Reisebus-Unternehmer haben aktuell mit einem Regel-Wirrwarr zu kämpfen. (Symbolfoto)
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Reisebus-Unternehmer haben aktuell mit einem Regel-Wirrwarr zu kämpfen. (Symbolfoto)

Hier erlaubt, dort verboten

Reisebus-Unternehmen in Osthessen kämpfen mit Flickenteppich bei Corona-Regeln: „Es ist absurd“

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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In Hessen sind Busreisen seit dem 17. Mai wieder möglich – allerdings nur in Landkreisen, die nicht unter die Beschränkung der Bundesnotbremse fallen. Trotz der Corona-Lockerung stehen die Reisebus-Unternehmen vor Problemen.

Osthessen - Im Vogelsbergkreis dürfte man in einen Reisebus steigen, der voll besetzt ist. In Baden-Württemberg müsste dieser Bus allerdings die Hälfte der Fahrgäste rauslassen, weil dort wegen Corona nur 50 Prozent der Plätze belegt sein dürfen. Und in Niedersachsen müsste der Bus sich in ein Cabrio verwandeln, um die Straßen befahren zu dürfen: „Es ist absurd“, kommentiert Volker Tuchan, Geschäftsführer beim Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO).

Es sei erfreulich, dass in Hessen Reisebusse seit dem 17. Mai wieder fahren dürfen, der Flickenteppich innerhalb Deutschlands sei jedoch ein Problem: „Es fehlt an einer einheitlichen Regelung. Busreisen hören nicht an den Landesgrenzen auf. Wenn Busunternehmen momentan nach Thüringen oder Sachsen fahren, wo touristische Busreisen noch nicht wieder erlaubt sind, riskieren sie ein Bußgeld“, erklärt der 46-Jährige. Zwar könne man annehmen, dass für Busunternehmen das gilt, was am jeweiligen Standort Regel ist, das sei aber nicht in allen Bundesländern Usus. Der Landesverband vertritt 160 der rund 200 Busunternehmen in Hessen. (Lesen Sie hier: Corona in Hessen - Diese Lockerungen greifen bei einer Inzidenz unter 100)

Corona: Busreise durch Flickenteppich - Unternehmen kämpfen mit Regel-Wirrwarr

Tuchan kritisiert, dass es schon im vergangenen Jahr keine einheitlichen Gesetze in dem Bereich gab. Hinzu kommt: „Die Reisebus-Unternehmer müssen im Gegensatz zu Fluggesellschaften und der Bahn Sonderregeln beachten“, erklärt er. Die Reisebus-Branche werde benachteiligt. Während Linienbusse und Fernbusse wie Flixbus und Co. fahren durften, mussten Reisebusse ihr Angebot einstellen. „Das eine wird als Linienfahrt angesehen, das andere als Gelegenheitsfahrt beziehungsweise als touristische Reise. Aber wenn man sich in den Flieger nach Mallorca setzt, dann ist das auch eine touristische Reise“, erklärt Tuchan. Er hofft, dass so schnell wie möglich eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland beschlossen wird. Bis Ende Mai werde das seiner Meinung nach sicher noch dauern.

Die Busunternehmer im Kreis Fulda gehen auch davon aus, dass demnächst Busreisen wieder ohne Hürden möglich sind. „Wir bieten ab Juli Busreisen an. Man merkt, dass die Nachfrage und Reiselust bei den Leuten steigt“, erklärt Frank Happ, Geschäftsführer beim Reisebüro Happ in Flieden. Auch er hofft, dass bald eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland gilt. Sein Unternehmen hat vier eigene Busse. „Außerdem haben wir die Möglichkeit, weitere Busse anzumieten“, erklärt Happ. In der Hochsaison – im Mai, Juni, September und Oktober – seien vor Corona zwischen 10 und 15 Busse parallel unterwegs gewesen. Die Zeit, in der die Reisebusse nicht fahren durften, hat Happ genutzt, um die Busse mit Virenfilteranlagen umzubauen.

