Eine Auszubildende zur Verkäuferin steht mit einem Mund-Nasen-Schutz hinter einer mit Plexiglas verkleideten Kasse in einem Modegeschäft und legt Hemden zusammen.
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Die Corona-Krise verschärft die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Viele junge Leute zögern mit einer Bewerbung. Es gibt viele offene Lehrstellen im Kreis Fulda (Symbolfoto).

Start in Ausbildung später möglich

1000 freie Lehrstellen im Landkreis Fulda - Wegen Corona zögern viele mit einer Bewerbung

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Die Corona-Pandemie trifft den Ausbildungsmarkt mit voller Wucht: Zwar stellen die Unternehmen fast ebenso viele Lehrstellen bereit wie in den Vorjahren, doch die Bewerber halten sich zurück. Sie haben jetzt so viel Auswahl wie selten zuvor.

Fulda - Eine Berufsausbildung hat für junge Menschen viele Vorteile: Sie erleben den Betriebsalltag, kombinieren Theorie und Praxis und werden durch den Abschluss zur qualifizierten Fachkraft. Von diesen Trümpfen wollen Unternehmen den nächsten Wochen noch möglichst viele Schulabgänger überzeugen. 

Doch die Firmen haben noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Wegen der Unsicherheiten in diesem Jahr - auch aufgrund der Corona-Pandemie - haben sich viele Schulabgänger entschlossen, noch ein oder zwei Schuljahre dranzuhängen, statt eine Berufsausbildung zu beginnen.  Das führt dazu, dass viel weniger junge Leute dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen.

Corona in Fulda: 1000 freie Lehrstellen im Landkreis - viele zögern mit einer Bewerbung

Die Zahl junger Menschen, die sich für eine Berufsausbildung interessieren, nämlich 870, liegt um rund 25 Prozent unter dem Wert von 2020 und sogar um 30 Prozent unter der Zahl von 2019. Waldemar Dombrowski, Chef der Agentur für Arbeit in Fulda, berichtet, dass junge Leute im Kreis Fulda unter so vielen freien Lehrstellen auswählen können wie nie zuvor.

„Rechnerisch kommen 218 Lehrstellen auf 100 Bewerber, vor zwei Jahren waren es 209. Derzeit sind etwa 1000 Ausbildungsstellen unbesetzt“, sagt Waldemar Dombrowski. „380 junge Männer und Frauen sind noch auf der Suche nach einer Lehrstelle. Wir müssen davon ausgehen, dass – wie in den vergangenen Jahren – zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.“ Freie Lehrstellen gibt es in fast allen Berufen. Es sind sogar mehr als 30 Plätze für ein Duales Studium verfügbar. 

Hintergrund:

Der Berufe mit den meisten freien Lehrstellen im Landkreis Fulda ist der Kaufm. Einzelhandel (84), gefolgt vom Verkäufer (67). Aber auch in folgenden Berufen gibt es noch viele freie Lehrstellen: Kaufmann Büromanagement (48), Kaufm. Großhandel (34), Handelsfachwirt (28), Bankkaufmann (27), Berufskraftfahrer (25), Koch (25), Fachkraft Lagerlogistik (24), Hotelkaufmann (24), Pflegefachmann (22), Gebäudetechnik (21), Altenpflegehelfer (20), Maurer (20) und Tiefbaufacharbeiter (20). Ein Verzeichnis aller freien Lehrstellen gibt in der Online-Stellenbörse der Arbeitsagentur Fulda-Hersfeld unter www.arbeitsagentur.de/vor-ort/bad-hersfeld-fulda/ausbildung

Die IHK Fulda meldet aktuell 450 abgeschlossene Ausbildungsverträge. Vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 560 und vor zwei Jahren sogar 760 Verträge, berichtet Hauptgeschäftsführer Michael Konow. „Das Angebot an Ausbildungsplätzen liegt deutlich über der Nachfrage. Für die Ausbildungsbetriebe ist es eine immer größere Herausforderung, die angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen.“

Oft fehle es den jungen Menschen in diesem Jahr an Informationen. „Die digitale Bildungsmesse war ein erster Schritt, dem entgegenzuwirken“, sagt Konow. „Dennoch sind wir zuversichtlich, dass die Unternehmen in diesem Jahr wieder die Zahl der Ausbildungsverträge des Vorjahres (970) erreichen werden.“

Video: Die Pandemie zerstört die Zukunftsträume von Jugendlichen

Optimistisch ist auch die Kreishandwerkerschaft Fulda. „Wichtig ist die Botschaft: Das Handwerk bildet weiter aus. Einen Rückgang an Lehrstellen gibt es nur in den Bereichen, die stark von den Corona-Schließungen betroffen waren, wie die Gastronomie und das Friseurhandwerk“, sagt Geschäftsführerin Gabriele Leipold. „In einigen Berufen wird dafür mehr ausgebildet als früher, etwa bei Malern sowie den Anlage- und den Karrosseriebauern.“

Leipold hofft, das das Handwerk mit einem Minus von drei bis fünf Prozent bei den Ausbildungsverträgen mit einem blauen Augen davon kommt. 2020 lag das Minus bei zehn Prozent. „Das Handwerk ist insgesamt relativ gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Jetzt wollen wir bei der Ausbildung kräftig Gas geben“, sagt Leipold.

Verbände und Unternehmen wollen in der „Woche der Ausbildung“ Ende Juni besonders intensiv um Azubis werben. Das Handwerk plant Werkstatttage. Betriebe und Bewerber haben noch Zeit, denn eine Ausbildung kann man auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart 1. August beginnen – bis weit in den Herbst hinein.

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