In NRW sind Gottesdienste auch in Corona-Zeiten nie verboten gewesen. In der Weihnachtszeit droht jedoch erfahrungsgemäß ein erhöhtes Aufkommen an Gläubigen in Kirchen. 
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Beerdigungen und Gottesdienste sind auch im Teil-Lockdown weiterhin erlaubt.  

Trauerfeiern in der Pandemie

Corona-Lockdown: Beerdigungen sind unter diesen Bedingungen derzeit möglich

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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  • Michel Ickler
    Michel Ickler
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Abschied von einer verstorbenen Person zu nehmen, ist ein wichtiger Akt der Trauerbewältigung. Im Frühjahr war dies aufgrund der Einschränkungen durch das Coronavirus für viele nicht möglich. Nun – im Teil-Lockdown im November – dürfen Beerdigungen genauso wie Gottesdienste stattfinden.

  • Bestattungen und Trauerfeiern dürfen stattfinden.
  • Jedoch gelten weiterhin die durch das Coronavirus bedingten Abstands- und Hygieneregeln.
  • Um eine Infektionskette nachverfolgen zu können, müssen Teilnehmer einer Beerdigung weiterhin ihre Daten hinterlassen.

Update, 3. November 2020: „Auch in den Zeiten der Pandemie ist es möglich, dass würdevolle Trauerfeiern und Beerdigungen stattfinden“, das betont das Bistum Fulda auf seiner Internetseite.

Trauerfeiern und Beerdigungen können demnach auch im November in der Zeit des Teil-Lockdowns mit mehreren Personen abgehalten werden, wenn der nötige Abstand von 1,5 Metern zwischen den Teilnehmern eingehalten werden kann. Dies gelte auch für die Feier eines Requiems.

Das Bistum ruft aber dazu auf, sich mit dem jeweiligen Pfarramt und mit der zuständigen Gemeinde in Verbindung zu setzen, um die genauen Bedingungen abzuklären. Außerdem gibt es eine Hotline beim Bistum für Fragen: (0661) 87888.

Auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck weist darauf hin, dass nach der aktuellen Verordnung des Landes Hessen Zusammenkünfte von Glaubensgemeinschaften zur gemeinschaftlichen Religionsausübung sowie Trauerfeierlichkeiten und Bestattungen zulässig sind.

Aber: Der gebotene Mindestabstand müsse eingehalten werden und Gegenstände zwischen Personen, die nicht einem gemeinsamen Hausstand angehören, dürfen nicht entgegengenommen und anschließend weitergereicht werden. Außerdem müssen die Kontaktdaten der Anwesenden dokumentiert sein.

Erstmeldung, 21. Juli 2020: „Durch die Beschränkungen zu Beginn der Coronavirus-Pandemie ging ein Stück Menschlichkeit verloren“, bedauert Bastian Kummer von Pietät Kummer. Zwar haben die Betroffenen Einsicht und Verständnis für die Auflagen aufbringen können, die Trauerfeiern waren allerdings mit gewöhnlichen Beerdigungen nicht vergleichbar.

Eine Umarmung am Grab, ein herzliches Beileid mit Handschlag: All das war und ist auch weiterhin nicht möglich. Dennoch hat sich seit Ausbruch des Virus einiges geändert. Statt der Personenbegrenzung in Höhe von zehn Menschen dürfen jetzt wieder beliebig viele eine Beerdigung besuchen. Auch darf die Trauerhalle wieder genutzt werden – alles natürlich unter Auflagen.

Mit Coronavirus-Regeln: Beerdigungen wieder mit beliebig vielen Trauenden möglich

„Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden. In der Trauerhalle dürfen zudem nur ein Drittel der Sitzplätze genutzt werden“, erklärt Kummer. Für Stadtpfarrer Stefan Buß sind diese Lockerungen sehr wichtig, schließlich sei eine Mentalität geschaffen worden, die nicht sein sollte. „Eine Beerdigung ist ein öffentlicher Akt, um sich zu verabschieden; sei es der beste Freund oder der Nachbar. Zu Beginn der Pandemie wurde dieser Abschied leider in einen sehr kleinen Kreis verlagert.“

In einem Fall konnten 15 Enkelkinder nicht von ihrer Oma Abschied nehmen, da ansonsten die Teilnehmerzahl von zehn Personen überschritten worden wäre. In solchen Situationen war Kreativität gefragt. „Ich habe mit ihnen im Freien unter Berücksichtigung der Abstandsregeln eine private Trauerfeier abgehalten“, erklärt Buß. Im Nachhinein sind die Enkelkinder alleine mit einem Gegenstand, den sie mit ihrer Großmutter verbunden hat, ans Grab geschritten und haben in dieser Form mit ihrer Oma Frieden geschlossen.

Trauer in Zeiten von Covid-19: Familie hilft bei der Bewältigung der Trauer

Eine dauerhafte Lösung war dies nicht, denn die bloße Anwesenheit von Familienmitgliedern oder Freunden tragen zur Trauerbewältigung bei, betont Kummer. Auch die Trauerbewältigung und seelsorgliche Arbeit litt und war „für Angehörige sehr belastend“, bedauert Buß. Jetzt sind immerhin wieder persönliche Trauergespräche möglich. „Gerade für Zurückgebliebene, die ihren Partner verloren haben, war diese Zeit sehr schwer.“ Sie gehören meistens der Risikogruppe an, sind durch die Pandemie isoliert und mussten dann ihre Trauer alleine bewältigen.

Um Trauer zu bewältigen, gibt es viele Möglichkeiten, wie Diözesenseelsorger Werner Gutheil aufzeigt.

„Ein persönliches Gespräch ist in solchen Fällen immens wichtig und nicht vergleichbar mit einem Telefonat“, verdeutlicht Buß. Die Erlaubnis, die Trauerhalle wieder nutzen zu können, die Personenbegrenzung aufgehoben zu haben und Totenmessen wieder stattfinden zu lassen sei zudem für Gläubige ein Schritt zur Normalität. Alles ist allerdings noch nicht erlaubt.

Trauernde müssen bei Beerdigungen ihre Daten zur Corona-Rückverfolgung hinterlassen

Wie beim Restaurantbesuch müssen sich die Trauergäste mit Name, Anschrift und Telefonnummer registrieren, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können. „Viele Angehörige verweisen bereits in der Traueranzeige, solche Zettel vorausgefüllt mitzubringen“, erklärt Kummer. Ansonsten stellen Bestattungsunternehmen Stifte und Zettel vorab bei der Beerdigung bereit. „Die Herausforderung bei der Erfassung der Daten liegt darin, dass sich keine langen Schlangen bilden. Deswegen bieten wir mehrere Stationen an“, ergänzt der Bestatter. Weiterhin dürfen Erde, Blumen und Weihwasser nicht am Grab stehen, beziehungsweise werden weggeräumt, nachdem der Pfarrer diese benutzt hat.

Auffällig ist indes, dass aktuell deutlich weniger Trauergäste an einer Beerdigung teilnehmen. Diesen Trend konnten sowohl Buß als auch Kummer beobachten. Einen möglichen Grund sehen die beiden darin, dass sich Menschen – gerade Ältere – noch Angst haben, sich unter mehrere Personen zu begeben.

Ende März hatte es in Hessen noch keine Beschränkungen der Teilnehmerzahl bei Beerdigungen gegeben. Dies änderte sich mit Fortschreiten der Corona-Pandemie allerdings.

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