Eine Reihe von Autos.
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Die Autozulieferer der Region können nach dem Autogipfel etwas aufatmen. (Symbolfoto)

Elektromobilität im Fokus

Autozulieferer atmen auf: Beschlüsse des Autogipfels stimmen Fuldaer Firmen optimistisch

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Nach dem Autogipfel will die Bundesregierung mit drei Milliarden Euro die Autokonjunktur, vor allem die Elektromobilität, anschieben. Osthessische Autozulieferer sehen ihre Lage wieder optimistischer.

Fulda - Schon im vergangenen Jahr, deutlich vor der Corona-Krise, kam die Autokonjunktur ins Stottern – nicht zuletzt wegen der Klimadiskussion und Debatten in der deutschen und der europäischen Politik, die Mobilität stärker zu regulieren. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und der Schließung der Autohäuser ab März dieses Jahres brach der Absatz in Deutschland komplett ein.

Seit Herbst geht es jedoch wieder aufwärts, berichten die Autozulieferer aus Fulda Kugelfabrik Fulda, Wagner Fahrzeugteile und Werner Schmid (Lesen Sie hier: Autozulieferer wegen Corona unter Druck). Die drei Vertreter der hiesigen Unternehmen begrüßen die Hilfen für die Automobilbranche, auf welche sich die Bundesregierung beim Autogipfel geeinigt hat.

Fuldaer Autozulieferer nach Beschlüssen des Autogipfels optimistisch

Kugelfabrik Fulda: „Die Jahresbilanz 2020 ist nicht mehr zu retten, aber wir haben das Tal der Tränen durchschritten“, erklärt Christian Braun, kaufmännischer Geschäftsführer der Kugelfabrik Fulda (KGM). „Im April und Mai hatten wir Umsatzeinbrüche von 50 Prozent. Jetzt fehlen uns nur noch zehn Prozent zu der Vor-Krisen-Umsätzen.“ Der November sei der erste Monat seit Beginn der Krise komplett ohne Kurzarbeit, erklärt der Geschäftsführer. „Wir gehen allerdings davon aus, dass wir im nächsten Jahr wieder Kurzarbeit nutzen müssen.“

Video: Im September 2020 wurden mehr als 265.000 neue Pkw angemeldet

Der weltweite Rückgang an Autoverkäufen seit dem vergangenen Jahr schlage auf die Umsätze der KGM durch. „Wir sind mit unseren Umsätzen noch lange nicht da, wo wir gewesen vermuten, dass wir noch ein bis zwei Jahre warten müssen, bis wir wieder die üblichen Umsätze verbuchen können“, erklärt Braun. Die Kugelfabrik Fulda beschäftigt derzeit 220 Mitarbeiter. Sie produziert Kugeln für Ventile, Lager, Schalter und Anzeigen. Zwei Drittel der Produktion gehen in die Automobilbranche.

Ergebnisse des Autogipfels

Kaufanreize: Um mehr E-Autos auf die Straßen zu bringen, war die bestehende Kaufprämie (Umweltbonus) über eine „Innovationsprämie“ bereits deutlich erhöht worden – seitdem steigen die Absatzzahlen. Damit können Autokäufer einen Zuschuss von bis zu 9000 Euro bekommen. Dafür verdoppelt der Bund seinen Anteil am Bonus, der eigentlich zur Hälfte auch von Herstellern gezahlt wird. Diese erhöhte Prämie soll nun bis Ende 2025 laufen. Dazu gibt der Bund bis zu eine Milliarde Euro zusätzlich.

Bisher werden reine E-Autos und auch Plug-in-Hybride gefördert, die sowohl elektrisch als auch mit Sprit fahren. Hybride werden nur noch bezuschusst, wenn sie ab 2022 eine Mindestreichweite von 60 Kilometer, ab 2025 von mindestens 80 Kilometer haben.

