Zeno Diegelmann alias Tim Boltz
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Freut sich auf Fulda: Comedy-Autor Tim Boltz.

Comedy-Autor im Interview

Tim Boltz über Touristen auf Mallorca, Kultur in Corona-Zeiten und sein Kinderbuch

  • Anne Baun
    vonAnne Baun
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Comedy-Autor Zeno Diegelmann alias Tim Boltz (45) tritt am 23. Juli bei „Kultur. Findet. Stadt“ im Fuldaer Museumshof auf. Mit der Fuldaer Zeitung hat er vorab über sein neues Programm, seine Projekte und natürlich die Corona-Pandemie gesprochen. 

Hand aufs Herz: Haben Sie sich schon mal eine Liege am Pool mit einem Handtuch reserviert?
Hahaha... Das ist eine Anspielung auf unser Lied „Eine neue Liege ist wie ein neues Leben“. Ich bin per se nicht so der Pool-Lieger. Bei meinem Hauttyp habe ich nur eine sehr überschaubare Haltbarkeitsdauer, bis ich komplett verbrenne. Von daher überlasse ich diese Plätze gerne den sonnengegerbten Körpern und verweile im Schatten.
Dieses Jahr funktioniert Urlaub ein bisschen anders als sonst. Wie sieht’s bei Ihnen aus?
Mein letzter, richtiger Urlaub ist eh schon über zehn Jahre her. Da hat sich durch Corona nicht viel geändert. Allerdings sind natürlich einige Kreuzfahrten ausgefallen, auf denen wir als Gastkünstler aufgetreten wären. Umso schöner ist es da doch, dass wir mit unserem Programm „Wenn Bengel reisen“ gemeinsam mit dem Publikum auf eine imaginäre Reise gehen können. Zu Lande, zu Wasser und auf der Flucht.
Können Sie auch nur ansatzweise verstehen, was gerade am Ballermann abgeht?
Ja und nein. Ja, weil in den letzten Monaten und Jahren schon so einige Dinge passiert sind, die ich niemals für möglich gehalten hätte, und nein, da es schlichtweg unverantwortlich und peinlich ist, sich so zu verhalten. Und dann auch noch als Urlaubsgäste in einem Land, das so sehr von der Pandemie gebeutelt wurde wie Spanien. Das verdeutlicht schon ein erschreckend hohes Maß an Ignoranz und ist ein Arschtritt für jede Form von Empathie und Solidarität.
Ihr Auftritt in Fulda ist der erste seit fünf Monaten. Können Sie Ihren Text noch?
Das werden wir sehen. Es wird definitiv auch für mich eine neue Erfahrung werden, auf die ich mich aber freue. Die Vorpremiere des Programms im Januar war ja hier in Fulda. Kurz danach wurde die restliche Tour abgesagt. Von daher ist es fast wie eine zweite Premiere. Der Abend wird auf jeden Fall anders als der im Januar und dadurch einmalig. Aber wenn das Fuldaer Publikum mitspielt und uns auf der Bühne unterstützt, kommt man hoffentlich schnell wieder in einen Bühnenflow, der alle gemeinsam durch den gesamten Abend trägt. 
Was überwiegt bei Ihnen – die Sorge vor Ansteckung oder die Freude, dass nach so langer Zeit mal wieder ein Auftritt ansteht?
Berechtigte und gute Frage. Ich bin da ziemlich hin- und hergerissen. Natürlich freut man sich, dass man wieder auf einer Bühne stehen und sein Programm vor einem echten Publikum präsentieren kann. Aber so tun, als ob nichts wäre, kann man auch nicht. Allein die Abstände zwischen den Gästen, wenn man ins Publikum schaut, wird schon sehr gewöhnungsbedürftig sein. Denn es finden ja nur maximal 100 Gäste Platz. Wir müssen uns alle erstmal an diese neue Situation gewöhnen und dankbar sein, dass das Kreuz und die Stadt sich überhaupt diese Mühe machen, unter all den Auflagen, etwas auf die Beine zu stellen
Sie haben neulich in einem kurzen Corona-Beitrag in unserer Zeitung erzählt, dass Sie zwei Lyrikbände und ein Kinderbuch geschrieben haben. Sind die schon veröffentlicht?
Die zwei Lyrikbände sind tatsächlich bereits herausgekommen. Es sind alles Reime und Gedichte aus meiner Feder. Eine Sammlung von Nonsensgedichten in der Tradition von Heinz Erhardt oder Wilhelm Busch. Alle mit mindestens einem Augenzwinkern. Sowas in der Art wie: „Die Liebe macht ein jeden blind, man ist berauscht vom Glück. Doch mit der Ehe kehrt alsbald die Sehkraft dann zurück“. Das Kinderbuch hingegen ist noch in Arbeit. So etwas dauert deutlich länger, zumal ich das gemeinsam mit der Schauspielerin Radost Bokel schreibe, die die meisten noch als Momo, aus dem gleichnamigen Film, kennen.

Karten und Infos

Karten für die Veranstaltung am Donnerstag, 23. Juli, um 18 Uhr im Museumshof Fulda sind im Vorverkauf bei der Fuldaer Zeitung sowie online beim Kreuz erhältlich. Wegen der Corona-Maßnahmen gibt es keine Abendkasse. Die Tickets kosten 15 Euro, vor Ort bekommen die Gäste einen Lilienthaler im Wert von 5 Euro sowie einen Eintrittsgutschein für die Oliver-Estavillo-Ausstellung im Vonderau Museum.

Mit der Reihe „Kultur.findet.statt" wollen das Kreuz und die Stadt Fulda die regionale Kulturszene in Corona-Zeiten stärken. Aber auch in Bad Hersfeld gibt es - als Ersatz für die Festspiele - ein besonderes Kulturpogramm im Sommer.

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