Video: Flugzeug, Bahn & Bus - Das ist während Corona zu beachten

Das hat auch der Dolce Vita Reiseclub Neuhof gemacht. „Wir haben Filterschutzsysteme einbauen lassen, die alle zwei Minuten die Luft in den Bussen austauschen“, erklärt Inhaber Markus Sarközy. Seine Firma besitzt sechs Busse und bietet ausschließlich Busreisen an. „Wir sind froh, dass wir momentan jeden Tag Buchungen speziell für die zweite Jahreshälfte erhalten“, erklärt Sarközy. Gerade die klassischen Herbstziele wie Toskana, Kroatien oder auch Italien seien gefragt.

Das Reisebüro Happ fokussiert sich für Juli und August zunächst auf deutschsprachige Ziele in Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. „Wir gehen aber davon aus, dass wir ab Herbst das Angebot wieder erweitern. Ohne Istrien oder Prag geht es nicht“, erklärt Happ.

Bei der Reisewelt Teiser und Hüter in Neuhof ist die Nachfrage seit etwa zwei Wochen ebenfalls angestiegen. „Es ist endlich wieder ein positives Gefühl für Urlaub da. Vor einiger Zeit, als die Diskussion um Mallorca aufkam, war Urlaub fast verpönt. Umso schöner ist es zu sehen, dass Mallorca ein voller Erfolg war und die Inzidenzzahlen eben nicht nach oben gingen. Es zeigte, dass die Hygienekonzepte funktionieren“, erklärt Geschäftsführer Dennis Krug. Teiser und Hüter bietet bereits ab Juni Busreisen beispielsweise in den Schwarzwald oder Österreich an. Auch eine Gruppenreise auf die griechische Insel Skiathos ist geplant. „Hier haben wir die Mindestteilnehmerzahl schon erreicht, die wird sicher auch stattfinden“, ist Krug überzeugt. Aktuell handhabt es Teiser und Hüter so, dass für die Busreisen zunächst nur die Hälfte der Plätze vergeben wird und zusätzliche Interessenten auf die Warteliste kommen. „Wir müssen ja erst einmal abwarten, was erlaubt ist – nicht dass wir am Ende der Hälfte der Teilnehmer absagen müssten.“

Wie sind die Reiseveranstalter durch die Corona-Krise gekommen?

Frank Happ, Reisebüro Happ: „Wirtschaftlich sind wir gut durch die Krise gekommen. Bei uns sind die staatlichen Hilfen zeitnah angekommen. Es gab keine betriebsbedingten Kündigungen. Die Prognosen gehen davon aus, dass der Herbst gut gebucht sein wird. Allerdings sind wir weit entfernt von Vor-Corona-Zeiten. Unsere Hygienekonzepte haben sich als gut erwiesen. Wir hatten von Juli bis Oktober, wo wir fahren durften, keinen Verdachtsfall.“

Markus Sarközy, Dolce Vita Reiseclub: „Wir haben staatliche Zuschüsse bekommen, mussten aber auch einen Förderkredit aufnehmen. Mich persönlich hat die Zeit viele Nerven gekostet. Ich hatte einen Herzinfarkt und habe es also auch gesundheitlich gemerkt. Unsere Mitarbeiter haben wir in Kurzarbeit schicken müssen. 2020 sollte eine gute Saison werden. Wir sind davon ausgegangen, dass wir 2020 deutlich mehr Buchungen haben werden als 2019.“

Dennis Krug, Reisewelt Teiser und Hüter: „Natürlich waren wir auch in Kurzarbeit. Aber unsere Unternehmensphilosophie war so, dass wir durchgehend erreichbar sein wollten. Das waren wir auch. Es war eine anstrengende Zeit, weil wir ja Tausende Buchungen abzuwickeln hatten. Jetzt sind wir froh, dass es endlich wieder losgeht. Auch wir haben staatliche Hilfe bekommen, ohne hätte es glaube ich kein Touristikunternehmen geschafft.“

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