In einem Wahllokal werden Stimmen zur Bundestagswahl gezählt.
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Bundestagswahl 2021: In Fulda sind alle Stimmen gezählt. Der Wahlkreis ist Hochburg von CDU und AfD.

Analyse

Bundestagswahl 2021: Fulda ist Hochburg von CDU und AfD - Lenders nach Wahlnacht „ein bisschen verkatert“

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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  • Eike Zenner
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Der Wahlkreis Fulda ist die Hochburg von CDU und AfD: Nirgendwo sonst in Hessen haben die beiden Parteien bei der Bundestagswahl so gut abgeschnitten. Michael Brand (CDU) und Jürgen Lenders (FDP) haben indes ihre Arbeit als Abgeordnete aufgenommen.

Fulda - Ein Blick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis Fulda (174) zeigt: CDU und AfD haben in Osthessen ihre Hochburgen - trotz Verlusten für beide Parteien.

31,1 Prozent der Zweitstimmen hat die CDU am Sonntag geholt – mit diesem Ergebnis, das vor vier Jahren wohl noch für Heulen und Zähneklappern gesorgt hätte, hat die Union so gut abgeschnitten wie nirgendwo sonst in Hessen. In keinem anderen Wahlkreis im Bundesland kam die CDU überhaupt über 30 Prozent.

Bundestagswahl 2021: Wahlkreis Fulda ist Hochburg von zwei Parteien

Im Wahlkreis Fulda verlor die CDU 7,9 Prozentpunkte – etwas weniger als der landesweite Verlust von 8,1 Prozent. Freude herrscht bei den Verantwortlichen einzig über das gute Abschneiden von Michael Brand, der mit 38,1 Prozent der Erststimmen das Direktmandat klar verteidigen konnte. Kritik dagegen wurde bereits am Wahlabend an Kanzlerkandidat Armin Laschet laut. Mit CSU-Chef Markus Söder hätte die Union bei der Wahl besser abgeschnitten, sagten Bezirkschef Dr. Heiko Wingenfeld und Kreisvorsitzender Markus Meysner.

Zur AfD: Die Partei erzielte – wie vor vier Jahren – in Osthessen ihr hessenweit bestes Ergebnis. Sie kam auf 13,3 Prozent - ein Minus von 2,5 Punkten, aber deutlich mehr als der Landesschnitt (8,8 Prozent).

Hochburgen der Parteien in Hessen

Die politische Landkarte in Hessen ist nach der Bundestagswahl rot gefärbt - mit einigen schwarzen Flecken und einem grünen Tupfer in Frankfurt. In Fulda haben CDU und AfD besonders stark abgeschnitten. Ein Blick auf die Hochburgen der übrigen Parteien.

Traditionell stark ist die SPD im Norden Hessens. Hier hat die Partei auch diesmal gepunktet. Im Regierungsbezirk Kassel beträgt der Vorsprung bei den Zweitstimmen auf die CDU fast 10 Prozentpunkte (32,5 Prozent zu 22,9 Prozent). Besonders stark schnitten die Sozialdemokraten im Wahlkreis Werra-Meißner-Hersfeld-Rotenburg ab. Die dort erzielten 37,7 Prozent bedeuten diesmal den höchsten Zweitstimmenanteil einer Partei in einem hessischen Wahlkreis. Landesweit holte die SPD 27,6 Prozent.

Die Grünen, in städtischen Gebieten stark, hatten ihre Hochburg erwartungsgemäß in Frankfurt: 25,6 Prozent im Wahlkreis Frankfurt II bedeuten das beste Wahlkreisergebnis - bei einem Gesamtergebnis von 15,8 Prozent in Hessen. In Frankfurt gewannen die Grünen auch ein Direktmandat. Die FDP erreichte ihren Höchstwert im Wahlkreis Main-Taunus mit 16,9 Prozent der Zweitstimmen bei hessenweit 12,8 Prozent.

Die Linke hatte es bei der Bundestagswahl schwer - das beste Ergebnis in einem hessischen Wahlkreis waren die 7,2 Prozent im Wahlkreis Frankfurt am Main I. In ganz Hessen schaffte die Linke am Ende lediglich 4,3 Prozent.

Am Tag nach der Wahl haben die gewählten Abgeordneten Michael Brand (CDU) und Jürgen Lenders (FDP) bereits die Arbeit aufgenommen. Der 47 Jahre alte Brand vertritt den Wahlkreis Fulda-Lauterbach seit 2005 in Berlin. (Lesen Sie hier: Bundestagswahl 2021 in Fulda live: Brand verteidigt Direktmandat - Kömpel und Hohmann nicht im Bundestag)

Neu in Berlin ist Jürgen Lenders (55). Der bisherige Landtagsabgeordnete wurde über die Landesliste seiner Partei in den Bundestag gewählt. Lenders saß Montagmorgen bereits im Zug nach Berlin. „Ich bin noch ein bisschen verkatert von der Nacht. So langsam wird mir jetzt bewusst, dass ich tatsächlich in den Bundestag gewählt worden bin. Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe“, sagte er. Die Fuldaer Liberalen hatten in Petersberg auf den Wahlerfolg angestoßen.

Am Montag kam Lenders noch mit dem Personalausweis in das Bundestagsgebäude. „Den Abgeordnetenausweis bekomme ich am Donnerstag“, berichtete er. Verlaufen habe er sich im Reichstagsgebäude nicht. „Vor der Sommerpause waren aussichtsreiche Kandidaten Gast der FDP-Fraktion. Da wurde uns schon einiges gezeigt und erklärt.“

Montagabend ging es für Lenders zurück nach Fulda, um am Dienstagmorgen wieder nach Wiesbaden zu fahren. Denn er ist ja noch Landtagsabgeordneter und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Landtag. „Ich werde am Dienstag meine Abschiedsrede im Landtag halten. Eigentlich geht es dabei um Carsharing, aber ich werde die Gelegenheit nutzen, einige versöhnliche Worte an die anderen Fraktionen richten.“

Video: FDP und Grüne - Was sind die Streitthemen?

Ab Mittwoch ist Lenders dann wieder in Berlin. Sein Landtagsmandat will er am 25. Oktober niederlegen, einen Tag später wird er offiziell Bundestagsabgeordneter.

Mit Brand und Lenders kommen künftig zwei Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Fulda. Birgit Kömpel (SPD) und der bisherige AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann haben den Einzug dagegen verpasst.

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