Michael Brand und Armin Laschet beim Wahlkampfauftritt des CDU-Chefs in Fulda.
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Der „Fuldaer Rucksack“ hat nicht geholfen: Michael Brand (links) und Armin Laschet beim Wahlkampfauftritt des CDU-Chefs in Fulda.

Interview

„Uns sterben die Wähler weg“ - CDU-Abgeordneter Michael Brand nennt Gründe für Wahldebakel

  • Bernd Loskant
    VonBernd Loskant
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Sein persönliches Erststimmenergebnis bei der Bundestagswahl war besser als das seiner Partei – doch Michael Brand (47) ist alles andere als zufrieden. Im Interview spricht der alte und neue osthessische CDU-Wahlkreisabgeordnete unbequeme Wahrheiten aus.

Fulda - Wenige Tage nach der Bundestagswahl gibt sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand im Interview mit der Fuldaer Zeitung offen und selbstkritisch: „Weil wir in der Ära Merkel zu wenig diskutiert haben, waren wir im Wahlkampf nicht hinreichend sprechfähig.“ Brand hatte am Sonntag erneut das Direktmandat im Wahlkreis Fulda errungen.

In der ersten Fraktionssitzung nach der Wahl am Dienstagabend sollen viele Abgeordnete heftige Kritik an Armin Laschet geübt haben. Wie haben Sie die Sitzung erlebt, wie war die Stimmung?
Leider ist es inzwischen so, dass vernünftige Beiträge in zu vielen Medien kaum stattfinden. Es haben die mehr Chancen, die Zoff machen. Ich habe als letzter Redner in der Sitzung auf unsere große Verantwortung hingewiesen, darauf, dass am Reichstagsgebäude „Dem deutschen Volke“ steht, nicht: „den eigenen Interessen, dem eigenen Frust“. Wir sind ja keine Selbsthilfegruppe, sondern die zweitstärkste Fraktion im Bundestag.
Natürlich war die Debatte kritisch, und Armin Laschet hat natürlich Fehler eingeräumt. Aber es gab eben auch viele Beiträge, die davor warnen, nicht alles nur in die Tonne zu treten. Schließlich haben uns viele Millionen Menschen nicht dafür gewählt, damit wir uns nur mit uns beschäftigen, sondern damit wir politische Ziele umsetzen.

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Nach Bundestagswahl: Michael Brand (CDU) nennt Gründe für Wahldebakel

Allenthalben wird von einer nun notwendigen Erneuerung der CDU gesprochen. Kann diese Erneuerung mit Armin Laschet gelingen – oder muss er zurücktreten und den Weg frei machen für Jüngere wie Jens Spahn?
Also, diese gezielte Personaldebatte hat schon unserem gesamten Wahlkampf geschadet. Wenn die Union jetzt jede Woche neue Kandidaten durch den Wolf dreht, dann muss sich niemand wundern, wenn sich die Leute mit Entsetzen abwenden. Es war für die Wahlkämpfer schwer zu ertragen, dass bis in die letzten Tage des Wahlkampfs von manchen der Eindruck erweckt wurde, wir hätten nur falsches Personal und einen Sieg nicht verdient. Das grenzte schon an Sabotage. Ob Armin Laschet die CDU in die Zukunft führt, werden wir in ein paar Wochen wissen. Ich rate also von Hektik sehr ab.
Welche waren die entscheidenden Fehler, die die CDU im Wahlkampf gemacht hat und die zu der für die Partei heftigsten Wahlschlappe seit dem Zweiten Weltkrieg geführt haben?
Wir sind am Ende der Ära Angela Merkel zwischen „Weiter so“ und alles anders machen einen schweren Gang gegangen. Die einen wollten weit weg von Merkel, die anderen wollten am liebsten eine Kopie von Merkel. Weil wir in der Ära Merkel zu wenig diskutiert haben, waren wir im Wahlkampf nicht hinreichend sprechfähig. Der Kandidat hat auch Fehler gemacht, wie er eingeräumt hat. Aber am meisten hat uns geschadet, dass jede verdammte Woche jemand erklärt hat, es gäbe bessere als den, den wir als Kanzler vorschlagen. Das ist für jede Kampagne tödlich. Wenn ich die CDU zerstören wollte, würde ich das weitermachen.

Video: Der Druck auf Laschet steigt

In welche Richtung muss sich die Union entwickeln? Zurück zu ihrem konservativen „Markenkern“ – die von vielen Wählern und Medien beobachtete Annäherung an Positionen von SPD und Grünen in der Merkel-Ära scheint zumindest Ihre Klientel nicht überzeugt zu haben?
Zuallererst müssen sich CDU und CSU in aller Ehrlichkeit damit auseinandersetzen, dass wir bei dieser Wahl nur noch bei den über 60-Jährigen mehr als 20 Prozent erreicht haben. Das ist ein Alarmsignal allererster Güte. Die CSU mit Markus Söder hatte bei der letzten Landtagswahl 2018 historische Verluste erlitten – und die allergrößten davon an den Tod: Der Union sterben nämlich die Wähler weg. Da kann man nicht einfach Antworten geben, die nur sagen: „an den Zeitgeist anpassen“ oder die, die nur sagen: „bitte alles so wie früher“. Diese Debatte müssen wir ehrlich führen, und klug. Sonst sterben wir aus.

Das komplette Interview mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Brand lesen Sie in der Donnerstagausgabe der Fuldaer Zeitung (30. September) und im E-Paper. Online erscheint eine gekürzte Fassung.

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