Eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt in Mitte hält ein Abstrichstäbchen in einer ambulanten Corona Test-Einrichtung in der Hand.
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Coronavirus: Die Zahl der Neuinfektion in Osthessen geht stark zurück.

Drängen auf Lockerungen

Corona: Fast keine neuen Fälle in Fulda und Vogelsberg - Rückgang auch im Kinzigtal

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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In den Landkreisen Fulda und Vogelsberg infizieren sich kaum noch Menschen mit dem Coronavirus. Wie in diesen Kreisen geht die Zahl auch im Main-Kinzig-Kreis stark zurück, wenn auch die Wert der Neuinfektionen dort noch über dem Hessenschnitt liegen. Sollten die Beschränkungen deshalb bald aufgehoben werden?

  • Zeitweise war der Landkreis Fulda an der Spitze in Sachen Corona-Fälle in Hessen.
  • Inzwischen gehen die Zahlen in ganz Osthessen stark zurück.
  • Die osthessische Politik drängt deshalb auf Lockerungen.

Landkreis Fulda

Osthessen - „Die Lage im Landkreis Fulda entwickelt sich positiv. In den vergangenen Wochen gab es wenige Neuinfektionen. Der Landkreis Fulda ist inzwischen hessen- und bundesweit einer der am geringsten betroffenen Kreise“, sagt Gesundheitsdezernent und Vize-Landrat Frederik Schmitt (CDU).

In den vergangenen 14 Tagen meldete der Kreis acht neue Fälle. 608 Personen befinden sich in Quarantäne. „Dass wir uns auf einem niedrigen Niveau bewegen, ist auch der großen Disziplin und dem Verantwortungsbewusstsein vieler Bürger zu verdanken, die sich an die Kontaktbeschränkungen halten und die Hygienehinweise beachten. Deshalb halte ich es für medizinisch vertretbar und für volkswirtschaftlich geboten, weitere Lockerungen zu ermöglichen“, sagt Schmitt.

Er denke an die Gastronomie und Hotellerie, die sich in Existenznöten sehe und überdies für das soziale Leben der Menschen wichtig sei. Es sei wichtig, weitere Branchen schrittweise zu öffnen. „Notwendig ist dabei aber die Beibehaltung der Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen. Wir sind längst noch nicht auf der sicheren Seite. Es ist richtig, Lockerungen einzuleiten; und es ist unumgänglich, den Blick deutlich auf die etwaigen Folgen zu richten, um bei stark steigenden Infektionszahlen umgehend handeln zu können.“

Vogelsbergkreis

Die bislang letzte Infektion meldete der Vogelsberg am 29. April. „Mit nur noch 10 aktiven Fällen von insgesamt 121 Positiven im Vogelsbergkreis haben wir eine gute Ausgangsbasis dafür, um weitere Lockerungen nach und nach umzusetzen“, erklärt Gesundheitsdezernent und Vize-Landrat Dr. Jens Mischak (CDU).

Ohnehin habe sich ihm manche Regelung, etwa die 800-Quadratmeter-Grenze für den Handel, nicht erschlossen. Das Ganze müsse aber ein dynamischer Prozess bleiben, um zu verhindern, dass die „Lockerungen von heute die neuen Fallzahlen von morgen werden“, so Mischak. „Wir sind auf einem guten Weg in unserem Land und können nun etwa in den Bereichen Schulen, Kindergärten, Gastronomie, Einzelhandel sowie Freizeit und Sport intelligente und möglichst bundesweit abgestimmte Lockerungen in Angriff nehmen.“

Problematisch sei, dass sich die Bundesländer zuletzt gegenseitig hätten überbieten wollen bei Öffnungen und Lockerungen. „Es ist richtig, dass unterschiedliche Zahlen in den Bundesländern regional unterschiedliche Konsequenzen haben. Es kann aber nicht sein, dass die Maßstäbe für diese Öffnungen beliebig oder nicht mehr nachvollziehbar sind. Hier muss klar sein, bei welchen Zahlen welche Maßnahmen verantwortet und umgesetzt werden“, sagt Mischak.

Main-Kinzig-Kreis

Von einer „Verschnaufpause“ spricht Gesundheitsdezernentin und Vize-Landrätin Susanne Simmler (SPD): „Wir dürfen vorsichtig optimistisch sein. Allerdings kann sich die Situation jederzeit verändern, solange wir keinen wirksamen Impfstoff haben.“ Es sei beruhigend, dass es bei den Neuinfektionen im Main-Kinzig-Kreis derzeit keine großen zahlenmäßigen Sprünge mehr gebe. Man wisse aber leider immer erst mit Verzug, welche Folgen Lockerungsmaßnahmen hätten. In den Alten- und Pflege-Einrichtungen mit Covid-Patienten oder positiv getesteten Mitarbeitern sei die Lage jedoch eine ganz andere, als es die Bevölkerung wahrnimmt.

Simmler hält zahlreiche Lockerungen für möglich. „Wir sollten aber beim Tempo nicht übertreiben. Wenn es gute Konzepte gibt und Hygieneregeln eingehalten werden, dann ist die Rückkehr zu einer neuen Normalität möglich und sinnvoll. Das sehen wir in der Wirtschaft. Auch in den Schulen funktioniert der veränderte Alltag ohne Probleme, deshalb könnten weitere Jahrgänge folgen.“ Für Kitas und die Kindertagespflege müssten einige Abstands- und Schutzregeln überprüft werden. „Aber auch hier wird es Lösungen geben können, etwa über kleinere Gruppen, feste räumliche und personelle Zuordnungen und andere zeitliche Taktungen .“

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