FFT in Fulda. / Foto: privat

China sucht „die Cleveren“ – und findet FFT in Fulda

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Immer wieder ist davon zu lesen, dass eine deutsche Firma von einem chinesischen Konzern aufgekauft wurde. Droht der deutschen Wirtschaft ein Ausverkauf nach Fernost? „Ganz klar: nein“, sagt Manfred Hahl. Der 57-Jährige ist Geschäftsführer des Fuldaer Unternehmens FFT, das seit Ende Mai zum Fosun-Konzern mit Sitz in Shanghai gehört.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Seit zwei Jahrzehnten führt Manfred Hahl die im Industriepark Fulda West ansässige Firma FFT, die zum Beispiel die Automobilindustrie mit Roboterstraßen und anderen Maschinen beliefert: „Mit 2800 Mitarbeitern erwirtschaften wir einen Umsatz von 750 Millionen Euro – nach einer massiven Entwicklung bei Umsatz, Mitarbeitern und Technologie. Und das Ergebnis stimmt auch.“ Gründe seien in den Schwerpunkten Aus- und Weiterbildung – das Berufsbildungszentrum BBZ gehört dem Unternehmen –, Entwicklung und nicht zuletzt einem „globaler Wissensaustausch“ zu sehen.

Es geht um die Cleveren

„Von einem solchen Austausch profitiert nicht nur die deutsche Wirtschaft. Jedes Land und Kultur bringt eigenes Wissen ein“, betont Hahl, wohlwissend dass dies ein wesentliches Kriterium für das Kaufinteresse der Fosun Group war. „Die Chinesen fahren eine auf fünf bis zehn Jahre angelegte Strategie. Sie analysieren, wen sie zum Erreichen ihrer Ziele benötigen. Dabei geht es ihnen um die Cleveren.“ Dazu zählt er in der Branche sein Unternehmen: „Wir sind zwar nicht der Größte unter den Wettbewerbern, aber in der Entwicklung und mit unseren Konzepten sind wir Vorreiter.“

Automatisierung im Blick

FFT passe damit in die Langfriststrategie. China wolle bis 2025 als Produktionsstandort das Niveau von Made in Germany erreichen. Auch wegen der Ein-Kind-Politik drohe aufgrund der Demografie ein Fachkräftemangel. Eine Lösung für das Problem, so Hahl, liege in der Automatisierung: „Daher kaufen sie deutsche und europäische Industrieunternehmen auf. Das alles wird vom Staat gesteuert und nichts dem Zufall überlassen. Es ist sehr clever, wie sie ihre Langfriststrategie systematisch umsetzen.“

Basis für „vierte Säule“

Entsprechend sei Fosun vorgegangen. Neben den Bereichen Freizeit, Gesundheit und Immobilien baue der Konzern mit Industrieunternehmen eine vierte Säule im Konzern auf. „Hierfür ist FFT die Basis.“ Für die Fuldaer ist zwar der in Shanghai beheimatete Eigentümer neu, nicht aber das „Reich der Mitte“. Schon seit mehr als zehn Jahren sind die Fuldaer dort mit einem Standort und 360 Mitarbeitern vertreten. Hahl: „Wir sind mit unseren Kunden mitgegangen. BMW zum Beispiel hat vor sieben Jahren angefangen, weltweit Autos zu bauen.“

„Relativ sicherer Investor“

Der Kauf von FFT durch Fosun wurde im Juni 2018 besiegelt und am 28. Mai 2019 abgeschlossen, nachdem alle Genehmigungen durch die Behörden erteilt waren. Die Chinesen seien ein „relativ sicherer Investor“ und gut für FFT. Dafür stehe dessen langfristig angelegte Philosophie. Hahl: „Die Chinesen investieren dort, wo sie für die eigene Bevölkerung einen Mehrwert schaffen können. Die gekauften Betriebe sollen weiter wachsen und dienen als Plattform für den asiatischen Markt. Und wer weiter wachsen will, muss in Asien präsent sein. Das trifft auf uns zu. Wir sollen in Entwicklung und Innovation investieren und das Knowhow in Deutschland und Europa weiter entwickeln.“

Fulda bleibt Hauptsitz

In der Praxis sieht das so aus, dass der Hauptsitz von FFT in Fulda bleiben wird, wo weiter in Personalaufbau und Technologie investiert werden soll. Aber auch in Shanghai will FFT bauen. Der Geschäftsführer geht von einem anhaltend starken Wachstum aus: „Wir wollen in zehn Jahren bei 1,5 Milliarden Euro Umsatz sein. Dieses Ziel hatte ich schon vor der Übernahme. Wenn man sieht, wo wir herkommen, dann ist das machbar.“

Die Gefahr, dass die deutsche Industrie einen Ausverkauf gen Fernost erleiden könnte, sieht der Manager nicht. Dafür seien die chinesischen Investitionen hierzulande – auch im Vergleich mit dem Engagement deutscher Firmen in China – nicht hoch genug. Eine Gefahr sieht Hahl eher in einer gewissen Konzeptlosigkeit der deutschen Industrie- und Wirtschaftspolitik: „Unsere Politik befasst sich nur mit den Großen. Die ,Hidden Champions’ kennt man in Berlin nicht. Der Mittelstand bekommt ständig Auflagen und Restriktionen, dass man fast den Spaß verliert. Wir brauchen durchgängige Konzepte, wie wir unser Wissen und Technologie in der Welt verkaufen können.“

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