenleben. „Er muss an den Verhandlungstisch zurückkehren“, forderte Rhein. Für Brandstifter und Marodeure sei in Europa kein Platz.

Als Zeichen der Solidarität mit dem ukrainischen Volk wurde die ukrainische Flagge am Parlament in Wiesbaden gehisst. „Wir stehen solidarisch an der Seite der Ukraine“, erklärte Rhein. (mit dpa-Material)

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