Café bedient nur Ungeimpfte
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In der Debatte um 2G oder 3G sind Akteure aus unterschiedlichen Lebensbereichen - etwa der Gastronomie - zwiegespalten. (Symbolbild)

Meinungen sind geteilt

Corona-Debatte um 2G oder 3G nimmt Fahrt auf: Das sagen Vertreter von Kirchen, Gastronomie und Sport

Noch kann jeder Ungeimpfte mit negativem Test alle Angebote nutzen, doch dies könnte sich ändern. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht erhebliche Einschränkungen auf sie zukommen. Die Corona-Debatte um 3G oder 2G nimmt Fahrt auf. Wie sehen dies Akteure aus den unterschiedlichen Lebensbereichen?

Fulda - „Auf Dauer werden wir uns von der 3G-Strategie zu einer 2G-Strategie entwickeln“, sagt CSU-Chef Markus Söder und meint, dass Ungeimpfte im Gegensatz zu Geimpften und Genesenen zu bestimmten Veranstaltungen oder Einrichtungen keinen Zutritt mehr haben. Während der Fußballbundesligist 1. FC Köln bereits angekündigt hat, demnächst nur noch Genesene oder Geimpfte ins Stadion zu lassen, soll in Bayern bald die 3G-Pflicht in Innenräumen kommen, wie merkur.de* berichtet.

Auch in Osthessen wird die Corona-Debatte in Bereichen wie Kultur, Kirche und Gastronomie aufgegriffen - aber zwiespältig betrachtet. (Lesen Sie hier: Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern: Tests ab 11. Oktober nicht mehr generell gratis)

Corona: 2G oder 3G - Das sagen Akteure aus Kultur und Sport zur Debatte

Aus Veranstaltersicht sieht Marcel Büttner, Abteilungsleiter Marketing und Public Relations bei Provinztour, die relevanten Fragen vielmehr darin, mit welchen Maßnahmen Konzerte wieder ohne Einschränkungen der maximalen Auslastung stattfinden können. Und: Wie kann gewährleistet werden, dass das auch in sechs bis zwölf Monaten der Fall ist? „Aktuell ist es ja so, dass kein klarer Fahrplan vorliegt, der die Sicherheit gibt, dass solche Konzerte auch stattfinden können. Die private Veranstaltungsbranche braucht aber diese Planungssicherheit“, sagt Büttner. Provinztour veranstaltet unter anderem die Domplatzkonzerte in Fulda.

Für Michael „Shaggy“ Schwarz und das Kulturzentrum Kreuz ist es wichtig und notwendig, dass sie Veranstaltungen durchführen können. Aber die Gesundheit der Gäste und Künstler habe absolute Priorität – und ihre eigene natürlich auch. „Wenn sich herausstellt, dass ,2G‘ die sicherste Variante ist und dies zur Regel wird, werden wir uns selbstverständlich daran halten“, so Schwarz.

Für die Gottesdienste und die Kirchen stellt die Pressestelle des Bistums Fulda klar, dass die Kirchen ein bewährtes Hygiene- und Abstandskonzept hätten, das den Gesundheitsschutz der Gottesdienstbesucher gewährleistet. „Wir bleiben vorerst bei unserer bewährten Zugangspraxis, die unter anderem begrenzte Teilnehmerzahlen zur Wahrung der Mindestabstände, eine Kontaktdatenerfassung sowie eine Maskenpflicht beinhaltet. Gleichwohl ermutigen wir die Menschen ausdrücklich, sich nach Möglichkeit impfen zu lassen“, teilt die Pressestelle mit.

2G oder 3G: Akteure aus Osthessen schauen auf Debatte und äußern sich zwiegespalten

Wilhelm Hammann, Dekan des evangelischen Kirchenkreises Kinzigtal, halte es für etwas zu früh, die Frage zu beantworten, ob nur noch Geimpfte oder Genesene zum Gottesdienst kommen dürfen. „Eine entsprechende Beratung des Hessischen Landesregierung, aus denen die Maßgaben für evangelische Kirchen erfolgen, fehlt bisher. Ich sehe die Diskussion aber als Impuls, sich impfen zu lassen, wenn es medizinisch vertretbar ist.“

Stefan Buß, Stadtpfarrer Katholische Stadtpfarrei Fulda, kann sich für die Kirchengemeinden nicht vorstellen, ungeimpfte Menschen von Gottesdiensten auszuschließen – „wohl aber, dass es künftig zum Standard wird, dass diese Personen einen Testnachweis erbringen müssen.“

