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Bürgermeisterwahl Eichenzell: Lutz Köhler schätzt gute Kompromisse

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Eichenzell - Wenn es in der Eichenzeller Gemeindevertretung so richtig kracht, ist Lutz Köhler einer, der die Gemüter beruhigt. Das tut er mit Sachverstand und Ruhe. Der 50-Jährige tritt als Bürgermeisterkandidat der SPD an, betont aber, dass er parteilos ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Die Bäume hinter der Bank sind noch jung. Der Wind fegt über die Felder. Von hier aus kann man bis in die Rhön schauen. Im Tal liegt Rönshausen – es ist der Ort, an dem Lutz Köhler seine Gedanken sammelt, zum Beispiel nach einem Gerichtstermin, den er als Rechtsanwalt wahrgenommen hat. Vielleicht wird er auch am 26. Januar diesen Platz auf der Bank aufsuchen, denn an diesem Sonntag stellt er sich zur Bürgermeisterwahl.

Seit 2011 ist er Gemeindevertreter und gehört der SPD-Fraktion an. 2016 wurde er sogar Fraktionsvorsitzender – und das, obwohl er kein Parteimitglied ist. Fraktionsübergreifend Lösungen finden – das sei ihm wichtig, betont er. „Es ist nicht im Sinne einer Gemeinde, wenn sich parteipolitische Lager bilden und einen Kompromiss verhindern“, betont er. Die Bundes- und Landespolitik mache es den Kommunalpolitikern oft nicht leicht. Er könne nicht jede Entscheidung der Bundes- und Landes-SPD mittragen. Für einen parteilosen Kandidaten sei das dann einfacher, sich von Positionen zu distanzieren.

Halbes Jahr Bedenkzeit

Als er im Februar 2018 von der SPD gefragt wurde, ob er kandidieren möchte, gab er sich ein halbes Jahr Bedenkzeit. „Meine Tochter Maja fragte mich dann irgendwann: ,Würdest du es gerne machen wollen? Wenn ja, dann bereust du es vielleicht, es nicht probiert zu haben.‘“, erinnert sich Köhler.

Er sieht zwischen seiner jetzigen Tätigkeit als Anwalt und den Aufgaben eines Bürgermeisters viele Parallelen: „Als Anwalt muss ich das Beste für meine Mandanten herausholen, manchmal ist das ein Kompromiss. Auch als Bürgermeister bin ich Vertreter der Gemeinde, der Lösungen im Sinne der Gemeinde finden muss.“

Gute Streitkultur

Mit dem Kopf durch die Wand – das sei selten sinnvoll. Eine gute Streitkultur, darauf komme es an. „Das darf nicht ins Persönliche gehen. Leider hatten wir das in der Vergangenheit immer wieder“, sagt Köhler.

Er selbst beschreibt sich als konsequent, verlässlich beharrlich und zielstrebig. „Das darf man aber nicht mit Sturheit verwechseln“, erklärt er. Ehrlichkeit ist ihm wichtig. Auf seiner Webseite erklärt er: „Ich baue keine Luftschlösser und verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“

Nicht zum Nulltarif

Und so betrachtet Köhler die Dinge häufig von zwei Seiten: Straßenbeiträge abschaffen – das gehe nicht zum Nulltarif. Wenn die Einnahmen aus der Gewerbesteuer einbrechen, so wie im vergangenen Jahr, da sei eine Gemeinde auch mal gezwungen, Kredite aufzunehmen. Und obwohl viele Eichenzeller auf den Vertrag mit Petersberg, Künzell und Fulda zum interkommunalen Gewerbegebiet schimpfen, weil Eichenzell bislang die einzige Kommune ist, die Flächen eingebracht hat, so betont Köhler, dass der Vertrag nicht so einfach gekündigt werden sollte: „Wir haben keine Flächen mehr, die wir vermarkten könnten. Bei einer Kündigung würden wir finanzielle Verluste einstreichen.“ Mehr noch: Die interkommunale Zusammenarbeit müsse in vielen Bereichen ausgebaut werden, um Fördermittel zu bekommen.

Zusammenarbeit ausbauen

Als Bürgermeister möchte Köhler eine solche Zusammenarbeit mit anderen Kommunen ausbauen. „Gerade beim Hochwasserschutz ist das sinnvoll, hier sind über die Gemeindegrenzen hinaus Orte betroffen.“ Auch die Themen öffentlicher Nahverkehr, bezahlbarer Wohnraum und die Ansiedlung von Unternehmen hat er auf der Agenda. „Kommunalpolitik macht mir Spaß. Wie meine Chancen sind, kann ich nicht sagen. Aber ich bin bei meinen Infoveranstaltungen noch aus keinem Dorf gejagt worden.“

Ein Zufall

Ganz im Gegenteil: Vor über 20 Jahren ist Lutz Köhler in der Gemeinde Eichenzell sehr herzlich aufgenommen worden. Auf den Ort ist der Jurist, der Ende der 90er am Landgericht Fulda sein Referendariat gemacht hat, eher zufällig gestoßen. Als klar war, dass er selbstständig arbeiten und eine Kanzlei eröffnen wollte, suchte er nach Orten, wo es noch nicht so viele Rechtsanwälte gab. „Ich fuhr durch die Rhön und kam auch an Eichenzell vorbei. Dort in der Verwaltung traf ich auf Rudolf Breithecker, der damals Bürgermeister war und mir sofort helfen konnte.“

Breithecker sei es auch gewesen, der ihn für die Kommunalpolitik begeistert hat – und wer weiß, vielleicht tritt Köhler ja am 26. Januar in dessen Fußstapfen.

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