Trotz der steigenden Corona-Inzidenzen hält die Kultusministerkonferenz an den Abiturprüfungen 2021 fest.
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Wie hier 2020 in Baden-Württemberg werden auch die diesjährigen Abiturienten in großen Räumen und mit viel Abstand ihre Abiturprüfungen schreiben. Falls sie darauf verzichten, vorab einen Corona-Test zu machen, müssen sie Mund-Nasen-Schutz tragen.

Einschränkungen durch Corona

Abiturienten aus Kreis Fulda: Keine Abschlussfahrten, kaum soziale Kontakte und eine ungewisse Zukunft

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Abiturienten stehen am Ende ihrer Schulzeit und am Anfang eines neuen Lebensabschnittes. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch die Stimmung ist gemischt. Drei junge Menschen erzählen vom letzten Schuljahr ihres Lebens, das ganz im Zeichen von Corona stand. 

Kreis Fulda - Keine Abschlussfahrt. Keine Stufenparty. Und sehr wahrscheinlich auch kein Abiball: Der Abitur-Jahrgang 2021 übt sich in Verzicht. Hinter den Abiturienten im Kreis Fulda liegt ein ganzes Schuljahr unter Corona-Bedingungen. Auch die Prüfungen, die kommende Woche beginnen, sind mit Einschränkungen verbunden – und wurden kürzlich sogar infrage gestellt.

Die Bildungsgewerkschaft GEW schlug vor, die Abiturprüfungen abzusagen. Davon halten die Schülerinnen und Schüler nicht viel. Hannah Pütter (Domgymnasium), Kevin Fischer (Steinschule) und Immanuel Quarch (Winfriedschule) sind von der Aussicht auf einen Abschluss ohne Prüfungen gar nicht begeistert.

„Wir hätten dann kein richtiges Abi“, findet die 18-jährige Hannah Pütter. Sie befürchtet für ihren Jahrgang Nachteile. Die Chancen bei Arbeitgebern würden im Vergleich zu Mitbewerbern mit „normalem Abi“ schlechter stehen. Auch wenn die Infektionslage kritischer wird, ist die Stufensprecherin überzeugt: „Es ist machbar, dass wir unser Abi ganz normal schreiben – wenn auch unter Corona-Bedingungen. Viele lernen schon seit den Winterferien, soll das umsonst gewesen sein? Ein solcher Vorschlag so kurz vorher ist kein schönes Gefühl. Das Abi ist ein wichtiger Schritt, da braucht man Verbindlichkeit.“

Abi in Corona-Zeiten: Stufensprecher aus Kreis Fulda berichten über Einschränkungen 

Dieser Meinung ist auch das hessische Kultusministerium, das den GEW-Vorschlag prompt zurückgewiesen hat: Die Jugendlichen wären ohne Prüfungen „für immer diejenigen, die das Corona-Notabitur gemacht hätten“, was von Nachteil für sie wäre, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

Nichtsdestotrotz wird es Corona-Bedingungen geben: Prüflinge müssen sogar einen Mund-Nasen-Schutz tragen, es sei denn, sie machen vorab einen Corona-Schnelltest. Außerdem werden Tische weit auseinanderstehen, es wird regelmäßig gelüftet und Aufsichtspersonen werden nicht nur darauf achten, dass niemand schummelt, sondern auch, dass die Corona-Regeln eingehalten werden.

Dass die Abiturienten mit Einschränkungen leben müssen, hat sie das zu Ende gehende Schuljahr gelehrt. Corona hat nicht nur Auswirkungen auf ihre Prüfungen. Vieles, was eigentlich zum Abitur dazugehört, fiel der Pandemie zum Opfer. Normalerweise wächst der Abschlussjahrgang im letzten Schuljahr eng zusammen – vor allem auch durch die Abschlussfahrten im Herbst. Doch das Kultusministerium machte die Planungen früh zunichte und sagte alle Klassenfahrten ab. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Soziale Kontakte fehlen - Abiturienten berichten über Schuljahr in Corona-Pandemie

„Das war ein Einschnitt“, blickt Hannah Pütter zurück. Die Enttäuschung sei groß gewesen. „Das ist nichts, was man auf nächstes Jahr verschieben könnte. Dann sind wir alle in ganz Deutschland oder sogar darüber hinaus verstreut.“ Immanuel Quarch betont:„Dass die Abschlussfahrt ausgefallen ist, hat mir am meisten wehgetan.“ Für ihn wäre es nach Südfrankreich gegangen.

