Bereits vor Beginn der Aktion um 12 Uhr standen die ersten Impfwilligen Schlange, um den Schutz gegen das Coronavirus zu erhalten.
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Bereits vor Beginn der Aktion um 12 Uhr standen die ersten Impfwilligen Schlange, um den Schutz gegen das Coronavirus zu erhalten.

Schlange stehen für den Piks

Ansturm bei Corona-Impfaktion in Wüstensachsen - 500 Dosen Impfstoff ohne Terminvergabe

  • VonAnja Hildmann
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500 Einzeldosen des Corona-Impfstoffs Biontech Pfizer standen kürzlich in der Hausarztpraxis in Ehrenberg für eine besondere Aktion bereit. Impfwillige konnten sich ohne Voranmeldung gegen das Virus impfen lassen.

Wüstensachsen - Es ist 11.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn der Impfaktion. Schon auf dem Weg zur Hausarztpraxis in Ehrenberg-Wüstensachsen wird der Eindruck vermittelt: Hier ist was los. Links und rechts reihen sich die Fahrzeuge entlang des Dorfwiesenwegs. Die Impfaktion findet im ländlichen Raum statt. Das Interesse ist dennoch groß: Vor der Praxis stehen etwa 60 Menschen an, um sich den Piks gegen das Coronavirus zu sichern – sowohl aus der Gemeinde Ehrenberg als auch aus dem gesamten Landkreis Fulda. Einzelne Patienten, die vor 12 Uhr noch einen Termin für eine Sprechstunde haben, bemühen sich, an den Impfwilligen vorbei und in die Praxis zu kommen.

Hier laufen die letzten Vorbereitungen: Dokumente werden ausgelegt, die vier Zimmer werden vorbereitet und das Team der Praxis verschafft sich mithilfe der Überwachungskamera einen Überblick über die Menschenmenge, die sich bereits vor der Praxis eingefunden hat.

Ansturm bei Corona-Impfaktion in Wüstensachsen - 500 Impfdosen für Hausarztpraxis ohne Terminvergabe

„Mir war schon vorher klar, dass viel los sein wird“, sagt Thomas Reith aus Fulda. Dass es sich um Biontech handelt, sei mit ein Grund gewesen, weshalb er sich auf den Weg ins Ulstertal begeben habe. Schon vorher habe er Interesse an einer Impfung gehabt, sich aber zunächst zurückgehalten. „Ich wollte den Älteren den Vortritt lassen“, erklärt er. Nun sei er selbst an der Reihe, die nötigen Dokumente habe er schon ausgefüllt dabei. Da er bereits früh eingetroffen sei, mache er sich keine Sorgen, dass er leer ausgehen werde.

Weiter hinten in der Schlange, aber genauso sicher, dass er heute geimpft wird, ist Erich Vogel aus dem nahen Hiderser Ortsteil Brand. „Es sind ja jede Menge Impfdosen da“, sagt er entspannt. Er habe zwar schon einen Termin vom Impfzentrum erhalten, allerdings hätte es bis dahin noch länger gedauert. Deshalb habe er sich entschieden, das Angebot der Hausarztpraxis zu nutzen und den späteren Termin abzusagen. „Ich halte solche Aktionen für eine gute Taktik“, merkt er hinsichtlich der Strategie zur Bekämpfung des Virus an.

(Lesen Sie hier: Sonder-Impftermin in Schlüchtern sorgt für Riesenansturm)

Schlange stehen für den Piks - „Es gab sogar Anrufe aus dem Vogelsberg“

Ähnlich sehen es Dr. Wolfram Beres und Dr. Akos Kascala, die die besondere Aktion durchführten. „Die Impfungen mit Events zu verbinden ist ein guter Weg“, betont Beres. Er hält vor allem die Bequemlichkeit, die mit einer solchen Aktion einhergeht, für ausschlaggebend, um mehr Menschen zur Impfung gegen das Coronavirus zu bewegen. Die Bemühung um einen Termin falle hier schließlich weg. „Es gab sogar Anrufe aus dem Vogelsberg“, berichtet Beres im Bezug auf das große Interesse. Und auch Kascala ist froh darüber, dass so viele Menschen mit der Ankündigung erreicht worden seien, gerade weil die eigenen Patienten größtenteils schon durchgeimpft sind.

„An anderen Orten in Hessen gibt es keine Abnehmer“, erklärt Kascala. Zwei Wochen vor der Aktion sei angekündigt worden, dass die Praxis eine große Menge des Impfstoffs Biontech erhalten würde. Als Team habe man dann beschlossen, eine Impfaktion für alle Interessierten in die Wege zu leiten. Denn die Hausarztpraxis in Ehrenberg sei eine Corona-Schwerpunktpraxis und ein Großteil des Teams habe auch schon in Impfzentren Erfahrungen gesammelt, berichtet Beres. Deshalb glaubt er, dass bei Astrazeneca weniger Interesse bestünden hätte. „Biontech hat als Impfstoff derzeit den besten Ruf“, ergänzt er.

Am 2. August erhalten diejenigen, die sich ihre erste Dosis in Wüstensachsen gesichert haben, die zweite Impfung. Für den Impfstoff, der dafür benötigt werde, habe die Praxis bereits eine Zusage erhalten, sagt Beres. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um den Schutz der Bevölkerung vor dem Virus durchzubringen“, betont er abschließend.

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