Vor dem illuminierten Schloss Fasanerie wird Essen ins eigene Auto geliefert.
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Vor dem illuminierten Schloss Fasanerie wird Essen ins eigene Auto geliefert.

Essen auf Rädern

Kreative Gastronomie-Ideen in Corona-Pandemie: Auto-Restaurant in Schloss Fasanerie und Wohnmobil-Dinner

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Mit Abhol- und Lieferservice halten sich viele Gastronomen derzeit über Wasser. Doch nicht für alle bietet sich das Außerhaus-Geschäft an. Kreative Ideen sind gefragt – und werden angenommen, wie ein Beispiel aus Eichenzell zeigt. Dort hat das erste Auto-Restaurant in der Region eröffnet. 

Eichenzell - Die Fassade von Schloss Fasanerie leuchtet in strahlendem Rot. Davor parkt aufgereiht eine Vielzahl von Wohnmobilen und Kleinwagen – ungewöhnlich abends um halb 7. Schweinfurt, Würzburg, Frankfurt, Vogelsberg, Fulda – von überall sind Fahrer gekommen, um sich vor dem Schlossrestaurant Essen auf Porzellan ins eigene Auto liefern zu lassen.

Von den insgesamt 26 Parkplätzen mit Sicht auf das Schloss sind an diesem Abend nur wenige frei geblieben. „Wir wollten etwas anderes machen. Die Abholung oder Lieferung kam für uns nicht in Frage, da sich andere Betriebe darauf spezialisiert haben“, erklärt Restaurant-Inhaber Karl-Gustav Müller. Und so war die Idee des Auto-Restaurants geboren. Schon während des Lockdowns im Frühjahr hatte der Gastronom mit seinem Lieferservice auf Parkbänke für Aufsehen gesorgt. (Lesen Sie hier: Nach dem Aus der Kultkneipe „Löwe“: Gastronomen in Fulda steht wegen Corona das Wasser bis zum Hals).

Auto-Restaurant und Wohnmobil-Dinner: Kreative Gastronomie-Ideen in der Region

Im Innenhof des Schlosses angekommen, bekommt jedes Fahrzeug einen Stellplatz zugewiesen. „Folgen Sie mir zur Nummer sechs“, betont einer der sieben Mitarbeiter. Nachdem das Brummen des Motors verstummt ist, wird das Auto für das Abendessen vorbereitet. Neben einer LED-Kerze, die Platz auf dem Armaturenbrett findet, wird jeder im Auto mit einem Tablett ausgestattet. Zusätzlich können Heizlüfter gebucht werden. Dank der wärmebringenden Geräte wird es kuschelig warm.

Kreativ sind auch die Gäste: Um es sich beim Essen im Auto gemütlich zu machen, haben sie allerlei Utensilien mitgebracht: Lichterketten, mit denen die Windschutzscheibe dekoriert wird, Weihnachtsbäumchen auf dem Rücksitz oder einfach nur eine Jukebox, aus der Weihnachtshits rieseln.

Bis zu 70 Personen können in ihren Autos bewirtet werden, erklärt Müller, der für das Auto-Restaurant erst „eine gewisse Infrastruktur“ aufbauen musste. Unter anderem wurden Stromkabel für die Heizgeräte verlegt und ein neues Bestellsystem entwickelt. „Es funktioniert jetzt alles kontaktlos“, verdeutlicht der Inhaber. Das Essen kann bereits über die Website bestellt werden, muss aber nicht. Kurz nach der Ankunft kommt eine Service-Kraft ans Fenster und bringt die Getränke- und Speisekarte. Wer weiß, was er möchte, signalisiert das einfach mit dem Warnblinker – Zeichensprache in Zeiten von Corona. Alternativ kann auch via QR-Code am Smartphone bestellt werden.

Das Essen kommt mit Tellerglocke, so dass das Schnitzel auch bei frostigen drei Grad nicht kalt wird. Das Tablett sitzt fest – und weder Teller noch Schüssel bewegen sich. Mit etwas Körperbeherrschung ist das Essen im Auto durchaus eine Alternative – und auf diese Art und Weise auch kultivierter als ein Stop am Drive-In-Schalter. Inhaber eines Wohnmobils mit mitfahrendem Esszimmer sind bei dieser Art des Speisens natürlich klar im Vorteil.

Feuerwerk auf der Fassade des Barockschlosses

Das Auge isst mit – und deshalb gibt es zum Dessert auch noch einen optischen Leckerbissen: Als der Nachtisch serviert wird, verschwindet auf einmal die rote Farbe auf dem Barockschloss – und auf der Fassade tauchen nun geometrische Symbole, ein Feuerwerk und 3D-Effekte auf.

Das Tablett sitzt fest – und weder Teller noch Schüssel bewegen sich.

Wenngleich das Auto-Restaurant in Schloss Fasanerie das erste seiner Art in der Region ist, erfreut sich „Essen auf Rädern“ in diesen Zeiten zunehmender Beliebtheit. Wohnmobil-Dinner sind zum bundesweiten Trend geworden –und auch in Osthessen sind gleich mehrere Gastronomen auf den Zug aufgesprungen.

„Über eine Facebook-Seite sehen Camper, welche Restaurants bei dieser Aktion mitmachen“, erklärt Stefan Faulstich vom Rhönblick in Petersberg-Steinau. Dabei sind außer ihm beispielsweise die Kneshecke in der Rhön, die Brathähnchenfarm in Steinau an der Straße, der Gasthof Zur Post in Freiensteinau und Zuspann in Hünfeld.

Wohnmobil-Dinner sind zum Trend geworden

Jedes Wochenende kämen drei, vier Wohnmobile zu ihm auf den Hof, sagt Faulstich. „Oft sind es Leute aus Hessen oder Thüringen, die in der Rhön wandern gehen, bei uns essen und noch über Nacht bleiben.“ Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt Petersberg dürfen sie auf seinem Grundstück nächtigen, sofern der Stellplatz nicht abgerechnet wird. Generell weisen die Betreiber der Internetseite wohnmobildinner.net darauf hin, dass teilnehmende Restaurants zuvor mit dem zuständigen Ordnungsamt die Rahmenbedingungen klären müssen.

Inhaber Karl-Gustav Müller liefert das Essen.

Wie bei Karl-Gustav Müller im Restaurant „Die Fasanerie“ wird das Essen auf Porzellantellern serviert – einziger Unterschied: Im Rhönblick müssen die Kunden ihr Essen selbstständig abholen. „In diesem Fall ist es wie eine Mahlzeit, die abgeholt wird. So können wir uns am besten an die geltenden Regeln halten und uns schützen.“

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