Mehrere EU-Staaten haben die Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca vorerst eingestellt. (Symbolbild)
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Mehrere EU-Staaten haben die Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca vorerst eingestellt. (Symbolbild)

Thrombosen durch Impfstoff?

Hessen stoppt Corona-Impfungen mit Astrazeneca - Termine in allen 28 Impfzentren storniert

  • Leon Schmitt
    vonLeon Schmitt
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Corona-Impfungen mit Astrazeneca werden in Deutschland vorsorglich ausgesetzt. Das Land Hessen teilt mit, dass alle Termine, bei denen der Impfstoff zum Einsatz kommen sollte, storniert werden.

Hessen/Fulda - Aufgrund einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts hat die Bundesregierung Coronavirus-Impfungen mit Astrazeneca vorsorglich ausgesetzt. Das Innenministerium in Hessen hat alle 28 hessischen Corona-Impfzentren - also auch im Kreis Fulda, im Vogelsberg und im Main-Kinzig-Kreis - angewiesen, Impfungen mit Astrazeneca umgehend einzustellen. Das Impfzentrum in Fulda verabreichte zuletzt mehr als 1000 Corona-Impfungen täglich.

Alle Impftermine mit Astrazeneca in Hessen werden storniert*, schreibt auch die Frankfurter Neue Presse. „Personen, die bereits eine Termin-Zusage zur Corona-Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff erhalten haben, werden sofort vom Land Hessen informiert“, heißt es in einer Mitteilung des Hessischen Innenministeriums. „Wer für morgen einen Termin im Impfzentrum hat und weiß, dass ihm Astrazeneca gespritzt werden soll, kann zu Hause bleiben“, teilte der Vogelsbergkreis am Montag mit. Sobald für die Impfberechtigten Ersatztermine angeboten werden können, sollen sie laut Innenministerium informiert werden. (Mit dem Corona-Ticker für Hessen bleiben Sie auf dem Laufenden.)

Corona: Astrazeneca-Impfungen ausgesetzt - Hessen storniert alle Termine

Das Bundesgesundheitsministerium hat mitgeteilt, dass die Impfungen mit dem Vakzin vorerst aus Vorsicht gestoppt seien, weil es Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegeben habe. Die Aussetzung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca in Deutschland*, über die auch der Münchener Merkur berichtet, geht nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf sieben Krankheitsfälle zurück. „Es ist sehr selten aufgetreten“, sagte Spahn am Montag in Berlin.

„Bis jetzt gibt es sieben berichtete Fälle, die im Zusammenhang mit einer solche Hirnvenenthrombose stehen bei mittlerweile über 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland“, sagte Spahn. „Es geht um ein sehr geringeres Risiko - aber falls es tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, um ein überdurchschnittliches Risiko.“

Laut dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut solle man sich in ärztliche Behandlung begeben, wenn man sich mehr als vier Tage nach der Corona-Impfung mit dem Impfstoff Astrazeneca unwohl fühlen sollte, etwa mit starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen, sagte Spahn. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, hat Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) sich zum Impf-Stopp des Astrazeneca-Mittels geäußert*.

Video: Lauterbach kritisiert Aussetzung der Corona-Impfung mit Astrazeneca

Bis Sonntag waren laut Robert Koch-Institut 1,65 Millionen Dosen Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland verabreicht worden. Bis auf wenige hundert Fälle betreffen alle diese Corona-Impfungen die erste von zwei für den Impfschutz nötige Impfungen. In Hessen wurden bisher 114.703 Personen mit dem Vakzin geimpft. 43 Menschen haben bereits die Zweitimpfung erhalten. Die Aussetzung betreffe nun auch alle Folgeimpfungen, sagte Spahn.

Astrazeneca hatte nach einer Analyse von Impfdaten erneut Sorgen über die Sicherheit seines Corona-Impfstoffes zurückgewiesen. Eine sorgfältige Analyse der Sicherheitsdaten von mehr als 17 Millionen Geimpften in der EU und Großbritannien habe keine Belege für ein höheres Risiko für Lungenembolien, tiefen Venenthrombosen und Thrombozytopenie geliefert, wie der Konzern am Sonntag in London mitteilte. Damit bezieht sich das Unternehmen nun auf noch mehr Datensätze. Am Freitag hatte Astrazeneca sich bereits ebenso geäußert und dabei auf 10 Millionen Datensätze verwiesen.

Nun ist die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am Zug, denn dort wird an einer erneuerten Bewertung des Corona-Impfstoffs gearbeitet. Gesundheitsminister Jens Spahn setzt darauf, dass die EMA „idealerweise noch im Laufe dieser Woche zu ihrer Entscheidung“ kommt. Falls Astrazeneca weiter zugelassen wird, sollten auch die Impfungen wieder anlaufen. *fnp.de, merkur.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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