Ein Mann scannt mit einem Handy ein Dokument für den Digitalen Impfnachweis.
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Der digitale Impf-Nachweis geht am heutigen Donnerstag an den Start.

Reaktionen aus der Region Fulda

Digitaler Corona-Impfpass: Apotheker äußern zum Start Kritik

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Am Donnerstag ist der digitale Corona-Impfpass gestartet, mit dem man seine Impfung nachweisen kann. Schrittweise wird er in Arztpraxen und Testzentren eingeführt und ab Montag in Apotheken erhältlich sein. In der Region wird Kritik geäußert.

Update vom 10. Juni, 17.05 Uhr: Nach und nach sollen sich Impfzentren, Praxen und Apotheken ans System anschließen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag sagte. „Aber nicht alle sind heute oder morgen schon angeschlossen.“ Bis Ende Juni solle die Anwendung namens „CovPass“ dann aber für alle Interessenten zur Verfügung stehen. Mehrere Millionen schon geimpfte Menschen sollen den digitalen Nachweis nachträglich bekommen können.

Spahn sagte, vor den Sommerferien gebe es nun eine auch europaweit gültige Lösung, Impfungen mit dem Smartphone nachzuweisen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung betonte, es werde nicht sofort einen flächendeckenden Start in den Praxen geben. Technische Voraussetzungen und Klarheit über genaue technische Abläufe seien noch nicht gegeben.

Erstmeldung vom 10. Juni, 11.41 Uhr: Kreis Fulda - Eine vollständige Corona-Impfung soll man künftig auch per Smartphone nachweisen können - mit einem digitalen Impfpass, der am Donnerstag an den Start gehen soll. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Einzelheiten dazu in Berlin vorstellen. Die Anwendung namens „CovPass“ soll als Beleg bei gelockerten Corona-Beschränkungen eingesetzt werden können und zur Sommerferienzeit Reisen in Europa erleichtern.

Digitaler Corona-Impfpass geht an den Start: Apotheker noch nicht bereit?

Dabei geht es um eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier. Der digitale Impfnachweis kann nicht nur über die neue „CovPass“-App angezeigt werden, sondern auch in der offiziellen Corona-Warn-App des Bundes - die schon mehr als 28 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Experten schätzen, dass 25 Millionen Menschen sie aktiv nutzen. Der Unterschied: Die „CovPass“-App hat anders als die Corona-Warn-App keine Kontaktverfolgungsfunktion.

Den digitalen Nachweis sollen sich Geimpfte direkt in Praxen oder Impfzentren erstellen lassen können. Dafür wird ein Code erzeugt, den man gleich mit dem Smartphone abscannen oder auf Papier mitnehmen und später scannen kann. Genutzt werden kann der Nachweis dann über eine kostenlose App, die ihn lokal auf dem Handy speichert. (Bleiben Sie mit dem Corona-News-Ticker für Hessen auf dem Laufenden.)

Knapp 19 Millionen Bürger sind inzwischen schon vollständig geimpft, ehe der digitale Nachweis starten konnte. Sie können ihn aber noch nachträglich bekommen. Impfzentren sollen ihn ausgedruckt per Post zuschicken. Außerdem können Ärzte und auch Apotheken ein Zertifikat erstellen. Viele Apotheken wollen dies ab kommendem Montag anbieten, wie die Branchenvereinigung, der Deutsche Apothekerverband (DAV), ankündigte. Laut DAV stünden die technischen Möglichkeiten den Apotheken ab Montag zur Verfügung – in Form einer Eingabemaske im Apothekenportal. (Lesen Sie hier: In diese Corona-Preis-Fallen sollten sie jetzt nicht tappen)

Dort können sich die Pharmazeuten laut DAV bereits registrieren. Allerdings war im Modul „Digitales Impfzertifikat“ bis Mittwochnachmittag, 9. Juni, noch keine entsprechende Schaltfläche freigeschaltet. Voraussetzung, um den digitalen Impfpass ausstellen zu können, ist allerdings ein digitaler Heilberufeausweis, der sie online eindeutig identifiziert.

Apotheker aus Schlüchtern: Ich kann meine Mitarbeiter noch nicht schulen

„Das Apothekenportal wird sukzessive erweitert, etwa auch für das E-Rezept, das Anfang 2022 kommen soll“, kündigt Katja Förster, Pressesprecherin des Apothekerverbandes in Hessen an. Neben dem Zertifikatsmodul ist auch die Suchfunktion für Patienten bislang nicht eingerichtet. Auf der für die Bürger relevanten Internetseite mein-apothekenmanager.de sind bislang lediglich Apotheken zu finden, die Covid-19-Schnelltests anbieten.

„Es hängt nicht an uns. Was wir von Seiten der Apotheke vorbereiten können, haben wir vorbereitet“, sagt Michael Sapper, Inhaber der St.-Georg- Apotheke in Poppenhausen und der Bonifatius-Apotheke in Fulda. Der Pharmazeut, der schon früh Schnelltests anbot, hofft nun darauf, dass die digitale Infrastruktur, deren Herausgeber das Robert Koch-Insititut (RKI) ist, tatsächlich bis Montag steht. Denn er rechnet damit, dass kurz vor der Urlaubszeit ein hoher Nachfragedruck ins Haus steht.

Den digitalen Impfpass bekommt man auf diesen Wegen.

Zwar wird die Bergwinkel Apotheke in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) ebenfalls Zertifikate ausstellen, aber Apotheker Thomas Krick äußert auch Kritik: „Es ist dasselbe wie bei den Masken. Donnerstags wird verkündet, dass die Apotheken ab Montag dabei sind.“ Bis jetzt kenne er noch nicht das Verfahren zur Erstellung der Nachweise. „Ich kann meine Mitarbeiter also noch nicht schulen. Das muss ich aber tun, weil nämlich eine falsche Ausstellung strafbewehrt ist“, erläutert der Schlüchterner, der zu bedenken gibt, dass sich einige Berufskollegen nicht an der Aktion beteiligen werden, weil sie sich nicht auf dünnes Eis begeben wollen.

Video: Start für freiwilligen Corona-Impfpass fürs Smartphone

„Ich muss von den Kunden den Personalausweis und den Impfausweis sichten. Dann soll ich beurteilen, ob die Eintragungen darin plausibel sind. Und da fangen die Gummiparagrafen an“, verdeutlicht er die Unsicherheiten. Die bestünden zudem auch bei den Honoraren, die bei Masken und Tests im Nachhinein gekürzt worden seien. „Wir bekommen im Moment jede Menge Aufgaben, die nicht zum Alltagsgeschäft gehören. Das ist Zeit, die große Online-Apotheken nutzen, um sich auf das elektronische Rezept vorzubereiten“, kritisiert Krick.

Auch Andreas Mölleney von der Apotheke am Heertor in Fulda möchte die Ausstellung des Zertifikats umsetzen. „Natürlich wollen wir dieses so schnell wie möglich anbieten können, weil es auch die Apotheken vor Ort stärkt.“ Immerhin habe er gestern schon erste Anfragen erhalten. Allerdings beklagt auch er, dass die Modalitäten zum digitalen Impfpass mit heißer Nadel gestrickt worden seien, sodass er gespannt auf Montag sei. Bislang seien die Informationen an die Pharmazeuten nur spärlich geflossen. Das gelte nicht nur für die Abwicklung der Zertifikatsausstellung, sondern auch für die Abrechnung. „Ich weiß noch nicht, wie und von wem ich am Ende die Vergütung bekommen soll“, sagt Mölleney.

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