Wenn ein Mitarbeiter infiziert ist, steht der Chef vor der Entscheidung, ob er es den anderen Mitarbeitern mitteilt oder nicht.
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Wenn ein Mitarbeiter infiziert ist, steht der Chef vor der Entscheidung, ob er es den anderen Mitarbeitern mitteilt oder nicht.

Datenschutz der Warn-App heftig diskutiert

Darf der Chef verraten, wer mit Corona infiziert ist? Expertin gibt Antworten

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Gesundheits- und Datenschutz geraten in der Pandemie immer wieder in Reibungsfelder. Zwei Beispiele: Darf der Arbeitgeber den Mitarbeitern sagen, welcher Kollege infiziert ist? Und was könnte die Warn-App, wenn der Datenschutz eine geringere Rolle spielen würde?

Region - Wird eine Person positiv auf Corona getestet, müssen die Kontaktpersonen ausfindig gemacht und informiert werden. Wenn der Infizierte an den Tagen zuvor am Arbeitsplatz Kontakt zu Kollegen hatte, stellt dies Arbeitgeber vor eine schwierige Abwägung.

„Die Erkenntnis von der Corona-Erkrankung eines Mitarbeiters kann für diesen zu einer enormen Stigmatisierung führen“, warnt eine Sprecherin des Hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit auf Anfrage hin davor, den Namen der betroffenen Person im Kollegenkreis publik zu machen. Gleichzeitig seien Mitarbeiter, die in direktem Kontakt mit einem Infizierten waren, zu warnen und würden in der Regel selbst zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr von der Arbeit freigestellt. Ohne Namensnennung seien dann beispielsweise ganze Abteilungen oder Teams freizustellen – bei Unklarheiten über das Ausmaß der innerbetrieblichen Kontakte in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

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Corona am Arbeitsplatz: Darf der Chef verraten, wer infiziert ist? Expertin gibt Ratschläge

Erst wenn dies zu keiner Lösung führt, „so dürfen als ultima ratio auch die übrigen Mitarbeiter über den Verdacht der Ansteckung oder der Erkrankung des konkreten Mitarbeiters informiert werden, um Infektionsquellen zu lokalisieren und einzudämmen“, schreibt die Sprecherin des Hessischen Beauftragten für Datenschutz. (datenschutz.hessen.de)

Um von Vornherein zu verhindern, dass aufgrund von Corona-Infektionsfällen ganze Belegschaften oder Abteilungen in Quarantäne geschickt werden müssen, rät die Datenschutzstelle den Arbeitgebern dringend dazu, ein entsprechendes Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Neben dem Einhalten von Mindestabständen sei dabei vor allem – sofern möglich – die Einteilung in kleine Teams hilfreich, die an vorher festgelegten Tagen gemeinsam am Arbeitsplatz sind, während andere zuhause oder gar nicht arbeiten. „Wenn in einer Abteilung an einem bestimmten Tag nur vier Personen auf einer Etage anwesend waren, lässt sich der Kreis der Betroffenen stark eingrenzen und eine Offenbarung sensibler personenbezogener Daten ist nur sehr eingeschränkt erforderlich“, führt die Sprecherin aus.

Corona-Warn-App: Datenschutz wird heftig diskutiert - „App taugt wenig im Kampf gegen das Virus“

Das Thema Datenschutz wurde und wird auch rund um die Corona-Warn-App diskutiert. Laut Experten sei der Schutz personenbezogener Informationen vorbildlich. Doch laut Kritikern schränkt genau das den Nutzen der Warn-App ein. So bemängeln einige Wissenschaftler, dass durch fehlende Angaben zur Kontaktdauer oder -häufigkeit die Risikoanalyse der App sehr ungenau sei. Mit diesen Informationen hingegen wäre es mitunter leicht nachvollziehbar, wer sich da offenbar infiziert hat – ein Dilemma.

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Der Münchner Philosoph und frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin sagt: „Wir setzen in einer Krise, in der es um das Leben von Zehntausenden und die Gesundheit von Millionen geht, in der wir deswegen die Grundrechte von Artikel eins, dem Schutz des Lebens, über die Freizügigkeit, die Versammlungsfreiheit, das Recht, einen Beruf auszuüben bis hin zu Besuchen von Verwandten und Freunden massiv einschränken, den Datenschutz absolut.“ Dabei sei der Datenschutz nur ein abgeleitetes Grundrecht. „Wir verzichten also auf das wirksamste Instrument in der Pandemie-Bekämpfung, weil wir in der ethischen Abwägung versagen. Das kann doch nicht sein“, stellt Nida-Rümelin in der Corona-Pandemie fest und kommt für sich zu der Erkenntnis: „Die jetzige App taugt wenig im Kampf gegen das Virus.“

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