Trotz der Corona-Pandemie gibt es im Kreis Fulda deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. (Symbolfoto)
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Trotz der Corona-Pandemie gibt es im Kreis Fulda deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. (Symbolfoto)

Digitale Bildungsmesse

Ausbildung in Fulda: Trotz Corona gibt es deutlich mehr freie Stellen als Bewerber

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Corona stellt junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, seit mehr als einem Jahr vor erhebliche Hürden. Dennoch gibt es eine klare Tendenz auf dem Stellenmarkt im Kreis Fulda: Es fehlen Bewerberinnen und Bewerber.

Fulda - Diese klare Botschaft vermittelten die Netzwerkpartner auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Fulda im Anschluss an eine Videokonferenz. Teilnehmer waren die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft, das Staatliche Schulamt sowie das Kreisjobcenter.

Wie die Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda in einer Pressemeldung mitteilt, liege die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen mit 1789 zwar unter dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig seien aber nur 724 Jugendliche an einer Lehrstelle interessiert, auch das sind 33 Prozent weniger als noch im vergangenen Jahr. Auf 247 Lehrstellen kommen in der Region Fulda demnach rechnerisch nur 100 Bewerber. Auf ganz Hessen bezogen liege dieses Verhältnis bei etwa 1:1.

Arbeitsmarkt in Fulda: Trotz Corona deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber

„Der deutliche Bewerberrückgang ist zwar zum Teil dem Rückgang bei den Schulentlassenen geschuldet, doch auch fehlende Berufsorientierungsveranstaltungen in den Schulen sowie ausgefallene Ausbildungsmessen und -börsen spielen eine große Rolle. Hinzu kommen nicht realisierte Betriebspraktika, die normalerweise einen wichtigen Baustein im Berufswahlprozess der Jugendlichen darstellen“, erklärte Waldemar Dombrowski, Leiter der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda.

Wie die Agentur für Arbeit mitteilt, zeichne sich ab, dass aufgrund der Unsicherheiten und Reibungsverluste durch die Corona-Krise deutlich mehr Jugendliche zunächst auf eine weiterführende Schule wechseln, obwohl sie perspektivisch eine Berufsausbildung anstreben. Bereits 2020 habe es im Agenturbezirk einen Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 9,6 Prozent (minus 270) im Vergleich zum Vorjahr gegeben. (Lesen Sie hier: Ausbildung in der Corona-Pandemie - IHK Fulda und Hanau geben Einblicke in die aktuelle Situation)

Dennoch: In allen Bereichen übersteigt die Zahl der Ausbildungsstellen die der Bewerber - teilweise um ein Mehrfaches. Gesucht werden laut Arbeitsagentur unter anderem Auszubildende in kaufmännischen Berufen, Augenoptiker, Einzelhandelskaufleute sowie Pflegefachleute. Daneben Mechatroniker und Auszubildende im Hoch- oder Tiefbau. Ferner stehen zahlreiche Duale Studiengänge zur Auswahl.

Ausbildung in Fulda: Auch in Corona-Zeiten in allen Bereichen freie Stellen

Im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda hinkt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge laut Hauptgeschäftsführer Michael Konow um 28,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinterher. „Gründe hierfür sind die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten und die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Herausforderungen, mit denen sich unsere Ausbildungsbetriebe konfrontiert sehen“, erläutert Konow.

„Trotz allem bleibt das Thema Ausbildung für die regionale Wirtschaft wichtig. Dies verdeutlicht die hohe Zahl der Unternehmen, die an der virtuellen Bildungsmesse in Fulda am 23. und 24. April teilnehmen werden“, fügt der IHK-Hauptgeschäftsführer hinzu. Er hoffe, dass viele junge Leute die am 25. März gestartete digitale Plattform zur Berufsorientierung nutzen werden.

Video: Ausbildung im Lockdown - Wie Hotel-Lehrlinge um ihre Zukunft kämpfen

„Wir hoffen, dass sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung in unserer Region begeistern lassen. Die Aussichten, eine Lehrstelle im Wunschberuf zu finden, sind vielversprechend“, erklärt Teamleiterin Isabel Müller. „Ein weiterführender Schulbesuch scheint zwar vielen vermutlich momentan einfacher, ist aber nicht für jeden die beste Lösung.“

Auch Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda, wirbt für eine Berufsausbildung: „Die aktuelle Situation verdeutlicht, dass unser Hauptproblem nicht die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist, die auch während der Corona-Pandemie ein großes Angebot an Ausbildungsplätzen zur Verfügung stellen. Viele junge Menschen scheine aber immer noch nicht die beruflichen Chancen erkannt zu haben, die ihnen eine Ausbildung bieten kann. Daran müssen wir arbeiten.“

Wer sich für eine Ausbildungsstelle im Sommer interessiert, der sollte sich schnell mit der Berufsberatung in Verbindung setzen unter der Telefonnummer (0661) 17111 oder per E-Mail an fulda.berufsberatung@arbeitsagentur.de.

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