Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
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Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. Kunden brauchen allerdings einen Schnelltest.

„Das war unser Genickbruch“

Ohne Corona-Test gibt es keinen Haarschnitt: Friseuren in Fulda bleiben die Kunden weg

  • Jacqueline Kleinhans
    vonJacqueline Kleinhans
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Die Friseure durchleben zurzeit eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Monatelange Schließungen während des Corona-Lockdowns, Ansturm im März – nun bleiben die Kunden weg, weil sie vor dem Termin einen negativen Schnelltest benötigen. Wie es den Friseuren im Kreis Fulda derzeit geht, erzählen drei von ihnen.

Bilal Baspinar, Inhaber von Barbier Ala Turka in Fulda: Beim Barbier in der Friedrichstraße in Fulda ist deutlich weniger los als noch im März, kurz nachdem die Friseure wieder öffnen durften. „Viele Kunden stornieren ihren Termin, weil sie vorher keinen Corona-Schnelltest machen möchten“, schildert Bilal Baspinar. Andere wiederum wissen gar nicht, dass sie einen negativen Schnelltest vorlegen müssen, ehe sie ihren Termin wahrnehmen können.

„Es gibt Tage, an denen wir zehn Kunden wieder wegschicken müssen. Manche sind deswegen beleidigt. Aber ohne Negativ-Test können wir ihnen die Haare nicht schneiden“, erklärt Baspinar. Das tut dem Inhaber leid, aber ihm seien die Hände gebunden. „Die Einführung des negativen Schnelltests war unser Genickbruch“, verdeutlicht Baspinar. Er rechnet mit Umsatzeinbußen von 50 Prozent. „Wir versuchen, uns irgendwie über Wasser zu halten.“ Aber Baspinar fällt es zunehmend schwerer, motiviert zu bleiben. (Lesen Sie auch: Friseurin aus Motten berichtet von ihrer Arbeit bei Udo Walz)

Corona in Fulda: Friseuren fehlen wegen Tests die Kunden - „Das war unser Genickbruch“

Sein Personal arbeitet mittlerweile wieder deutlich weniger. „Im März waren wir zu viert hier, jetzt sind es zwei Friseure“, erklärt der Inhaber. Seine Mitarbeiter seien weiterhin in Kurzarbeit. Kunden, die ohne Test zum Barbier kommen, informiert Bilal Baspinar, wo sie sich testen lassen können. Zwar bietet er in seinem Laden auch Tests an, „aber die müssen die Kunden bezahlen. Alle anderen Bürgertests in den Testzentren sind kostenlos.“ Ein weiteres Problem sei es, dass sich die Auflagen oft ändern. „Da kommt kaum noch einer mit. Wir versuchen, unsere Kundschaft über Instagram, Facebook oder am Telefon auf dem Laufenden zu halten.“

Der Barbier hofft, dass so schnell wie möglich mehr Menschen geimpft werden, damit er seinen Beruf künftig wieder ohne Einschränkungen ausüben kann.

Hintergrund

Bei Inzidenz über 100 gilt die Bundesnotbremse. Körpernahe Dienstleistungen sind untersagt – mit Ausnahme von medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder seelsorgerischen Dienstleistungen. Außerdem dürfen Friseurbetriebe und Fußpfleger geöffnet bleiben. Diese dürfen aber nur mit Atemschutzmasken (FFP2 oder vergleichbar) arbeiten. Friseur- und Fußpflegebesuche sind nur mit negativem Test möglich. Nach § 1b CoKoBeV steht ein vollständiger Impfschutz der Negativtestung gleich.

Bei Inzidenzen unter 100 gelten die Bestimmungen des Landes. Sinkt die Inzidenz unter 100, tritt Stufe 1 in Kraft. Neben einer Terminpflicht, Kontaktdatenerfassung ist ein negativer Schnelltest Pflicht. Rutscht die Inzidenz unter 50 (Stufe 2), spricht sich das Land Hessen für die Empfehlung eines aktuellen Tests aus.

Caroline Gaul, Inhaberin des Friseursalons in Giesel: Gerade einmal zwei Kunden haben diese Woche den Weg in den Salon von Caroline Gaul gefunden. „Die Menschen sind einfach verunsichert, weil es ständig andere Regeln gibt“, sagt Gaul und erklärt: „Zuerst wurde mit der Bundesnotbremse festgelegt, dass auch Geimpfte einen negativen Schnelltest brauchen. Ein paar Tage später wurde dies wieder geändert. Irgendwann steigt da niemand mehr durch“, so Gaul. In ihren Salon kommen viele Senioren. „Diejenigen, die nicht geimpft sind, müssen einen Test vorlegen. Das nächste Testzentrum ist auf der Fulda Galerie“, erläutert Gaul. Von Giesel gäbe es zwar eine Busverbindung nach Fulda, aber der Aufwand sei für ältere Menschen enorm. „Viele von ihnen haben Angst, etwas falsch zu machen oder wissen nicht, was sie überhaupt vor dem Friseurbesuch machen müssen und lassen es dann lieber.“

Caroline Gaul hat durch die Einschnitte Umsatzeinbußen von 50 Prozent. „Hinzu kommen die Hygienevorschriften, die beachtet werden müssen. Wie viele Kunden in einem Salon sein dürfen, richtet sich nach der Quadratmeterzahl“, erklärt Gaul. In ihrem Laden dürfen in normalen Zeiten drei Kunden sein, durch die Vorschriften beschränkt es sich auf zwei. „Wenn ich den Damen die Haare eindrehe, dauert das zehn Minuten. Für 30 Minuten setze ich sie unter die Haube. Früher ging das problemlos mit drei Kundinnen. Durch die Beschränkung fällt eine schon mal weg“, erläutert die Friseurin. Sie hofft daher, dass die Testpflicht bald wieder aufgehoben wird.

Video: Corona-Notbremse - Welche Regeln gelten jetzt für Friseurbesuche?

Monika Dechant, Inhaberin von Hair Flair in Hünfeld: Etwa zehn Kunden pro Woche rufen vor ihrem Termin an, um ihn im Salon Hair Flair in Hünfeld zu stornieren. „Uns ist aufgefallen, dass mehr Männer absagen als Frauen“, sagt Inhaberin Monika Dechant. Sie erklärt sich das damit, dass diese zu Hause eher zur Haarschneidemaschine greifen. Jede Stornierung ist für Dechant mit Umsatzeinbußen verbunden. „Dabei gibt es in Hünfeld so viele Stationen, an denen man sich testen lassen kann“, erklärt sie.

Die Kunden, die trotz eines negativen Schnelltests in den Salon kommen, würden sich aber nicht beschweren. „Ändern kann man daran ja nichts“, so Dechant.

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