Das Commerzbankgebäude in Fulda.
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Größere Filialen – dazu dürfte die Zweigstelle am Uniplatz in Fulda gehören – will die Commerzbank in Zukunft stärken. Wie die Bank in Zukunft in Osthessen präsent sein will, dazu hat sie sich noch nicht geäußert.

Bilanz 2020

Commerzbank profitiert vom Bauboom in Fulda: Neugeschäft mit Immobilienkrediten wächst um 40 Prozent

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Die Commerzbank in Osthessen ist gut durch das erste Coronajahr 2020 gekommen. Dazu trugen die Hausfinanzierungen bei, die im Marktbereich Fulda viermal stärker wuchsen als bei der Bank bundesweit.

Fulda - Die Commerzbank ist in den Schlagzeilen – nicht mit ihrer Arbeit im Landkreis Fulda und in Osthessen allgemein, aber mit der Strategie des neuen Vorstands. Um Kosten zu sparen, will die Bank 10.000 Vollzeitstellen abbauen. Die Regeln für den Stellenabbau sollen mit dem Gesamtbetriebsrat bis zur Hauptversammlung am 5. Mai vereinbart werden. Die Zahl der Filialen soll von 790 auf 450 sinken. 190 Filialen sollen noch in diesem Jahr schließen, 2022 und 2023 folgt die Schließung weiterer insgesamt 150 Filialen. 220 der verbleibenden Standorte sollen gestärkt werden.

Was diese Strategie für die Filialen in Osthessen bedeutet, dazu konnten sich die Verantwortlichen der Commerzbank Fulda in dem Pressegespräch, in dem es um die Bilanz 2020 ging, nicht äußern. „Da die Gremiengespräche aktuell noch laufen, können wir heute noch nichts zu den regionalen Auswirkungen der neuen Strategie sagen“, erklärte eine Sprecherin. Allerdings: In der Filiale in Lauterbach sind seit Beginn der Corona-Pandemie keine Mitarbeiter mehr vor Ort. Wenn die Commerzbank an diesem Standort festhielte, würde es ziemlich wundern. (Lesen Sie hier: Preise steigen rasant, Lieferungen bleiben aus: Auf vielen Baustellen droht Stillstand - „Extreme Probleme“)

Commerzbank profitiert von Bauboom in Osthessen: Neugeschäft mit Baukrediten steigt stark

Mit der Bilanz 2020 im Marktbereich Fulda – er umfasst die Filialen Fulda, Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis und Lauterbach im Vogelsbergkreis – ist die Bank sehr zufrieden, sagte Filialleiter Andreas Hose (37). Ihre Firmenkunden sind bisher gut durch die Krise gekommen. „Wir sehen keine Insolvenzwelle auf uns zurollen. Aus heutiger Sicht sind wir mit unseren Firmenfinanzierungen robust aufgestellt“, sagte Frank Schneider (48), Firmenkundenbetreuer der Commerzbank Fulda. Unterstützt wurden die Unternehmen auch durch KfW-Kredite.

Bilanz 2020

Commerzbank im Marktbereich Fulda (Filialen Fulda, Schlüchtern, Lauterbach)
Mitarbeiter: 37 (35)
Privat- und Unternehmerkunden: 24.660 (24.515)
Neukunden: 145 (470)
Geschäftsvolumen: 689 Mio (654 Mio)
Kreditvolumen: 165 Mio (146 Mio), davon Immobilienfinanzierungen 119 Mio (115 Mio)
Depotvolumen: 290 Mio (286 Mio)
Einlagevolumen: 234 Mio (223 Mio) / vn

Quelle:Commerzbank

Insgesamt hat die Commerzbank bundesweit 7,7 Milliarden Euro KfW-Coronakredite bereitgestellt, davon 126 Millionen Euro in der Niederlassung Bad Homburg, zu der Fulda gehört. Von den bereitgestellten Krediten wurde nur rund die Hälfte abgerufen: 3,3 Milliarden bundesweit, in der Niederlassung Bad Homburg 68 Millionen Euro.

Deutlich zugelegt hat das Geschäft mit Baufinanzierungen. Bundesweit wuchs das Neugeschäft bei den Commerzbanken um zehn Prozent. In Fulda, Schlüchtern und Lauterbach wuchs das Neugeschäft sogar von 16 auf 23 Millionen Euro – ein Plus von 41 Prozent.

In der Filiale Lauterbach sind seit Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr keine Mitarbeiter mehr präsent. Die Zweigstelle dürfte zu den bundesweit 190 Standorten gehören, die der Vorstand noch in diesem Jahr schließen will.

„In Osthessen wird nach unserer Beobachtung deutlich mehr gebaut als im Bundesdurchschnitt. Die Kommunen weisen Neubaugebiete aus. Viele Kunden aus dem Rhein-Main-Gebiet ziehen nach Osthessen, weil hier die Lebensqualität hoch ist – und sie sich hier ein Haus leisten können, was in und um Frankfurt für sie unbezahlbar wäre“, sagte Filialleiter Hose. In der Rhön zum Beispiel plant Poppenhausen plant am Ortsrand ein neues Baugebiet. 

„Die Coronakrise hat den Wunsch nach Wohneigentum noch einmal verstärkt. Dabei geht der Trend raus aus der Stadt ins Grüne, besonders Immobilien mit Gärten und Balkonen waren 2020 gefragt“, sagte Hose. Das Gesamtvolumen der Immobilienfinanzierungen der Commerzbank im Marktbereich Fulda wuchs jedoch nur um 3,5 Prozent, weil viele Häuslebauer ihre Schulden kräftig tilgten. (Lesen Sie hier: Wohnen in Fulda: Kosten für Häuser explodieren - Käufer zahlen bis zu 230 Prozent mehr als vor zehn Jahren)

Commerzbank: 40 Prozent mehr Immobilienkredite in Filialen in Osthessen

Auch im vergangenen Jahr hat die Commerzbank in Osthessen Kunden gewonnen – insgesamt 145. Ein Jahr zuvor waren es noch mehr als dreimal so viel gewesen. Bei der Neukundengewinnung spielen digitale Kanäle eine immer größere Rolle. Jeder dritte Neukunde kam 2020 online zur Commerzbank.

Die Lockdown-Zeit hat zugleich dazu geführt, dass sich Kunden verstärkt um ihre Geldanlage gekümmert haben. „Viele haben den Kurssturz im Frühjahr 2020 genutzt und Wertpapiere gekauft – davon einige zum ersten Mal“, sagte Hose. Besonders beliebt waren Wertpapiersparpläne: Ihre Zahl stieg im Marktbereich Fulda um 15 Prozent. Insgesamt hat sich das Depotvolumen auf 290 Millionen Euro erhöht.

Neue Kunden müssen ab 1. August bei einem Anlagevolumen von mehr als 50 000 Euro Minuszinsen zahlen. Damit fordert die Commerzbank schon bei einem geringeren Volumen als die meisten Mitbewerber eine Aufbewahrungsgebühr. „Bei Bestandskunden treffen wir individuelle Entscheidungen, ab wann der Minuszins einsetzt“, sagte Filialleiter Hose.

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