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Warum die Abitur-Prüflinge aus der Region Fulda viel Positives aus zwei Corona-Jahren mitnehmen

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Von: Sophie Brosch

Die Abitur-Prüflinge aus der Region Fulda nehmen überraschend viel Positives aus zwei Corona-Jahren mit. Das Bild zeigt einen Schüler bei der Deutsch-Abiturprüfung in Ravensburg (Symbolfoto).
Die Abitur-Prüflinge aus der Region Fulda nehmen überraschend viel Positives aus zwei Corona-Jahren mit. Das Bild zeigt einen Schüler bei der Deutsch-Abiturprüfung in Ravensburg (Symbolfoto). © Felix Kästle/dpa

Erst sind sie zu Hause unterrichtet worden, dann saßen sie stundenlang mit FFP2-Maske im Unterricht. Pünktlich zum Abitur wurden die Corona-Regeln nun gelockert und ließen die diesjährigen Prüflinge in der Region Fulda aufatmen. Doch hat die Abiturvorbereitung gelitten?

Fulda - Die Woche vor den Osterferien markiert für die diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten das Ende ihrer Schulzeit. Denn nach den Ferien kommen sie nur noch zu ihren Abschlussprüfungen in die Schule – und natürlich zu den anschließenden Feierlichkeiten, die in diesem Jahr voraussichtlich wieder wie gewohnt stattfinden können.

Das Kultusministerium in Hessen hatte den Prüfungsstoff aufgrund der durch die Corona-Pandemie erschwerten Lernbedingungen bereits im Voraus reduziert. Dennoch bleibt die Frage, wie gut Home-Schooling und zeitweise eingeschränkter Unterricht die Schülerinnen und Schüler in der Region Fulda auf das Abitur vorbereiten konnten.

Corona in Fulda: Warum die Abitur-Prüflinge überraschend viel Positives mitnehmen

„Schule und Lehrkräfte haben sich sehr bemüht, uns trotz Corona gut auf die Prüfungen vorzubereiten“, erzählt Maja Schäckel. Die 19-Jährige besucht die Wigbertschule in Hünfeld. „Während des Lockdowns im zweiten Halbjahr der Oberstufe haben regelmäßige Video-Konferenzen den Austausch zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern ermöglicht.“

Für die 19-Jährige habe das Home-Schooling einen höheren Arbeitsaufwand bedeutet, da es für die Lehrerinnen und Lehrer aus der Ferne schwer gewesen sei, die Aufgabenlast ihrer Schützlinge einzuschätzen. „Die meisten Lehrer haben die Aufgaben aber reduziert, wenn wir ihnen mitgeteilt haben, dass es zu viel ist“, erzählt Maja.

Das bestätigt auch ihr Mitschüler Benedikt Grimm. Der 19-Jährige war selbst ein Mal in Quarantäne und musste von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen. „Die Video-Konferenzen haben gut funktioniert. Man wurde in den Unterricht einbezogen und konnte sich beteiligen.“ Selbst den Versuchen im Physik-Leistungskurs habe er über Video gut folgen können.

Jonas Ritz, der sein Abitur am Domgymnasium in Fulda macht, war in seiner Oberstufenzeit insgesamt drei Mal in Quarantäne. Mit dem Home-Schooling sei der Schüler aus Flieden sehr gut zurechtgekommen. „Wir haben Fristen gesetzt bekommen, innerhalb derer wir eigenständig arbeiten konnten.“ (lesen Sie auch hier: Voll im Durchschnitt? Alter, Einkommen, Abitur und Co. - So schneiden die Fuldaer ab).

Jonas Ritz (von links), Maja Schäckel und Benedikt Grimm finden, dass sie in ihrem Abiturjahrgang 2022 auf Abstand zusammengerückt sind.
Jonas Ritz (von links), Maja Schäckel und Benedikt Grimm finden, dass sie in ihrem Abiturjahrgang 2022 auf Abstand zusammengerückt sind. © privat

Der 18-Jährige fühle sich trotz Pandemiebedingungen gut auf das Abitur vorbereitet – nicht zuletzt dank des Engagements einzelner Lehrkräfte. „Im Biologie-Leistungskurs haben wir den Stoff aus dem Home-Schooling später in Präsenz wiederholt. Unsere Lehrerin hat sogar Themen behandelt, die über die Abituranforderungen hinausgehen, um uns auf ein mögliches Studium vorzubereiten.“

Und auch sein Sportlehrer habe an den Wochenenden vor den praktischen Prüfungen zusätzliche Trainingstage angeboten. „An den Wochenenden konnten wir uns viel Zeit für die Sportarten nehmen und verschiedene Techniken ausprobieren. Das hat auch den Zusammenhalt im Leistungskurs gestärkt“, erzählt Jonas (lesen Sie auch hier: Corona-Lockerungen im Unterricht stoßen auf Kritik: Viele behalten die Maske auf).

Die Vorbereitung auf die Abiturprüfungen lief also den Umständen entsprechend gut. Aber wie steht es um die besonders schönen Seiten der Oberstufenzeit – Abschlussfahrten, Abiturfeiern und das Gemeinschaftsgefühl? „Ziemlich lange war unsicher, ob unsere Abschlussfahrt stattfinden kann“, erzählt Maja. Ursprünglich sollte es für die Wigbertschülerin nach Bibione in Italien gehen.

Am Ende reisten sie und ihr Mitschüler Benedikt mit ihren Kursen nach Hamburg. „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir überhaupt wegfahren konnten. Unsere Lehrer haben sich viele Gedanken gemacht und ein tolles Programm geplant“, sagt Benedikt. Er habe viele seiner Mitschülerinnen und Mitschüler erst auf der Kursfahrt richtig kennengelernt.

Die Abitur-Prüfungen 2022 - und Corona

In Hessen finden die schriftlichen Abiturprüfungen 2022 vom 27. April bis 11. Mai, die Nachprüfungen vom 23. Mai bis 9. Juni statt. Jede Schülerin und jeder Schüler legt beim hessischen Landesabitur drei schriftliche Prüfungen ab. Am Mittwoch, 27. April, beginnen die schriftlichen Prüfungen der Grund- und Leistungskurse mit dem Fach Deutsch. Den Abschluss bildet das Fach Chemie am 11. Mai.

Das Hessische Kultusministerium empfiehlt den Prüflingen, einen negativen Coronatest-Nachweis zur Prüfung mitzubringen – dies sei aber kein Muss. Laut Marion VanCuylenburg, Leiterin des Staatlichen Schulamts im Landkreis Fulda, ist das Tragen von Masken bei den schriftlichen Abiturprüfungen wie auch im Unterricht freiwillig. 

Das Land Hessen gewähre den Abiturientinnen und Abiturienten in den schriftlichen Prüfungen eine längere Bearbeitungszeit, als in den Abiturerlassen vorgegeben. Regulär betrage die Bearbeitungszeit einer Klausur im Leistungskurs 300 Minuten, Grundkurse schrieben 255 Minuten. „Der zusätzlich gewährte Zeitrahmen umfasst für den Grundkurs 25 Minuten und für den Leistungskurs 30 Minuten“, teilt die Schulamtsleiterin mit.

„Unsere Abiparty musste leider ausfallen – die fehlenden Einnahmen machen sich jetzt beim Budget für den Abiball bemerkbar“, sagt Jonas. Er selbst war Teil des Komitees, das die für Anfang Dezember geplante Feier organisiert hatte. „Kurz vor der Party wurden die Auflagen, unter anderem die maximale Gästezahl, verschärft. Wir mussten deshalb absagen – die Kosten hätten sonst die Einnahmen überstiegen.“ 

Doch immerhin dürfen sich die Schülerin und beide Schüler aller Voraussicht nach auf ihre Abibälle freuen. An beiden Schulen laufen die Planungen neben der Prüfungsvorbereitung auf Hochtouren. Die Bälle sollen Anfang Juli stattfinden – mit wie vielen Gästen sei noch unklar. Die Abiturientinnen und Abiturienten sind jedoch zuversichtlich, dass die Pandemie-Situation im Sommer entspannter sein wird. 

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Hatte die Pandemie am Ende der Schulzeit auch etwas Gutes? Benedikt Grimm findet schon: „Für uns Schüler hatte es den Vorteil, früh den Umgang mit Computer-Programmen und Online-Konferenzen zu lernen. Außerdem hat es die Selbstdisziplin gefördert – die braucht man auch im Studium.“ Der 19-Jährige möchte nach seinem Abitur dual Maschinenbau studieren. 

„Vielleicht haben uns gerade Corona und die damit verbundenen Herausforderungen als Jahrgangsstufe zusammengeschweißt“, sagt Maja Schäckel. Persönlich nehme sie aus der ständigen Unsicherheit während der Pandemie außerdem mit, „die Dinge gelassener anzugehen und sich weniger Sorgen zu machen“.

Die Schülerin aus Hünfeld möchte Medizin studieren – am liebsten nicht zu weit von ihrer Heimat entfernt. „Wir haben das gut gemeistert“, findet auch Jonas Ritz, der die Oberstufenzeit trotz Pandemie genossen hat. Er möchte ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, um sich nach dem Abitur zu orientieren und Einblicke in die Praxis zu erhalten. 

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