Dank der Einkauflisten weiß Hubertus Vilmar genau, was er für die Senioren besorgen muss.
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Dank detaillierter Einkauflisten weiß Hubertus Vilmar genau, was er für die Senioren besorgen muss.

„Ein Geschenk des Himmels“

Hubertus Vilmar geht für Senioren und Risikogruppen einkaufen

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Das Einkaufen in Corona-Zeiten gestaltet sich für einige schwierig. Risikogruppen und Senioren wird vom Gang in den Supermarkt abgeraten. Als Alternativen bieten viele Gemeinden einen Einkaufsservice an, so auch der Bürgerbus in Hofbieber.

  • Für Senioren und Risikogruppen ist der Gang zum Supermarkt wegen des Coronavirus schwer.
  • Die Gemeinde Hofbieber bietet einen Einkaufsservice an, um den Menschen zu helfen.
  • Hubertus Vilmar ist ehrenamtlicher Helfer und war für Ellen Bergmann unterwegs.

Hofbieber - Gerade in Zeiten von Covid-19 wird das Miteinander auf die Probe gestellt. Solidarität und Verantwortungsbewusstsein sind Tugenden, die immer wieder in diesen Zeiten gefordert werden. Ein gutes Beispiel ist das Kommunale Netzwerk Humandienste Hofbieber (KNHH), das Einkaufsfahrten mit dem Bürgerbus anbietet.

Dienstag 13.30 Uhr: Hubertus Vilmar, einer von vielen ehrenamtlichen Helfern, parkt seinen privaten Pkw vor dem Gemeindezentrum Hofbieber und lässt sich den Schlüssel des Bürgerbusses aushändigen. Gewöhnlich ist der Ortsvorsteher aus Langenberg, der kleinste Ortsteil Hofbieber, Busfahrer für Kinder mit Handicap und betreibt nebenbei noch ein bisschen Landwirtschaft. „Wegen Corona fallen viele Fahrten aus, weshalb ich mehr Zeit für den Bürgerbus habe“, erläutert Vilmar.

Bus mit Desinfektionsmittel und Handschuhen

Vorab wird der Fahrer von Cornelia Hagemann, die die Fahrten koordiniert, über die Tagestouren informiert. Neben dem Einkaufsservice bietet der Bürgerbus auch Transporte zur Physiotherapie, zum Arzt oder zum Besuch eines Bekannten an. Heute steht das Einkaufen für Ellen Bergmann auf der Agenda. Bevor es aber losgeht, steht die Sicherheit und Gesundheit des Fahrers im Vordergrund.

In diesem Bus erledigt Hubertus Vilmar Besorgungen oder fährt Senioren zu Terminen.

„Mir als Koordinatorin ist es wichtig, die ehrenamtlichen Fahrer so gut es geht zu schützen“, betont Hagemann. Aus diesem Grund ist der Bus mit Desinfektionsmittel und Handschuhen ausgestattet. Auch werden an die Fahrer Schutzmasken ausgegeben, die das Team der Kindertagesstätte Hofbieber genäht hat.

„Bürgerbus ist ein Geschenk des Himmels“

Routinemäßig zieht sich Vilmar die Schutzhandschuhe an und bewegt den Bürgerbus den Berg hinauf in Richtung Golfplatz zu Bergmann, die das Angebot öfters in Anspruch nimmt. „Ich hatte vergangenen Sommer eine Schulterfraktur und habe mich danach noch am Fuß verletzt“, sagt die Dame, die aus diesen Gründen auf Hilfe angewiesen ist. Da ihre Familie außerhalb von Fulda lebt, haben zuerst Freunde und Nachbarn geholfen. Als der Bürgerbus ins Leben gerufen wurde, hat sie dieses Angebot angenommen.

„Wenn der Bürgerbus nicht wäre, würde ich jetzt im Pflegeheim sitzen. Er ist wie ein Geschenk des Himmels“, freut sich Bergmann. Die Vorbereitung auf den Einkaufstag beginnt allerdings einen Tag zuvor. Am Computer schreibt die Rentnerin einen Einkaufszettel, den sie ausdruckt und Vilmar mitgibt.

Für Ellen Bergmann ist der Bürgerbus ein Geschenk des Himmels.

Auf dem Zettel stehen Weintrauben, Sellerie, Rettich, Fenchel, Kohlrabi, Möhren, Paprika, Feldsalat und Toilettenpapier. Sechs Eier, zwei Putenflügel und Hühnerhälse hat Bergmann bereits am Vortag im Hofbieberer Dorfladen vorbestellt.

Rückfragen beim Einkauf sind kein Problem

Mit Taschen, Geldbeutel und Einkaufszettel ausgestattet fährt Vilmar mit dem Bus in einen Supermarkt. Gewissenhaft arbeitet er die georderten Lebensmittel auf der Liste ab. Es scheint, als kaufe der Fahrer für sich selbst ein. Das Obst und Gemüse begutachtet Vilmar nach Druckstellen und Haltbarkeit. Für Rückfragen beim Einkaufen hat Bergmann sogar ihre Telefonnummer hinterlassen.

Hubertus Vilmar geht ehrenamtlich für Senioren und Risikogruppen einkaufen.

Nach einer halben Stunde klingelt es bei Bergmann. Vor der Tür steht Vilmar mit den Einkäufen. Bis auf das Toilettenpapier hat er alles besorgt. Dass das Klopapier leer war, ist für die Rentnerin kein Problem, schließlich steht der Bürgerbus drei Tage später wieder vor der Tür und kauft für die Dame ein.

„Dafür ist der Bürgerbus da - um zu helfen“

Der Arbeitstag für Vilmar ist aber noch nicht beendet. Als er gehen möchte, bittet Bergmann ihn, den Müll rauszubringen. „Natürlich“ entgegnet er ihr – ein Freundschaftsdienst. Nachdem der Ortsvorsteher den Bus wieder vor dem Gemeindezentrum parkt, die Fahrt in das Fahrtenbuch einträgt und die Handschuhe im Müll entsorgt, endet sein Arbeitstag.

„Heute war die Tour schnell zu Ende. Manchmal habe ich aber auch etwas längere Wartezeiten, wenn ich eine Person zum Beispiel zum Arzt fahre“, erklärt Vilmar. Generell muss er in Zeiten von Covid-19 weniger Fahrten absolvieren. „Einige denken, es wäre unnötig, den Bus nur wegen einer Person in Anspruch zu nehmen und wollen nicht zur Last fallen. Aber genau dafür ist der Bürgerbus da – um zu helfen“, betont Vilmar.

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