Video: Söder kritisiert Corona-Beschlüsse: Reichen nicht, um vierte Welle zu brechen

Auch in der Gastronomie in Fulda im Main-Kinzig-Kreis und Vogelsberg reicht die Vorstellung davon, Getesteten den Zutritt zu verwehren nicht weit. Timo Freser, Landhotel-Restaurant Schützenhof Ulmbach, bezeichnet es sogar als „absoluter Quatsch“. „Wir haben keinen einzigen Coronakranken gehabt. Zudem wird in der Gastronomie penibel auf die Abstände geachtet. Die Regierung sollte den Kern des Problems in anderen Bereichen statt in der Gastronomie suchen – etwa bei privaten Treffen. Es ist richtig, dass sich die Menschen impfen lassen sollen. Nicht richtig ist, dass Nicht-Geimpfte eingeschränkt werden.“

Gisela Gärtner, Inhaberin Gaststätte Zum Lasch, in Schlüchtern werde ihren Stammgästen nicht sagen, dass sie draußen bleiben müssen, weil sie nicht geimpft sind. Fast alle ihre Gäste seien geimpft. Auch Heinz Riepl, Landgasthof Porta in Pfordt, möchte sich diese Entscheidung nicht auf die Schulter legen lassen und sagt: „Grundsätzlich werde ich jedem Einlass gewähren.“

Was bedeuten 2G und 3G?

Die 3G-Regel beschreibt die Freiheiten für Geimpfte, Getestete und Genesene. 2G hingegen beschränkt sich nur auf Geimpfte und Genesene.

Marc Zuspann, Geschäftsführer Zuspann à la Carte bezeichnet sich selbst als absoluten Impfbefürworter. „Auch bei uns im Unternehmen sind alle geimpft.“ Eine Zweiklassengesellschaft könne er sich trotzdem nicht vorstellen. „Ich bin allerdings dafür, dass Tests Geld kosten. Denn das setzt ungeimpfte Menschen unter einen gewissen Zugzwang“, so Zuspann.

Corona-Debatte um 2G: Kliniken aus Osthessen setzen bei Patientenbesuchen weiter auf 3G

Als Frisör würde sich Manfred Hohmann, Geschäftsführer des HairSzenario Hilders, wie folgt entscheiden: „Wenn sich die Situation verschärft, würden wir nur Geimpfte oder Genesene zulassen, weil nur die Impfung die Lösung ist. Ich hoffe aber, dass wir nicht so weit kommen.“

Gudrun Käsmann, Pressesprecherin Helios-Klinik Hünfeld, erklärt mit Blick auf die Krankenhäuser: „Wir setzen bei geplanten Veranstaltungen und Patientenbesuchen weiterhin auf die 3G-Regel, weil der Besuch zur Genesung der Patienten beiträgt. Dennoch sind wir weiterhin vorsichtig.“

Einzelhandel in Osthessen setzt auf 3G - „Ist wirtschaftlich sonst nicht tragbar“

Auch im Sport wird debattiert. Christoph Dimmerling, Vorsitzender der DJK-SSV Großenlüder, sieht es als Problem, nur noch Geimpfte zu Spielen zu lassen. Er stellt sich die Frage: „Wer soll jeden prüfen, der zum Spiel kommt? Wir haben keine hauptberuflichen Kräfte, bei uns sind Ehrenamtliche im Einsatz.“

Sebastian Möller, Manager der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz, sagt: „Wir halten uns an die Vorgaben der Regierung und an das, was das Gesundheitsamt sagt. Zwar erfolgt bei der Online-Ticketbuchung eine Abfrage nach geimpft oder genesen, allerdings gewähren wir allen Zugang zu unseren Heimspielen.“

Im Einzelhandel würde Cordula Bollbuck, Geschäftsleitung des Modehaus Erna Schneider in Fulda getestete, geimpfte oder genesene Personen zulassen, weil es wirtschaftlich sonst nicht vorteilhaft wäre. „Wir können so den Schutz unserer Mitarbeiter gewährleisten.“

Und Anja Loewe, Pressesprecherin Rewe Mitte, sagt, sie könne sich nicht vorstellen, dass sich etwas ändert, weil sie systemrelevant waren und nach wie vor sind. „Wir sind bislang mit unseren Hygienekonzepten gut gefahren. Aktuell ist daher nicht geplant, irgendjemandem den Zutritt zu verweigern.“ *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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