Ihm fehlten im letzten Schuljahr die sozialen Kontakte sehr: „Man verfällt schnell in Einsamkeit, wenn man im Home-Schooling allein vorm Rechner hängt.“

Prüfungen

Das Abitur 2021 in Hessen startet wegen der Corona-Pandemie erstmals nach den Osterferien. Normalerweise werden die schriftlichen Prüfungen vor den Ferien abgelegt, ehe sich die Schüler danach auf das mündliche Abitur vorbereiten. Am Mittwoch, 21. April, beginnen die Prüfungen im Fach Chemie, Donnerstag folgen Leistungskurse in mehreren Fächern von Politik und Wirtschaft bis hin zu Sport, Freitag folgen die Englischprüfungen. / lwe

Dass gemeinsame Aktivitäten mit dem Abi-Jahrgang ausfielen, „das schmerzt“, sagt Hannah Pütter. „Auch wenn wir uns im Präsenzunterricht dann wieder gesehen haben: Es gab trotzdem eine Distanz – wegen der Masken und des Abstands. Das ist schade, denn Schule ist nicht nur Lernen und Unterricht, sie bedeutet auch Freundschaften, Unternehmungen und Gespräche: Dafür war im letzten Jahr nicht viel Platz.“

Zwischen Präsenz- und Distanzunterricht: Wie Abiturienten im Kreis Fulda das letzte Schuljahr erlebten

Viele hätten auch darunter gelitten, dass es ständig Unsicherheiten gab: „Ob wir nun Präsenz- oder Distanzunterricht haben, wurde teilweise extrem kurzfristig entschieden. Davon waren viele genervt“, weiß Immanuel Quarch. (Lesen Sie hier: Corona in Fulda: Schüler bleiben im Homeschooling)

„Das alles prägt uns. Wir sind dadurch aber auch reifer geworden“, findet Hannah Pütter. Außerdem hätten viele ein großes Interesse an Politik entwickelt. „Viele Pausengespräche waren politisch, das war vor zwei Jahren noch ganz anders.“ Kevin Fischer betont: „Wir sind selbstständiger geworden. Im Home-Schooling mussten wir sehr diszipliniert und gut organisiert sein.“

Der Stufensprecher von der Steinschule ist froh, dass immerhin eine Abizeitung entstanden ist und dass eine Mottowoche – in der die Schüler verkleidet in die Schule kommen – stattfinden konnte: „Aber normalerweise hätten wir auf dem Pausenhof getanzt oder verschiedene Klassen besucht. Das fiel aus, die Stimmung war eher trist.“

Video: Abiturprüfungen starten zum zweiten Mal in Corona-Zeiten

Doch eine Hoffnung gibt es noch: der Abiball im Juli. Dieser fällt normalerweise groß aus: mit schicken Kleidern und Hunderten Gästen. Dass ein Ball in dieser Form nicht stattfinden wird, damit rechnen die Abiturienten. „Aber wir haben bereits Plan A, B, C und D in der Tasche“, sagt Hannah Pütter. „Vielleicht ist etwas unter freiem Himmel möglich und in kleinem Kreis.“

Auch Immanuel Quarch sagt: „Ich bleibe optimistisch. Ich will nicht in Selbstmitleid versinken.“ Er hofft, dass im Sommer mehr möglich ist – dass das Abi wenigstens ein bisschen gefeiert werden kann.

Wichtig ist für die jungen Menschen auch, was nach dem Abitur kommt: „Die Ungewissheit ist schlimm. Wenn man in die Zukunft schauen könnte und eine Perspektive hätte, würde es einem besser gehen“, sagt Hannah Pütter. Sie möchte vor ihrem Lehramtstudium Europa bereisen. Pläne macht sie noch nicht, sagt sie. Die 18-Jährige wartet ab. Und hofft.

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