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Der Chiemsee als Ziel: Sabine Kuhnert geht ab Januar auf Konzertwanderung

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FULDA - Am Anfang war die Idee, und die Idee war mutig. „Vor fünf Jahren habe ich mir die Frage gestellt, was ich machen würde, wenn ich tun könnte, was ich wollte“, sagt Sabine Kuhnert. Die Antwort: „Einfach losgehen und sehen, was passiert.“ Am 1. Januar ist es nun endlich soweit: Die Musikerin (Sabinett) startet ihre Konzertwanderung quer durch Deutschland.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Hektik, Reizüberflutung und Sicherheit, die über alles geht, bestimmen den normalen Alltag in Deutschland: „Dagegen möchte ich ein Zeichen setzen“, erklärt die Mittvierzigerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Zeichen, das unter den Begriffen Entschleunigung, Ruhe und „Vertrauen in das Leben“ zu finden sei. Vertrauen? Natürlich sei nicht alles werde planbar auf ihrer Wanderung, sagt die Musikerin. Ein halbes Jahr hat sie eingeplant für ihren Marsch, auf dem Rücken ein Rucksack und ein Rhythmusinstrument, „so eine Art Waschbrett“. Der Weg soll zunächst über Erfurt, Eisenach, Gotha und Weimar nach Berlin gehen, später dann nach Hamburg und zuletzt ab in den Süden. Endziel: der Chiemsee.

Hut-Konzerte sollen Wanderung finanzieren

Kuhnert macht kein Geheimnis daraus: Das Ganze kann sie natürlich nur angehen, weil sie keinerlei Verpflichtungen hat. Finanzieren will sie sich auf der Wanderung im Wesentlichen durch einzelne Hut-Konzerte – Auftritte etwa in Buchhandlungen oder Yogazentren, bei denen sie auf Begegnungen mit den Menschen hofft, denen sie die Idee ihrer Entschleunigungswanderung nahe bringen will. Sie hat es durchgerechnet: „Ich brauche nicht viel Geld. Wenn es sich anbietet, übernachte ich natürlich bei Freunden und Bekannten. Oder in privaten Zimmern, das ist nicht so teuer. Außerdem ist mein Lebensstandard nicht so hoch, ich habe keine großen Ansprüche.“ Deswegen geht sie auch davon aus, dass was übrig bleibt.

Teil der Einnahmen für guten Zweck

Ein Teil ihrer Einnahmen soll nämlich an die Björn-Schulz-Stiftung gehen, die sich um Familien mit „lebensverkürzend erkrankten Kindern“ kümmert. Das klingt bürokratisch nüchtern, meint aber umfassende Betreuung: Hospizarbeit, Erholung, Nachsorge und Trauerbegleitung. „Man darf nämlich nie vergessen, was es für die Angehörigen bedeutet, ein sterbendes Kind in der Familie zu haben“, erklärt Sabine Kuhnert. Sitz der Stiftung ist in Berlin, am 1. März will sie für einen Besuch vor Ort sein.

Notfalls jobben

Nochmal zurück zum leidigen Thema Geld. Was, wenn es doch vorne und hinten nichts reicht? „Ich habe für dieses Projekt ein Crowdfunding initiiert“, sagt sie. „Und wenn alle Stricke reißen: Ich könnte jobben. Dann müsste ich die Wanderung halt für einige Zeit unterbrechen.“ Überhaupt mag sie sich nicht in ein weiteres Korsett pressen. Zwar lässt sich einiges vorab organisieren – zum Beispiel die Route und einzelne Konzerte. Doch das Unwägbare steht dennoch im Vordergrund. Auch eine Form von Freiheit, befindet Sabine Kuhnert und kommt zurück zu ihrer Ausgangsidee. „Immer dieses ,man müsste doch mal, man sollte doch mal‘, aber nie tut man es“, seufzt sie. Und macht es eben anders.

Richtige Kleidung

Davon, dass sie die Tour abbrechen muss, geht sie nicht aus. Das Wetter? „Kein Problem, da geht es nur um die richtige Kleidung“, betont die Musikerin. Angst vor brenzligen Situationen hat sie auch nicht. „Zum einen streife ich ja nicht durch unwägsamen Wald oder so, sondern habe mir schon richtige Wanderwege rausgesucht. Und zum anderen kann dir doch überall und jederzeit etwas passieren.“ Da ist es wieder, dieses Vertrauen ins Leben, von dem sie selber sagt, dass sie es früher nicht gehabt habe. Dann fügt sie noch hinzu: „Und wenn ich doch scheitere, kann ich immerhin sagen: Ich habe es zumindest versucht.“

Blog, Vorträge, Buch?

Was wird aus all den Erlebnissen, den Geschichten, die sie zu erfahren, von denen sie zu hören hofft? „Zunächst werde ich in meinem Blog davon erzählen“, sagt sie. Ob sie später Vorträge halten oder ein Buch schreiben wird, kann sie noch nicht sagen. „Ich lasse mich überraschen von dem, was kommt.“

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