Die Corona-Krise hat Folgen auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Fulda hinterlassen. Agentur für Arbeit
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Die Corona-Krise hat Folgen auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Fulda hinterlassen.

Jahresbilanz der Arbeitsagentur

Corona-Folgen: Arbeitslosigkeit wächst 2020 im Kreis Fulda um 27 Prozent - Jeder vierte Betrieb in Kurzarbeit

  • Volker Nies
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Die Corona-Maßnahmen und ihre wirtschaftlichen Folgen hinterlassen tiefe Spuren im osthessischen Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen stieg 2020 um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Zahl der Kurzarbeiter war so hoch wie nie.

Kreis Fulda - „Das vergangene Jahr war ein Stresstest für die gesamte Wirtschaft – auch die Arbeitnehmer. Der Kreis Fulda ist hart getroffen. Ein Zuwachs der Arbeitslosenzahl um 27,1 Prozent – das ist enorm“, sagte Waldemar Dombrowski, Chef der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda gestern bei der Vorstellung der regionalen Arbeitsmarktzahlen 2020. Die Zahl der Arbeitslosen wuchs im Jahresvergleich um 900 auf jetzt 4240. Die Arbeitslosenquote stieg von 2,7 auf 3,4 Prozent im Jahresmittel an. (Lesen Sie hier: Arbeitslosigkeit steigt im Dezember in Fulda leicht an)

Die wachsenden Arbeitslosenzahlen trafen alle Gruppen gleichmäßig: Männer und Frauen, Deutsche und Nicht-Deutsche, Alte und Junge – wobei der Gruppe der Arbeitnehmer unter 25 Jahren mit einem Zuwachs von 31 Prozent etwas stärker betroffen war, als die Gruppe der Beschäftigten über 55 Jahren mit einer Zunahme von 25,5 Prozent.

Corona in Fulda: Arbeitslosigkeit wächst 2020 um 27 Prozent

Wer 2020 im Landkreis Fulda seine Beschäftigung verlor, brauchte im Schnitt 137 Tage, bis er einen neuen Job fand. Das sind elf Tage mehr als Vorjahr, aber immer noch der niedrigste Wert in Hessen. Im Schnitt brauchte man in Hessen einen Monat länger, um wieder in Arbeit zu kommen.

Die Rückkehr in Arbeit ist auch deshalb schwieriger geworden, weil die Unternehmen 40 Prozent weniger freie Stellen meldeten, als im Vorjahr. Besonders stark war der Rückgang in den Bereichen Baugewerbe (minus 65 Prozent), Verkehr und Lagerei (minus 59 Prozent) und Gastronomie (minus 51 Prozent). Der Bereich der Personaldienstleister ist im Landkreis Fulda traditionell stark. Allein hier ging die Zahl der neu gemeldeten freien Stellen gegenüber 2019 um 780 oder 42 Prozent zurück. Dennoch: Der Arbeitsmarkt hat funktioniert. Im Jahresdurchschnitt konnte die Agentur für Arbeit auf einen Bestand von 2000 freien Stellen zurückgreifen.

Wie sehr die Corona-Krise die Wirtschaft an Fulda und Haune erschüttert hat, zeigt vor allem die Zahl der Anträge auf Kurzarbeitergeld. Mehr als jeder zweite Betrieb im Landkreis – nämlich 3040 Firmen mit 50 800 Mitarbeitern – meldeten im Frühjahr bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit an. Tatsächlich genutzt wurde die Kurzarbeit von 1610 Unternehmen mit 20 300 Beschäftigten – das sind immerhin 28 Prozent aller Betriebe im Kreis. Das ist der Wert vom Höhepunkt des ersten Corona-Lockdowns im April. Zahlen für das ganze Jahr 2020 liegen noch nicht vor.

Corona-Folgen im Kreis Fulda: Jeder vierte Betrieb war 2020 in Kurzarbeit

„Die Kurzarbeit hat die regionale Wirtschaft stabilisiert. Die im Landkreis Fulda von der Agentur bezahlte Kurzarbeit entspricht 7500 Vollzeitstellen. Ohne den erleichterten Zugang zur Kurzarbeit hätte es sicher mehr Arbeitslose gegeben, und es hätte sich vielleicht eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang gesetzt“, erklärte der Leiter der osthessischen Agentur in seiner Online-Pressekonferenz.

Die Konjunktur habe sich im vergangenen Jahr schon vor der Corona-Krise eingetrübt. Das hätten insbesondere die Auto-Zulieferer zu spüren bekommen. Bei ihnen ging der Absatz schon Ende 2018/Anfang 2019 herunter.

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Ein starker Zuwachs bei den Arbeitslosen, eine Rekordzahl bei den Empfängern von Kurzarbeitergeld – das war auch für die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit ein Stresstest. Sie hatten zum Teil 400 Anrufe am Tag. Bis zu einem Fünftel der Agenturmitarbeiter wurden in anderen Bereichen eingesetzt, damit das Kurzarbeitergeld schnell ausgezahlt werden konnte.

Und wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt in diesem Jahr? Da mochte Dombrowski keine Prognose abgeben. „Die weitere Entwicklung wird stark vom Pandemieverlauf und den damit einhergehenden Regelungen abhängen.“ Wenn die Läden und Lokale wieder öffnen, werde es vermutlich einen hohen Nachholbedarf geben – etwa in den Bereichen Reisen und Gastronomie. „Es wird dann aber auch Firmen geben, die am Ende ihrer finanziellen Mittel angekommen sind.“

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