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Bürgermeisterwahl Eichenzell: Johannes Rothmund will ein Mittler sein

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Fulda - „Johannes Rothmund trifft ... Sie“. Unter diesem Titel stehen die Vorstellungsabende von CDU-Bewerber Johannes Rothmund (45) in den Eichenzeller Ortsteilen. Bei den Veranstaltungen gibt es nur einen kurzen Vortrag von ihm. Er lässt vor allem seine Zuhörer reden.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

„Mein Ziel als Bürgermeister ist es, Ihre Themen aufzugreifen. Deshalb möchte ich wissen, wie Sie Ihren Ortsteil sehen“, sagt Rothmund und stellt sich an ein großes Flipchart – also einen Tafelschreibblock – vorn im Saal des Bürgerhauses Löschenrod.

Zuvor hat er sich in 15 Minuten kurz vorgestellt – in freier Rede, ohne Texte oder Fotos, die ein Beamer an die Wand werfen würde. Er erzählt von seiner Kindheit in Welkers, wo sein Vater Hausarzt war. In Rönshausen besuchte er den Kindergarten, in Lütter die Grundschule und in Fulda das Gymnasium.

Großes Interesse an Rothmund

Nach dem Jura-Studium kam er im Jahr 2000 zurück nach Fulda. Mittlerweile lebte er in Hofbieber. 2006 zog er in die Gemeindevertretung Hofbieber ein, 2015 in den Kreistag. Dass er in Eichenzell jetzt der Bewerber der CDU ist, erwähnt er, stellt es aber nur an einer Stelle heraus: „Meine Verbindungen, die ich in den Kreis, das Land und den Bund habe, will ich nutzen.“

Dann ist er auch schon im Frage-und-Antwort-Spiel mit den 50 Zuhörern. Das Interesse an Rothmund ist so groß, dass kurz vor Beginn noch zusätzliche Stühle geholt werden müssen. Um die Diskussion ins Laufen zu bringen, erzählt Rothmund, was er bei seinen Besuchen der Ortsbeiratssitzungen und den Haustürbesuchen in Löschenrod erfahren hat. „Der Ort besitzt eine sehr starke Dorfgemeinschaft und ein vielfältiges Vereinsleben“, lobt er und schreibt die beiden Stichworte gleich in großer Schrift unter „Stärken“ auf ein Chart.

Unabhängig von Parteien Lösungen finden

Beim Thema „Probleme“ melden sich dann einige Löschenröder, die Diskussion kommt in Gang. Sie sind sich schnell einig: Das große Problem des Ortes ist der Lärm durch Autos auf der B 27 und die Züge auf der nahen Bahnstrecke. „Einen Lärmminderungplan der Gemeinde gibt es schon. Als Bürgermeister würde ich sehen, was die Gemeinde noch mehr tun kann. Aber ich kann nichts versprechen“, sagt er.

Den Bürgermeister sehe er in der Rolle des Mittlers. Er möchte unabhängig von den Parteien Lösungen finden. „Mir ist es wichtig, dass die Probleme aus den Ortsteilen früh bei der Gemeinde ankommen“, erklärt er. Dann sei es wünschenswert, einen breiten Konsens zu erzielen. „Es wird immer Menschen geben, die trotzdem nicht einverstanden sind. Aber ich möchte, dass auch die Unzufriedenen nachvollziehen können, warum wir so handeln, wie wir uns entschieden haben.“ Mit vielen kleinen Anmerkungen demonstriert er, dass er sich im Ort auskennt – als einziger Bewerber, der nicht in Eichenzell wohnt, ist ihm das offenbar wichtig.

Diskussionskultur habe gelitten

Die Diskussionskultur in der Gemeinde habe in den vergangenen Monaten gelitten, beklagt er: „Eichenzell ist eine starke, gut funktionierende Gemeinde, die Verwaltung arbeitet gut“, sagt er. „In der Öffentlichkeit entsteht aber manchmal der Eindruck, als würde in der Gemeinde mehr gegeneinander als miteinander gearbeitet. In der Politik darf man streiten, aber danach muss man noch etwas zusammen trinken können.“

Die Diskussion entwickelt sich – auch über Löschenrod hinaus. In den Fragen an Rothmund geht es um die Großstadt Fulda („ich sehe keine Vorteile für Eichenzell“), den Bedarf an Krippenplätzen („da müssen wir mehr Gewicht auf Qualität legen; ich habe den Eindruck, dass Eltern bereit sind, dafür zu zahlen“) und das im Regionalplan ausgewiesene Windkraftgebiet im Gieseler Forst („dass ein neuer Investor kommt, ist nicht ausgeschlossen“).

Zum Schluss weist er auf den Wahltag 26. Januar hin und bittet um die Stimme der Anwesenden: „Ich hätte viel Spaß daran, die Gemeinde in den nächsten 12 oder 18 Jahren voranzubringen.“

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