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Bürgermeisterwahl Eichenzell: Lutz Köhler (SPD) sieht sich als Realist

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Eichenzell - „Köhler kommt“. Unter diesem Titel stehen die Vorstellungsabende von SPD-Bewerber Lutz Köhler (50) in den Eichenzeller Ortsteilen. Köhler präsentiert sich dabei als Mann mit viel juristischer und kommunalpolitischer Erfahrung.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Die Besucher seiner Wahlveranstaltungen werden doppelt begrüßt – mit einem freundlichen Nicken des Kandidaten und Text, den ein Beamer auf eine Leinwand im Saal wirft. Heute ist Köhler in Rönshausen. Der Saal im Bürgerhaus ist gut gefüllt. Auch aus anderen Ortsteilen sind Zuhörer da.

Köhler skizziert den Weg, der den einstigen Marburger Jurastudenten über das Referendariat nach Fulda führte. In Osthessen fühlte sich Köhler so wohl, dass er sich als junger Rechtsanwalt in der Region niederlassen wollte – und dann Eichenzells Bürgermeister Rudolf Breithecker (SPD) traf. Die Folge: Im März 1998 eröffnete Köhler eine Kanzlei in Eichenzell. Lutz Köhler spricht frei, seine Zuhörer hören ihm aufmerksam zu.

Vor der Kommunalwahl 2011 gewann Bürgermeister Breithecker den Rechtsanwalt für eine Kandidatur auf der SPD-Liste für die Gemeindevertretung. „Rudolf Breithecker hat mir erklärt, so viel Zeit werde das nicht kosten“, erinnert sich Köhler – und lacht. „Mittlerweile ist aus dem Hobby ein zeitintensives Hobby geworden, und ich habe richtig Spaß an der Politik gefunden.“ Von Anfang an habe er klar gemacht, dass er kein SPD-Mitglied werde.

Köhler ist bekannt in Eichenzell – auch, weil er in vielen Vereinen engagiert ist. Bei der Kommunalwahl 2011 rückte er wegen vieler Einzelstimmen von Listenplatz 14 auf Platz 12 hoch, bei der Gemeindewahl 2016 von Platz 5 auf Platz 4. Seitdem ist er Chef der Eichenzeller SPD-Fraktion – und weiter parteilos.

„Anwalt ist mein Traumjob. Aber Politik, das Gestalten und der Umgang mit Menschen machen mir viel Spaß. Deshalb will ich jetzt Bürgermeister werden“, erklärt er.

Köhler skizierte seine Stärken („Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Fairness, Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit, Teamfähigkeit und Überparteilichkeit“), dann beschreibt er seine politischen Ziele. Die Stichworte könne die Zuschauer auf der Leinwand mitverfolgen: Eichenzell als Wirtschaftsstandort stärken, den Hochwasserschutz ausbauen und die Kommunikation mit Fraktionen, Ortsvorstehern, Ortsbeiräten und Bürgern stärken. „Bürgermeister Dieter Kolb hatte das gut begonnen, aber die Auseinandersetzung um das Weider-Projekt hat zu mancher persönlicher Verletzung geführt“, bedauert Köhler. Lärmschutz verbessern, Nahverkehr stärken, – bei jedem Thema erklärt Köhler, warum es für Eichenzell wichtig ist und wie es sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Den Abschluss des Vortrags bildet eine Seite mit Ideen für den Ort, in dem er gerade ist. Köhler schaut auf die Uhr. „Eine Stunde und 15 Minuten – es hat ein bisschen länger gedauert.“ Die Zuhörer sind aber nicht ermüdet. Sie klatschen.

In der Diskussion drehen sich die Fragen der Zuhörer unter anderem um die Ärzteversorgung in der Gemeinde („die Gemeinde ist dafür nicht zuständig; ein Bürgermeister kann da nichts versprechen“), die Wohnraum-Versorgung („wir sollten dem Bauherrn, der eine zusätzliche Wohnung schafft, das Bauland günstiger geben“) und die Großstadt Fulda: „Die Eigenständigkeit Eichenzells steht für mich nicht in Frage. Ich sehe keine Vorteile für unsere Gemeinde“, sagt Köhler und verschweigt nicht, dass es ihn geärgert, dass die Fuldaer SPD die Parteigenossen in der Stadtregions nicht eingebunden hatte.

Der Bewerber fasst zusammen, dass er Zukunftspläne für die Gemeinde besitzt und diese auch durchsetzen will, er sich zugleich aber als nüchterner Realist sieht: „Die Haushaltslage der Gemeinde zeigt, dass keine großen Sprünge in der Zukunft zu erwarten sind.“ Das bekräftigt er wenige Minuten später: „Ich baue keine Luftschlösser und verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“

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