Ansturm befürchtet

Corona: Apotheker in Osthessen kritisieren „Schnellschuss“ - Abgabe der FFP2-Masken große Herausforderung 

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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28,1 Prozent der Gesamtbevölkerung im Landkreis Fulda sind über 60 Jahre und hat somit Anspruch auf kostenlose FFP2-Masken. Hinzu kommen noch die jüngeren Risikopatienten. Die Apotheken befürchten einen Ansturm und kritisieren das Vorgehen der Bundesregierung. 

Region - Der Bund möchte Menschen mit einem besonders hohen Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe in der Corona-Pandemie schützen. Menschen ab 60 Jahren und Risikopatienten sollen bis Ende Dezember kostenfrei drei FFP2-Masken erhalten. Am Dienstag soll eine entsprechende Verordnung in Kraft treten. Ab dann könnte die Verteilung erfolgen. Die Apotheken, die sich darum kümmern sollen, blicken sorgenvoll auf diesen Tag.

„Die Bürger haben den Eindruck, dass diese Masken hier irgendwo vorrätig liegen. Aber das ist nicht so“, sagt Ulrich Rindt, Mitglied der Apothekenleitung der Lotichius-Apotheke in Schlüchtern. Er findet es richtig, dass die Verteilung über die Apotheken läuft: „Aber dass wir komplett ins kalte Wasser geworfen werden, ist nicht richtig. Wir haben erst am Mittwoch davon erfahren“, kritisiert er. Daraufhin habe er wegen der Corona-Verordnung 20.000 FFP2-Masken bei seinem Händler in Bayern bestellt.

Corona: Apotheker in Fulda kritisieren Vorgehen der Bundesregierung in Bezug auf kostenlose FFP2-Masken

Die Logistik sei in der Corona-Pandemie eine Herausforderung. Und die Überprüfung, ob derjenige, der nach der FFP2-Maske fragt, nicht schon woanders bereits eine erhalten hat, unmöglich. „Das basiert auf Vertrauen. Wir können das nicht kontrollieren“, erklärt Rindt. Auch bei Corona-Risikopatienten, die jünger als 60 und keine Stammkunden der Apotheke sind, sei eine Kontrolle schwierig.

Während im Dezember die Apotheken selbst prüfen müssen, ob ein Kunde anspruchsberechtigt ist oder nicht, so ändert sich die Situation zum Jahreswechsel. Dann schicken die Krankenkassen Bescheinigungen an ihre berechtigten Versicherten – ein Vorgehen, das sich viele Apotheker auch jetzt im Dezember gewünscht hätten. „Das hätte man im Herbst längst vorbereiten können. Das ist klar versäumt worden“, sagt Rindt.

Ab Dienstag werden in den Apotheken FFP-2-Masken gratis ausgegeben.

Auch Sarah Fahr-Becker von der Bahnhofsapotheke in Fulda sieht das so: „Es ist eine Hauruck-Aktion, die uns viel Stress und Arbeit macht. Es wäre besser, wenn die Abgabe der Masken zum Beispiel an ein Rezept vom Arzt gebunden wäre.“ Dass die Apotheken die FFP2-Masken besorgen müssen, findet sie unmöglich: „Wir müssen das organisieren und bekommen keine Unterstützung.“ Es sei ohnehin schwer, an FFP2-Masken zu kommen. „Die Großhändler haben keine mehr. Wir konnten zum Glück bei einem privaten Anbieter bestellen.“

Kostenlose Verteilung von FFP2-Masken: Ein wirtschaftliches Risiko für Apotheken

Die Apotheken gehen damit in Vorleistung – und haben auch ein gewisses wirtschaftliches Risiko. Wie viele Masken sie kostenfrei verteilen können, ohne selbst drauf zu zahlen, das wird über einen Schlüssel ermittelt. Das Bundesamt für Soziale Sicherung stellt fast 500 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld wird über den Nacht- und Notdienstfond an die Apotheken weitergeleitet. Auch das basiert auf Vertrauen: Eine Prüfung, wie viele kostenlose FFP2-Masken die einzelnen Apotheken verteilen und ob die Pauschale gerechtfertigt ist, ist offenbar nicht vorgesehen. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Kollegen das ausnutzen. Jeder arbeitet mit Hochdruck daran, diese Maßnahme umzusetzen“, sagt Rindt. Er hofft, dass sich der Ansturm auf die verbleibenden Dezembertage verteilt.

Die Bahnhofsapotheke wird die Abgabe der FFP2-Masken nicht in der Apotheke, sondern in ihren Büroräumen darüber organisieren. „Diese Möglichkeit haben, so können wir das von den restlichen Kunden abtrennen“, sagt Askan Fahr-Becker und fügt an: „Ich würde mir wünschen, dass die Risikopatienten sich die Masken in ihrer Stammapotheke abholen.“

Rubriklistenbild: © dpa / Jan Woitas

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