Wer nicht geimpft oder genesen ist, könnte es bald schwerer haben. (Symbolfoto)
+
Wer nicht geimpft oder genesen ist, könnte es bald schwerer haben. (Symbolfoto)

Corona-Debatte

Kein Zutritt für Ungeimpfte? Das sagen Gastronomen im Kreis Fulda zum 2G-Modell

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
    schließen

Das Corona-2G-Modell steht zur Diskussion: Club- und Restaurantbetreiber sollen selbst entscheiden dürfen, ob sie nur Geimpfte und Genesene einlassen. Die Gastronomen im Landkreis sind zwiegespalten.

Fulda - Steffen Ackermann vom Hotel- und Gastronomieverband (Dehoga) Hessen erklärt, dass die Frage nach der 2G-Regel im Kreis Fulda diskutiert wird. „In Bars und Diskotheken macht das auch Sinn“, findet der neu gewählte Vizepräsident des Dehoga Hessen. „Aber es muss in die Betriebsart passen und klappt nur, wenn dann die anderen Maßnahmen wegfallen.“

Er als Kreisvorsitzender könne aber nachvollziehen, dass diese Regel zum Beispiel für Landgasthöfe weniger geeignet ist, weil dort häufig Kinder mitgebracht werden, die noch nicht gegen das Coronavirus geimpft werden dürfen. Bars und Clubs könnten von der Regel profitieren, weil sie mehr Gäste einlassen dürfen, wenn die Abstandsregeln nicht mehr gelten. (Lesen Sie auch: Corona-Debatte um 2G oder 3G nimmt Fahrt auf)

Corona: Kein Zutritt mehr für Ungeimpfte? Das sagen Gastronomen zum 2G-Modell

Hotel Platzhirsch (Fulda): Dirk Schütrumpf, Direktor des Hotels Platzhirsch, ist zwiegespalten: Einerseits biete die 2G-Regel mehr Sicherheit, wodurch auch neue Gäste gewonnen werden könnten. Andererseits sei da natürlich die Sorge, dass nicht geimpfte Stammgäste abspringen. Eine Entscheidung wurde intern noch nicht getroffen: „Es ist schwierig, aber wenn die Inzidenz weiter steigt, brauchen wir einfach mehr Geimpfte“, betont Schütrumpf. „Wir werden den September abwarten und zum Oktober hin eine Entscheidung treffen“, sagt der Hoteldirektor.

Viva Havanna Bar (Fulda): „Intern haben wir schon viele Diskussionen über die 2G-Regel gehabt“, sagt Katja Djocaj von der Viva Havanna Bar am Bonifatiusplatz. Auch sie empfindet die Situation als schwierig und möchte keine Zweiklassengesellschaft: „Wir wollen natürlich niemanden von vornherein ausschließen, wobei viele unserer Gäste bereits geimpft sind“, erklärt die Frau des Geschäftsführers. „Sollten die Testzentren abgeschafft oder die Tests kostenpflichtig werden, ziehen wir aber eine 2G-Regel in Erwägung“, sagt sie außerdem. Der Anreiz sei dann natürlich auch für Gäste, dass ein Aufenthalt ohne Maske und Abstand möglich wäre.

Apotheke

Christof Günter, Inhaber der Löwen- und der Bärenapotheke, findet, dass bei der Frage nach der 3G- oder der 2G-Regel die Sicherheit vorgeht:„Ich stehe hinter den Maßnahmen. 3G kann ausreichend sein, aber das hängt davon ab, wie stark die Zahlen steigen.“ In Günters Apotheken werden seit etwa drei Wochen auch Genesenen-Zertifikate ausgestellt. Diese basieren auf dem medizinischen Bericht über die Genesung. „Leider kam das Zertifikat relativ spät“, sagt der Apotheker. „Die meisten Genesenen haben inzwischen auch schon eine Impfung erhalten, mit der sie nun die gleichen Rechte haben wie zweifach Geimpfte.“ Sechs Monate nach der Krankheit erhalten Genesene eine Impfung, mit der sie dann vollständig geschützt sind. In seinen Apotheken erhielten Geimpfte und Genesene ohne Smartphone außerdem ein Kärtchen mit QR-Code, das anstelle eines digitalen Impfnachweises vorgezeigt werden kann.

