Pflegeheim
+
Betreiber von Altenheimen in Osthessen sind für eine Impfpflicht in der Pflege. Das ergab eine Umfrage der Fuldaer Zeitung. (Symbolfoto)

Landrat betont Verantwortung

Impfpflicht für Pflegekräfte? Das sagen die Betreiber von Altenheimen im Kreis Fulda

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
    schließen

Die Corona-Zahlen steigen. Besonders gefährdet sind – selbst nach einer Impfung – Alte und Kranke. Die Politik diskutiert deshalb über eine Impfpflicht in Pflegeberufen. Auch Betreiber von Altenheimen in Osthessen sind dafür.

Kreis Fulda - Ob in Deutschland eine allgemeine Impfpflicht für jedermann kommt, ist offen. Doch für bestimmte Berufsgruppen dürfte diese Pflicht kommen. Die Bundesländer hatten den Bund bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag gebeten, in Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen eine Impfpflicht für alle Mitarbeiter einzuführen, die Kontakt zu besonders gefährdeten Personen haben.

FDP-Chef Christian Lindner – lange Gegner der Impfpflicht – ist sicher, dass die Pflicht für Pflegekräfte beschlossen wird. „Inzwischen haben sich Bund und Länder für eine einrichtungsbezogene Impfpflicht ausgesprochen. Sie wird deshalb kommen“, sagte Lindner der „Süddeutschen Zeitung“. (Lesen Sie auch: „Absolution für Geimpfte ist ein Fehler“: Klinikum-Arzt Reinald Repp im Interview)

Corona in Fulda: Betreiber von Altenheimen sind für Impfpflicht

Unter den Beschäftigten der Altenheime im Landkreis Fulda ist der Anteil der Geimpften deutlich höher als unter der Gesamtbevölkerung. Dennoch sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gegen Corona geimpft.

In den stationären Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt arbeiten rund 330 Beschäftigte. „Davon sind rund 87 Prozent vollständig geimpft“, berichtet Kristina Bloem von der AWO. Der Wohlfahrtsverband befürwortet die Impfpflicht: „Die AWO Nordessen hält eine berufsspezifische Impfpflicht für Pflegekräfte für angebracht. Dabei muss geprüft werden, ob diese Impfpflicht auf alle Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen ausgedehnt werden muss“ sagt Bloem.

In den beiden Senioren-Pflegeeinrichtungen der Caritas im Kreis sind mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter geimpft, berichtet Sprecher Dr. Christan Scharf. „In Bezug auf die Impfpflicht für Pflegekräfte und Mitarbeitende der Senioreneinrichtungen vertreten unser Ressort Altenhilfe und die Verbandsspitze in Abstimmung mit dem Deutschen Caritasverband und der Liga Hessen die Auffassung des Deutschen Ethikrates, dass eine Impfpflicht für Mitarbeitende in den Bereichen, in denen besonders vulnerable Menschen versorgt werden, sinnvoll und richtig ist“, sagt Scharf.

Allerdings plädiere die Caritas auch dafür, dass eine eventuell kommende Impfpflicht nicht nur im medizinisch-gesundheitlichen Bereich gelte, sondern auch für Berufsgruppen wie Lehrer und Erzieher wirke, die gleichfalls viele Kontakte zu gefährdeten Menschen haben: Viele Kinder genössen noch gar keinen Impfschutz.

Als Trägerverband von Pflegeeinrichtungen sehe die Caritas aber auch mit Sorge auf die „Nebenwirkung“ einer Impfpflicht-Einführung, dass nämlich einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als ungeimpft dann womöglich nicht mehr an ihren Arbeitsplätzen eingesetzt werden können. „Wir gehen aber davon aus, dass die Politik diese Problematik im Blick hat und dann genau vorgeben wird, wie mit Impfverweigerern rechtlich umzugehen und das weitere Funktionieren der betroffenen Arbeitsfelder sicherzustellen ist“, sagt Scharf für die Fuldaer Caritas.

Impfpflicht in Pflegeberufen: Landrat sieht „besondere Verantwortung“

Beim Roten Kreuz in Fulda nennt Markus Otto, Geschäftsbereichsleiter Senioren, keine konkreten Zahlen: „Das DRK Fulda beschäftigt im Seniorenbereich mit stationären und ambulanten Angeboten rund 600 Personen. Diese sind zu einem hohen Anteil mindestens zweifach geimpft“, sagt Otto. Erstimpfungen würden nachgefragt und durchgeführt. Das erhöhe die Sicherheit für Bewohner, Klienten und Mitarbeiter. „Zu politischen Entscheidungen in Sachen Impflicht können wir keine Stellung beziehen“, äußert Otto. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Gegen Impfpflicht

Die Gewerkschaft Verdi lehnt diese Impfpflicht ab. „Wenn jetzt über eine Impfpflicht nachgedacht wird, führt das nicht dazu, dass signifikant mehr Menschen geimpft werden, sondern dass noch mehr Betroffene ihren Beruf verlassen. Das verschärft den Personalmangel in allen betroffenen Bereichen“, sagt Verdi-Chef Frank Werneke. Zudem werde die Politik unglaubwürdig, weil sie eine Impfpflicht ausgeschlossen habe.

Der Vorstand der Stiftung für Patientenschutz, Eugen Brysch, findet eine tägliche Testpflicht für Mitarbeiter im Pflegebereich sinnvoller als eine Impfpflicht.

Bei Mediana berichtet Sprecher Mario Prüfer von einer „sehr hohen Impfquote“ unter den Beschäftigten. „Das Angebot der dritten Impfung nehmen fast alle Mitarbeitenden in Anspruch, nur sehr wenige sind noch unschlüssig.“ In der Frage einer möglichen Impfpflicht warte die Gruppe auf die Beschlüsse in Berlin, sagt Prüfer: „Da wir ohnehin für alle Mitarbeiter ein Impfangebot bereitstellen, können wir für den Fall, dass eine gesetzliche Impfpflicht beschlossen werden sollte, deren Umsetzung jederzeit beginnen und auch kurzfristig abschließen.“

Video: Kommt die Impfpflicht auch in Deutschland? Länderchefs und Juristen dafür

Der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) spricht sich klar für eine Impfpflicht in Pflegeinrichtungen aus: „Natürlich ist es immer besser, sich aus eigenem Willen und eigener Überzeugung für eine Impfung zu entscheiden. Doch die eigene Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt“, sagt der Landrat.

„Wenn nun die Bereitschaft zum Impfschutz gerade im pflegerischen Bereichen gering sein sollte, dann halte ich es für unabdingbar, dass eine Regelung zur verpflichtenden Impfung arbeitsrechtlich oder gesetzlich auf den Weg gebracht wird. Alle, die unmittelbar mit vulnerablen Gruppen arbeiten, tragen eine besondere Verantwortung für jene, die ihnen als Patienten oder Pflegebedürftige anvertraut sind.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema