In einem Club in Münster gibt es nach einer 2G-Party mindestens 63 Corona-Fälle. (Symbolbild)
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In einem Club in Münster gibt es nach einer 2G-Party mindestens 63 Corona-Fälle. (Symbolbild)

Feiern trotz Corona

Immunologe aus Fulda hält 2G-Partys für vertretbar: „Den Zustand streben wir an“

  • Leon Schmitt
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Bei einer 2G-Party in Münster haben sich mehr als 80 Menschen mit Corona infiziert. Der aus Fulda stammende Immunologe Professor Dr. Timo Ulrichs hält Veranstaltungen für Geimpfte und Genesene aus medizinischer Sicht trotzdem für vertretbar.

Fulda/Münster - Nach einer Clubparty unter 2G-Bedingungen in Münster haben sich mehr als 80 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Krankheitsverläufe sind nach Kenntnis des Gesundheitsamtes bislang mild oder symptomfrei abgelaufen. Die Gäste hatten sich bei einer Partynacht mit rund 380 Gästen angesteckt. Teilnehmen durften ausschließlich Geimpfte oder Genesene. Auch in Berlin oder Hamburg finden 2G-Partys statt - ohne Abstandsregeln, begrenzte Teilnehmerzahlen oder Anmeldepflicht.

Auch in Hessen haben Club- und Barbetreiber nun selbst in der Hand, ob sie Ungeimpfte aussperren. Steffen Ackermann, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Fulda, geht davon aus, dass einige Clubs und Diskotheken diese Möglichkeit wahrnehmen werden: „Im Frankfurter Raum weiß ich von einigen Betreibern, die auf diese 2G-Option gewartet haben“, sagte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Club-Betreiber in Osthessen haben sich zu solchen Plänen bislang nicht geäußert.

Corona-Experte hält 2G-Partys für vertretbar - Fall Münster eher die Ausnahme

Dass sich bei der Veranstaltung in Münster mehr als ein Fünftel der Gäste (Tendenz steigend) mit dem Coronavirus infiziert hat, wirft Fragen auf. Ist das 2G-Modell sinnvoll? Warum haben sich mehr als 80 Geimpfte oder Genesene gegenseitig angesteckt? Wie kann ein solches Infektionsgeschehen verhindert werden?

„Es gibt eigentlich keine Gründe, die dagegen sprechen“, sagt der aus Fulda stammende Immunologe Timo Ulrichs auf die Frage unserer Zeitung, ob Clubpartys - auch unter 2G-Voraussetzungen - in Anbetracht der vierten Corona-Welle womöglich zu früh kommen. „2G ist ja der Zustand, den wir für die Zeit nach der Corona-Pandemie anstreben. Trifft man sich bereits jetzt unter lauter Geimpften, nimmt man diese Zeit vorweg.“

Dass sich - wie in Münster - Dutzende Menschen bei einer 2G-Party mit Covid-19 infizieren, hält Ulrichs eher für eine Ausnahme. Aber: „Es sollte sichergestellt sein, dass alle Teilnehmenden vollständig geimpft sind – und eben nur diese auch reinkommen.“ (Lesen Sie auch: Kein Zutritt für Ungeimpfte? Das sagen Gastronomen im Kreis Fulda zum 2G-Modell)

Video: Zahlreiche Corona-Fälle nach 2G-Party in Münster

Trotz Impfschutzes ist eine Corona-Infektion nicht ausgeschlossen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, ist bereits niedrig, aber nicht Null“, heißt es dazu auf der Seite des Robert Koch-Instituts. Zudem schütze die Impfung in mindestens 80 Prozent der Fälle vor einem schweren Krankheitsverlauf.

Die Serie

In dieser Serie berichtet die Fuldaer Zeitung in loser Folge über verschiedene Aspekte des Nachtlebens in Fulda - und wie es in Zeiten von Corona stattfindet. 

Ebenfalls in der Serie sind folgende Artikel erschienen:
Club-Betreiber in Fulda reagieren mit Kritik auf neue Corona-Regeln
S-Club sucht Übergangslösung für Corona-Durststrecke
Ein „Späti“ in Fulda: Warum der Smart Markt von den geschlossenen Clubs profitiert

Corona-Experte Timo Ulrichs hält eine epidemiologische Begleitung in der ersten Zeit für sinnvoll, um das Risiko von 2G-Partys besser einschätzen zu können: „Es sollten vorher und nachher bei ausgewählten Veranstaltungen Daten erhoben und Testungen durchgeführt werden.“ Eine zusätzliche Absicherung neben Impf- oder Genesenen-Nachweis könnten Ulrichs zufolge Antigenschnelltests sein - nicht älter als 24 Stunden.

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