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Bronchitis bremst Christine Groß – Künzellerin ist Vize-Europameisterin im Bankdrücken

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Christine Groß hat ihre große Leidenschaft gefunden: Seit 2016 ist sie dem Powerlifting „verfallen“, wie sie selbst sagt. Jüngst kehrte sie mit einer Silbermedaille im Bankdrücken von der Europameisterschaft im Kraftdreikampf zurück.

Von unserem Redaktionsmitglied Ann-Katrin Jehn

Sport hat im Leben von Christine Groß schon immer eine Rolle gespielt. Mit Leichtathletik und Schwimmen auf Landesebene ging es los, später ging es ihr um die allgemeine Fitness. 2016 fand Groß Gefallen am Powerlifting und hat seitdem schon so einige Kilos gestemmt. „Mittlerweile schreibe ich sogar meine Trainingspläne selbst“, sagt die ausgebildete Fitnesstrainerin, die im November von Bad Hersfeld nach Künzell gezogen und dem PSV Blau-Gelb Fulda beigetreten ist.

Die aktuelle Situation stellt die Sportlerin, die seit vergangenem Jahr dem deutschen Kader angehört, aber vor ganz neue Herausforderungen. Beim PSV darf sie wegen des Coronavirus derzeit nicht trainieren, die Fitnessstudios sind sowieso geschlossen. Nun wird sie sich also privat fit halten.

Nicht Corona, sondern Bronchitis

Das muss die 40-Jährige zwingend, denn sie arbeitet auf den WM-Start im Kraftdreikampf im August hin. Erst kürzlich sicherte sie sich den Vize-Europameistertitel im Bankdrücken. „Die EM vom 9. bis 11. März im französischen Albi wurde gerade noch so durchgezogen, danach wurden alle Veranstaltungen in unserem Sport abgesagt. Wir hatten beim Hinflug schon kleinere Probleme“, berichtet sie.

Groß hatte vor dem EM-Start überlegt, ob sie überhaupt fliegen sollte. Allerdings war nicht das Coronavirus schuld an den Überlegungen. Eine Bronchitis hatte sie in der Woche zuvor ausgebremst. „Meine Vorbereitung lief so gut. Wäre ich nicht krank geworden, wäre sicher mehr drin gewesen“, sagt die Krankenschwester, die in der Notfallaufnahme im Klinikum Fulda arbeitet.

Fehler wirft Groß zurück

Trotz der Silbermedaille ist die 40-Jährige nicht ganz zufrieden. „Im Bankdrücken habe ich nicht meine Bestleistung abrufen können.“ Schon bei der Kniebeuge (125 Kilo und neue Bestleistung) hatte sie sich verausgabt, die Erkältung tat ihr Übriges, so dass die Kraft beim Bankdrücken nicht mehr voll da war.

Hinzu kam, dass das Presssignal ungewöhnlich spät ertönte, das den Athleten den Start zum Drücken anzeigt. Lange hatte sie also die 85 Kilo über der Brust – und wartete. Beim zweiten Versuch mit 87,5 Kilogramm wurde ihr ebenfalls ein Fehler angekreidet. Ihre Konkurrentin drückte hingegen 92,5 Kilo, der erste Platz war vergeben.

Platz sieben im Gesamtranking

„Ich habe mir nachher das Video angeschaut und keinen Fehler gefunden. Ich bin selbst Kampfrichterin, es ist schon bitter, diese Erfahrung zu machen“, sagt Groß. Wäre sie in Top-Form gewesen, wären ihrer Meinung nach sicher 92,5 Kilo dringewesen. Beim Kreuzheben hob sie nur 145 Kilo und verzichtete auf den zweiten und dritten Versuch. „Da war einfach Feierabend, weil ich Kreislaufprobleme bekommen habe. Ob ich mit der Bronchitis noch mal antreten würde, weiß ich aktuell nicht.“ Am Ende stand ein Gesamtergebnis von 355 Kilo, das Platz sieben unter den neun Starterinnen bedeutete.

Den WM-Start hatte sich Groß bereits im Vorjahr bei der Deutschen Meisterschaft gesichert, allerdings muss sie auf den Auftritt dort noch warten. Die Titelkämpfe, die eigentlich am 16. Mai in Pilsen stattfinden sollten, sind wegen Covid-19 verschoben auf August. Bis dahin gilt es, weiter an der Form zu arbeiten – wenn es derzeit auch viel Improvisation erfordert.

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