Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) mit einer Corona-Maske.
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Die Umfragen sind schlecht. Ist Armin Laschet der richtige Kanzlerkandidat für CDU und CSU?

Schlechte Umfragen

Söder statt Laschet als Kanzlerkandidat? Das sagen CDU-Politiker aus der Region

Die Serie von niederschmetternden Umfragen für Armin Laschet reißt nicht ab: 70 Prozent der Unions-Unterstützer sind inzwischen für einen Wechsel des Kanzlerkandidaten. Doch ein solcher Schritt scheint ausgeschlossen - auch für führende CDU-Politiker in der Region.

Fulda/Berlin - Neuer Umfrage-Schock für Armin Laschet vor der Bundestagswahl: Laut einer repräsentativen Erhebung des Berliner Meinungsforschungsinstituts Civey sprechen sich 70 Prozent der Unterstützer von CDU und CSU dafür aus, den Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet durch CSU-Chef Markus Söder zu ersetzen.

Nur 23 Prozent der Unionsanhänger befürworten, an Laschets Kandidatur festzuhalten. Weitere sieben Prozent antworteten unentschieden auf die Frage „Sollte CSU-Chef Markus Söder Ihrer Ansicht nach CDU-Chef Armin Laschet als Unionskanzlerkandidaten ersetzen?“

Bundestagswahl: Söder statt Laschet? Das sagen CDU-Politiker aus der Region

Damit schneidet Laschet in seiner eigenen Partei noch schlechter ab als in der Gesamtbevölkerung, wo eine Mehrheit von 52 Prozent für einen Kandidatenwechsel ist. Erst am Dienstag war eine Forsa-Umfrage bekanntgeworden, nach der die SPD gut einen Monat vor der Bundestagswahl erstmals seit Jahren in einer Sonntagsfrage wieder stärkste politische Kraft in Deutschland ist und auf 23 Prozent käme. Die Union erreicht danach 22 Prozent.

In der Unionsspitze wird ausgeschlossen, dass Laschet sich noch zurückziehen und Söder die Kanzlerkandidatur überlassen könnte. CDU-Politiker in Berlin zeigten sich angesichts der neuen miserablen Umfrageergebnisse kämpferisch. „Wahlkampf heißt nicht nur Wahl, sondern auch Kampf. Deswegen werden wir die nächsten vier Wochen auch kämpfen“, sagte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU). Die Umfrage zeige, „dass eine Linkskoalition in diesem Land möglich ist, und das mobilisiert unsere Leute.“ (Lesen Sie hier: Klare Ansage von Ralph Brinkhaus: Wer sich nicht impfen lässt, muss mit Konsequenzen leben)

CSU-Chef Söder hatte bereits am Vortag deutlich gemacht, dass er keine weiteren Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur hat – weder aktuell noch in vier Jahren.

Sollte die Union wenige Wochen vor der Wahl den Kandidaten wechseln? Führende Politiker aus Osthessen winken ab. Der Fuldaer CDU-Ehrenvorsitzende und langjährige Landrat Fritz Kramer sagt: „Jeder Kandidat muss im Wahlkampf mit Angriffen und Kritik rechnen. Panik ist da völlig fehl am Platz. Mit einem Wechsel des Kandidaten würde sich die CDU der Lächerlichkeit preisgeben. Wer im Übrigen in diesem Zusammenhang meint, dass Söder bereitstünde, für Laschet ins Rennen zu gehen, unterschätzt grob seine Intelligenz.“

Kramer moniert aber zugleich, dass der Wahlkampf der CDU es bisher „an Deutlichkeit und Klarheit“ fehlen lasse. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals zuvor viereinhalb Wochen vor einer Wahl so viele Bürger wie gegenwärtig nicht wussten, wem sie ihre Stimme geben sollen. Hier muss die CDU ansetzen. Der Integrator Laschet muss den Mut fassen, die europäischen, marktwirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Positionen der CDU zu markieren und auch die Gegner dort zu attackieren, wo sie unserer Ansicht nach die Zukunft der Bundesrepublik verspielen. Wahlkampf ist Auseinandersetzung und nicht Beschwichtigung.“

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Der Fuldaer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand sagt: „30 Prozent sind noch nicht entschieden. Wahlkampf kommt von kämpfen, und wir werden sehr kämpfen. Jeder muss wissen, worum es geht: Armin Laschet oder eine linke Mehrheit mit Rot-Grün-Rot. Laschet regiert das größte Bundesland, mit Erfolgen in Wirtschaft, Umwelt, Bildung. Der Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe trägt seine Handschrift. Der Mann kann regieren, das zeigt er seit Jahren. Natürlich gibt es auch Schwächen. Kohl und Merkel wurden auch verspottet. Entscheidend ist, was für die Leute raus kommt, und da liefert Laschet.“

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Jens Mischak, CDU-Kreisvorsitzender im Vogelsberg, betont: „Ich halte nichts von einem Wechsel, kann aber die Unsicherheit in Teilen der Unions-Anhängerschaft gut verstehen.“ Es gehe bei der Wahl jedoch nicht nur um Armin Laschet geht, sondern auch darum, „welcher Partei man ernsthaft zutraut, zu führen und zu regieren“. Wer SPD wähle, müsse wissen, dass am Ende eine Koalition mit den Linken heraus kommen könne.

Die Vorsitzende der CDU, Dr. Katja Leikert, warnt vor einer Phantomdebatte. „Es wird keinen fliegenden Wechsel im Wahlkampfendspurt geben. Kein Mensch ist ohne Fehler, auch kein Kanzlerkandidat. Aber Armin Laschet ist ein erfahrener Politiker, der als Ministerpräsident gezeigt hat, dass er Menschen – auch mit unterschiedlichen Positionen – zusammenführen kann. Das ist in unserer polarisierten Gesellschaft wichtig.“

Weitere Stimmen - unter anderem vom Fuldaer CDU-Kreisvorsitzenden Markus Meysner und MIT-Chef Jürgen Diener - lesen Sie in der Donnerstagausgabe der Fuldaer Zeitung und im E-Paper.

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