Enzianhütte (Hilders): Auf der Rhöner Enzianhütte hofft Birgit Koch, dass die Gastwirtschaft von der 2G-Regel verschont bleibt. „Es könnte sein, dass dann zu viele Gäste wegfallen“, sagt sie stellvertretend für die Pächterfamilie Koch. Auf ihr Hausrecht werde die Enzianhütte nicht zurückgreifen, sondern so lange wie möglich die 3G-Regelung beibehalten. Sollte die 2G-Regel vorgeschrieben werden, werde sich Familie Koch aber daran halten. (Lesen Sie auch: Corona-Genesene klagt über Sechs-Monate-Regel: „Ausreichend Antikörper vorhanden“)

Video: Weltärztebund setzt gegen vierte Corona-Welle auf 2G-Regel

Konrad Zuse Hotel (Hünfeld): Das Best Western Plus Konrad Zuse Hotel in Hünfeld gibt an, vom Betrieb aus die 3G-Regel weitermachen zu wollen. „Für 2G finden wir schlicht keinen Grund“, sagen Kai und Daniela Gelhausen, die das Hotel führen. „Wenn jemand einen negativen Test vorweisen kann, gibt es keinen Grund, ihm nicht die gleichen Rechte zu geben wie Geimpften oder Genesenen.“ Sie würden sich nach der hessischen Verordnung richten, „nicht mehr und nicht weniger“.

Mediziner-Meinung

„Der wichtigste Effekt der 2G-Regelung bestehe darin, dass sich wieder mehr Menschen für eine Impfung entscheiden“, heißt es auf Nachfrage beim Klinikum Fulda. So stelle eine Impfquote von mehr als 80 Prozent einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie dar. „Derzeit liegen wir leider erst bei etwas über 60 Prozent“, teilt eine Sprecherin mit.

Die Ärztinnen und Ärzte im Gesundheitsnetz Osthessen sprechen sich nach einer kleinen Umfrage aus pandemie-medizinischer Sicht für die 2G-Regel aus: „Das Gesundheitsnetz Osthessen plädiert für 2G, weil die Tests oft unzuverlässig und die Testverfahren sehr unterschiedlich sind.“ Allerdings spreche für die Tests, dass diese beispielsweise bei Kindern, die bislang noch nicht geimpft werden dürfen, angewendet werden. „Manche Ärzte sind für 3G – wenn geschultes Personal, am besten von Hilfsorganisationen, die Tests korrekt durchführt.“

Altes Casino (Petersberg): „Wir halten gar nichts davon“, sagt Karsten Nüchter, Juniorchef am Gasthof Altes Casino in Petersberg. „Getestete bergen genauso wenig ein Risiko wie Geimpfte und Genesene.“ Hintergrund sei die Wirtschaftlichkeit – zu viele Gäste könnten bei Durchsetzung der 2G-Regel fernbleiben. „Es geht aber auch um das Wohlbefinden des Einzelnen:Wenn 2G in Kraft tritt, gehen auch Geimpfte und Genesene weniger aus“, schätzt Nüchter. Dass sich auf weniger Fläche mehr Gäste aufhalten dürfen, wenn die Abstandregeln nicht mehr eingehalten werden müssen, gleiche die fehlenden getesteten Gäste nicht aus. „Es bleibt abzuwarten. Schließen werden wir nicht, aber vielleicht fahren wir den Betrieb wieder herunter.“ Dann würde der Gasthof eventuell nur am Wochenende öffnen oder Getränke und Speisen nur zum Mitnehmen anbieten. (Von Alina Komorek und Jana Albrecht)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema