Peter Kinold (links) ist Messeveranstalter. Die Trend-Messe sollte im März 2020 im Zelt auf Fulda-Galerie stattfinden, fiel aber der Corona-Krise zum Opfer.
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Peter Kinold ist Messeveranstalter. Wegen der Corona-Krise musste er Insolvenz anmelden.

Wegen Corona-Krise

trend-messe in Fulda hätte nicht abgesagt werden müssen: Aussteller können Standmiete zurückverlangen

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Es war in Osthessen die erste große Absage wegen der Corona-Pandemie: Vor einem Jahr wurde die trend-messe gestrichen. Jetzt macht ein Gericht den Ausstellern Hoffnung: Sie könnten einen Teil der Standmieten wiederbekommen.

Fulda/Kempten - Die Hallen standen schon, die meisten Stände waren aufgebaut, doch knapp drei Tage vor der Eröffnung zog Messe-Organisator Peter Kinold die Reißleine. In Abstimmung mit dem Kreisgesundheitsamt sagte er die Messe ab. Kurz zuvor hatte der Landkreis Fulda mitgeteilt, dass es zwei bestätigte Corona-Fälle im Kreis gab - Reiserückkehrer aus dem Skiurlaub hatten das Virus mitgebracht.

Für den Messeveranstalter Kinold-Messe und die rund 300 Aussteller bedeutete die Absage einen finanziellen Tiefschlag. Kinold hatte bereits 90 Prozent seiner Ausgaben getätigt - aber die Eintrittsgelder fielen komplett weg. Staatliche Hilfen bekam er nicht. Wenig später meldete Kinold-Messe Insolvenz an.

Fulda: Absage der trend-messe war nicht nötig - Entschädigung für Aussteller?

Die Aussteller hatten drei Tage vor Messebeginn schon einen Großteil ihrer Standmieten gezahlt. Allein die Firma Grillfürst hatte bereits 39.270 Euro überwiesen - zwei Drittel des vereinbarten Gesamtpreises. Diese Mieten waren erst einmal weg - die Messe war abgesagt, der Veranstalter insolvent.

Grillfürst-Geschäftsführer Joachim Weber versuchte nun, wenigstens einen Teil der von ihm gezahlten Standmieten von Insolvenzverwalter Dr. Matthäus Rösch zurückzubekommen. Rösch hat die Aufgabe, die Insolvenzmasse, also das vorhandene Rest-Vermögen der Firma Kinold, unter den Gläubigern zu verteilen. Doch der Insolvenzverwalter lehnte Webers Forderung ab: Weber habe keinen Anspruch auf die Erstattung, da Kinold die Messe nicht eigenständig abgesagt habe. Vielmehr hätten Behörden die Durchführung untersagt.

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Kinold hatte den Ausstellern bei der Absage der Messe per Mail erläutert, diese könne in Abstimmung mit dem Landrat und dem Kreisgesundheitsamt nicht stattfinden. Die Durchführung sei weder aus gesundheitlicher noch wirtschaftlicher Sicht zu verantworten. Für den Insolvenzverwalter ist das ein Fall höherer Gewalt - in diesem Fall musste die Messegesellschaft keine Anzahlungen für Mieten zurückzahlen. Der Landkreis habe die Untersagung nicht angeordnet, aber doch dringend empfohlen, argumentierte der Insolvenzverwalter. Zudem habe der Bundesgesundheitsminister einen Tag vor der Absage „dringend empfohlen“, keine Veranstaltung mit über 1000 Personen durchzuführen.

Das Amtsgericht wies diese Argumente zurück. „Die Durchführung der Messe war möglich“, entschied die Richterin. Die Messegesellschaft habe ja bis wenige Stunden vor der Absage die Durchführung der Messe mit verschiedenen Hygienemaßnahmen detailliert geplant.

Bundestag stelle erst zwei Wochen nach dem Messetermin eine Epidemie fest

Eine Epidemie sei zwar im Grundsatz ein Fall höherer Gewalt. Doch dass eine Epidemie vorliegt, habe der Bundestag erst Ende März festgestellt - also zwei Wochen nach dem Messetermin. Es habe kein behördliches Verbot der Messe gegeben. Die Empfehlungen des Bundesgesundheitsministers und des Landkreises Fulda hätten vor Gericht keine Bedeutung. „Bloße Empfehlungen von Behörden sind rechtlich nicht bindend“, erklärte das Amtsgericht.

Inzwischen steht fest: Der Fall der Entschädigungen für die Aussteller der abgesagten trend-messe geht in die nächste Instanz. Der Insolvenzverwalter der Firma Kinold wird das Urteil anfechten.

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