Lastwagen: Eine neue Lkw-Abwrackprämie soll alte Nutzfahrzeuge von der Straße holen und den Verkauf neuerer Modelle ankurbeln. Die Milliarde, die der Bund dafür gibt, soll aufgeteilt werden: 500 Millionen Euro für Unternehmen, die Laster der Abgasnormen Euro 3, 4 und 5 gegen Lkw der neuen Norm Euro 6 eintauschen, und weitere 500 Millionen Euro für die öffentliche Beschaffung, also etwa den Austausch alter Feuerwehrwagen.

Ladesäulen: Es sollen mehr Schnelllade-Punkte an Tankstellen entstehen. Das Ziel der Bundesregierung: Bis Ende 2022 Schnelllade-Infrastruktur an einer von vier Tankstellen, bis Ende 2024 an jeder zweiten und bis Ende 2026 an drei von vier Tankstellen. Man wolle mit der Branche über eine Selbstverpflichtung reden und bis Ende 2022 Fördergelder zahlen. Am Ziel von 72 000 öffentlichen Ladepunkten hält die Regierung fest, derzeit sind es 33 000. Die Bundesregierung erwartet dazu von der Automobilindustrie bis Ende 2021 einen signifikanten Beitrag.

Zukunftsfonds: Für mittel- und längerfristige Pläne soll es einen „Zukunftsfonds Automobilindustrie“ aus Fördermitteln geben, in den der Bund eine Milliarde Euro einzahlen will. Profitieren sollen speziell Regionen mit besonders vielen Unternehmen der Autobranche.

Getriebe-Zulieferer Werner Schmid - „Sehen Silberstreifen am Horizont“

Werner Schmid: „Wir sehen einen Silberstreif am Horizont. Wir haben wieder das 2019er-Niveau – allerdings waren wir im Herbst 2019 schon in Kurzarbeit“, berichtet Matthias Hauß, kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens Werner Schmid.

Im April und Mai 2020 lagen die Umsätze der Firma um 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Seit September liegt der Absatz, so Hauß, wieder „auf einem ordentlichen Niveau“. Jetzt, im November, ist die komplette Produktion aus der Kurzarbeit, zum Teil wird sogar wieder samstags gearbeitet. Auch die Auftragsvorschau für die nächsten drei Monate sei gut. Der Betrieb profitiere vom starken Wachstum der Lüftungs- und E-Bike-Branche. Sorgen bereitet Hauß der schleppende Eingang neuer Entwicklungsprojekte. „Da spürt man die Unsicherheit der Branche.“ Die Konstruktionsabteilung und der Werkzeugbau sind deshalb zum Teil noch in Kurzarbeit.

Die Hälfte der Produktion geht in die Autobranche. Das Unternehmen beschäftigt 265 Mitarbeiter. Es produziert Teile für Getriebe, Cockpit und Antriebsstrang.

Wagner Fahrzeugteile - Starker Umsatzanstieg bei großen Autoherstellern

Wagner Fahrzeugteile: „Wir liegen fast wieder auf dem Niveau des Vorjahres“, erklärt Dr. Stephan Wagner, Inhaber von Wagner Fahrzeugteile in Fulda. „Wir haben alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt und arbeiten zum Teil wieder in drei Schichten.“

„Wir erleben einen starken Umsatzanstieg bei den großen Autoherstellern mit erstaunlichen Stückzahlen. Wir haben schon fast unsere Kapazitätsgrenzen erreicht. Die geplanten zwei Wochen Betriebsruhe über Weihnachten werden wir nicht machen können.“ Vor dem Hintergrund einer stabilen Nachfrage nach Pkw sieht Wagner die hohen Zuschüsse für E-Autos kritisch. (Lesen Sie hier: Bio CNG-Autos als Alternative zu Elektroautos)

Sehr erfreulich sei, dass die Firma einen größeren Auftrag vom PSA-Konzern (Citroën, Opel und Peugeot) gewonnen habe. „Die Entwicklung ist gut, aber der Preisdruck wird immer schärfer. Wir müssen die Kosten scharf im Blick behalten.“ Wagner Fahrzeugteile beschäftigt derzeit 460 Mitarbeiter. 95 Prozent der Produktion gehen in die Autobranche – vor allem Ölspritzdüsen, Ventile und Drehteile.

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