Ein maskierter Mann steht vor der Tür und versucht einzubrechen
+
„Einbrecher suchen meist den Schutz der Dunkelheit und die Abwesenheit der Hausbewohner“, erklärt ein Polizeisprecher. (Symbolfoto)

Prävention wichtig

Trotz Homeoffice und Corona-Ausgangssperre: Einbrecher steigen in Wohnungen in Osthessen ein

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
    schließen

Menschen, die Homeoffice machen, und nachts eine Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr: Für Einbrecher sind das keine optimalen Voraussetzungen. Trotzdem gehen sie auf Raubzug – häufig sogar mitten am Tag. 

Region - Eingebrochen wird immer - auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls die jüngsten Pressemitteilungen der Polizei in Fulda. Da ist die Rede von einem versuchten Einbruch in eine Gaststätte in der Nonnengasse oder in ein Pflegeheim in Ulrichstein. Ein Apartment in der Fuldaer StraßeAuf der Wacht“ war ebenfalls vor kurzem das Ziel von Einbrechern. Und Mitte November schlug der Bachrainer Pfarrer Jürgen Klein Alarm, weil ein Mann versucht hat, in sein Pfarrhaus einzubrechen. Seine Haushälterin entdeckte den Dieb und konnte ihn in die Flucht schlagen.

„Aus polizeilicher Erfahrung kann man sagen, dass Einbrecher grundsätzlich nicht entdeckt werden möchten und daher Lichtquellen oder ein freies Blickfeld scheuen“, erklärt Rudolf Neu, Leiter der Pressestelle im Polizeipräsidium Südosthessen. Ein für Ganoven lohnenswertes Ziel seien scheinbar verlassene Wohnungen. „Dies sollte man insbesondere bei längerer Abwesenheit, wie zum Beispiel im Urlaub, bedenken“, betont Neu.

Corona und die Folgen hält Einbrecher in der Region nicht ab

Ob in der Corona-Zeit weniger eingebrochen wird, weil die Leute mehr zuhause sind und es eben kaum verlassene Wohnungen gibt, das sei eher „spekulativ“. „Zur Fallzahlentwicklung tragen zahlreiche unterschiedliche Faktoren bei, wobei Corona und die sich daraus ergebenden Folgen – zum Beispiel Arbeiten im Homeoffice – durchaus Auswirkungen haben könnten. Eine entsprechende statistische Auswertung erfolgt bei uns allerdings nicht“, sagt Polizeisprecher Neu.

Beim Polizeipräsidium Osthessen sei eine „signifikante Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Zahlen der Wohnungseinbrüche nicht ersichtlich“, erklärt Polizeipressesprecher Dominik Möller. Genaue Daten aus diesem Jahr würden erst mit der Kriminalstatistik veröffentlicht werden. Generell seien die Fallzahlen in Osthessen aber niedrig: „2019 ist in dem Bereich im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 57 auf insgesamt 224 festzustellen“, sagt Möller. In 136 Fällen handele es sich um einen vollendeten Einbruch. Noch 2016 sei die Zahl bei insgesamt 400 Fällen gewesen – 44,7 Prozent mehr als 2019. Die Aufklärungsquote lag bei 16,1 Prozent.

Kriminalstatistik: Aufklärungsquote von Einbrüchen in Südosthessen deutlich gesunken

In Südosthessen sank die Aufklärungsquote allerdings spürbar – von 32,4 Prozent 2018 auf 11,1 Prozent 2019. Insgesamt nahm die Zahl der Fälle 2019 um 98 zu und lag 2019 somit bei 391 Delikten. In 178 Fällen blieb es beim Versuch. „In den ländlichen Gebieten des Main-Kinzig-Kreises werden oftmals Einfamilienhäuser angegangen, im städtischen Bereich sind es auch Mehrfamilienwohnhäuser und Wohnungen“, sagt Neu und ergänzt: „Einbrecher sind mitunter auch wahre Kletterkünstler und suchen sich Wohnungen oder Räume im ersten oder zweiten Obergeschoss aus. Es sind also nicht nur Erdgeschosswohnungen betroffen.“ (Lesen Sie hier: Main-Kinzig-Kreis: Frau aus Maintal wird von Einbrecher aus dem Schlaf gerissen)

Nach welchen Kriterien sich die Ganoven ein Objekt aussuchen, kann Polizeisprecher Neu nicht sagen: „Einbrecher gehen meist unterschiedlich vor. Falsch ist jedoch die Annahme ,bei mir ist nichts zu holen‘. Die bevorzugte Beute besteht oftmals aus leicht zu transportierenden Gegenständen, wie Schmuck oder Bargeld.“

Polizeisprecher verraten: Zu dieser Zeit steigen Einbrecher in Wohnungen und Häuser ein

Dominik Möller vom Polizeipräsidium Osthessen ergänzt, dass Täter häufig über leicht erreichbare Fenster und Wohnungstüren einbrechen. Durch eine effiziente Sicherung könnten viele Einbrüche verhindert werden. „Die Quote der Einbruchsversuche lag im Jahr 2019 in Osthessen bei nahezu 40 Prozent“, weiß Möller. Die Annahme, dass Einbrecher vor allem nachts zuschlagen, ist offenbar falsch: „Es ist davon auszugehen, dass Einbrüche häufig zur Tageszeit erfolgen, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind, also zur Arbeits- und Einkaufszeit, aber auch am frühen Abend oder an den Wochenenden. Auch wenn oft nicht genau feststellbar ist, wann ein Einbruch erfolgte, so geht die Polizei dennoch davon aus, dass bundesweit über ein Drittel aller Wohnungseinbrüche am Tag verübt werden.

Prävention

• Auch bei kurzer Abwesenheit Haustür abschließen

• Fenster und Türen verschließen, nicht kippen

• Den Schlüssel nicht draußen verstecken

• Bei Schlüsselverlust Schließzylinder wechseln

• Auf fremde Personen in der Nachbarschaft ein Auge haben

• Vertrauenswürdige Nachbarn sensibilisieren und um verstärkte Aufmerksamkeit bitten, wenn man mehrere Tage nicht zu Hause ist

• Verdächtige Beobachtungen der Polizei melden

• Keine Hinweise auf Abwesenheit in sozialen Netzwerken oder auf dem Anrufbeantworter

• Eventuell eine mechanische Sicherung aller Fenster und Türen installieren

• Empfehlenswert ist eine Wertgegenstandsliste mit Kennzeichnung, um bei einem Einbruch eine Übersicht zu haben, was gestohlen worden ist

• Wertgegenstände können auch in einem Bankschließfach sicher deponiert werden

• Briefkästen leeren oder leeren lassen

• Beleuchtung in dunklen Ecken

• Beratung bei der Polizei Osthessen unter (0661) 1052041 und unter polizei-beratung.de

Rudolf Neu erklärt, dass die Statistiken eines zeigen: In den Wintermonaten werden die Einbrüche in den Nachmittagsstunden und am frühen Abend verübt. In den Sommermonaten verschiebe sich das eher in die Nachtzeit - auch in Zeiten der Corona-Pandemie. „Einbrecher suchen meist den Schutz der Dunkelheit und die Abwesenheit der Hausbewohner.“

Das könnte Sie auch interessieren