In Fulda droht laut Vize-Landrat Frederik Schmitt wieder eine Situation wie im Dezember, als eine Ausgangssperre galt.
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In Fulda droht laut Vize-Landrat Frederik Schmitt wieder eine Situation wie im Dezember, als eine Ausgangssperre galt.

Schmitt im Interview

Corona-Infektionen steigen: Kommt die Ausgangssperre im Landkreis Fulda? Das sagt der Gesundheitsdezernent

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
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Nächtliche Ausgangssperre und Alkoholverbot: Ab einem Inzidenzwert von 200 wird der Landkreis Fulda reagieren, erklärt Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt (CDU) im Interview. Was ohnehin folgt, ist die Sperrung der Parkplätze auf der Wasserkuppe.

Fulda - Im Landkreis Fulda bewegt sich die Corona-Inzidenz nahe der 200er-Marke - am Dienstag lag sie laut Robert Koch-Institut bei 191,4. Im Interview mit unserer Zeitung macht Vize-Landrat Frederik Schmitt (40) deutlich, welche Konsequenzen folgen könnten, wenn der Wert die 200er-Marke überschreitet. Die aktuellen Corona-Fallzahlen für den Landkreis Fulda finden Sie in unserem News-Ticker.

Eine Inzidenz von 200 ist im Landkreis Fulda nicht mehr weit weg. Droht jetzt wieder eine Ausgangssperre?
Überschreitet der Landkreis Fulda an drei Tagen in Folge die Inzidenz von 200, wird eine nächtliche Ausgangsbeschränkung erneut angeordnet werden. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist dann zwischen 21 Uhr und 5 Uhr nur ausnahmsweise gestattet. Zu den Ausnahmen zählen unter anderem berufliche oder dienstliche Tätigkeiten, die Betreuung und Begleitung von Personen, die der Unterstützung bedürfen sowie die Versorgung von Tieren.
Welche weiteren Maßnahmen auf Landkreis-Ebene wären ab einer Inzidenz von 200 denkbar?
Daneben wird der Landkreis Fulda über die Feiertage die Parkplätze auf der Wasserkuppe sperren, um größere Menschenansammlungen an touristischen Zielen zu verhindern. Gleichzeitig wird dem Eskalationskonzept folgend dringend empfohlen, Kinder nur bei dringender Betreuungsnotwendigkeit in die Kindertagesstätte zu schicken. In Kindertagesstätten sind im Landkreis in den letzten Wochen vermehrt Infektionsfälle aufgetreten, teilweise haben sich daraus Infektions-cluster ergeben. In Schulen ist dies bislang nicht der Fall. Zwar gibt es dort ebenfalls vermehrt einzelne Infektionsfälle, im Gegensatz zu den Kindergärten sind hier allerdings bislang keine Cluster erkennbar. 

Corona im Kreis Fulda: Infektionen steigen - Folgt die Ausgangssperre?

Welche Bilanz kann für die Maßnahmen, die im Dezember angesichts von Inzidenzwerten über 200 verhängt wurden (Ausgangssperre, Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen), gezogen werden?
Im Januar und Februar lag der Reproduktionsfaktor in Fulda beständig unter 1. Insofern konnte in dieser Zeit eine deutliche Senkung der Inzidenz auf den Wert von circa 50 im Landkreis erreicht werden. Dies war das Ergebnis von einer Vielzahl von Maßnahmen – unter anderem auch der Ausgangsbeschränkungen. Die Effizienz der Maßnahmen im Einzelnen ist nicht messbar. Dennoch bleibt insbesondere die Ausgansbeschränkung ein wichtiges Instrument, um auf die Beschränkung von Kontakten im privaten Bereich hinwirken zu können. (Lesen Sie hier: Anfang Februar wurde die Ausgangssperre im Landkreis Fulda aufgehoben)
Führen Sie die anhaltend hohe Inzidenz im Kreis, die weit über dem Landesschnitt liegt, auch auf die gestiegenen Test-Zahlen durch kostenlose Schnelltests zurück?
In der vergangenen Woche wurden insgesamt 9200 Schnelltest durchgeführt, von denen 76 positiv waren. Diese gehen nicht direkt in die Statistik ein. Erst wenn das positive Ergebnis durch einen ebenfalls positiven PCR-Test bestätigt wird, werden sie statistisch erfasst und haben Einfluss auf die Inzidenz. Gleichzeitig gab es in der vergangenen Woche 450 positive PCR-Tests.
Vor vier Wochen lag der Wochenwert noch bei 150 positiv PCR-Getesteten. Die Differenz von 300 Fällen kann deshalb nicht allein auf die Durchführung der Schnelltests zurückgeführt werden. Allerdings grenzt der Landkreis Fulda an drei Landkreise mit deutlich höherer Inzidenzwerten an: den Landkreis Hersfeld-Rotenburg mit circa 280, den Wartburgkreis mit circa 430 sowie den Landkreis Schmalkalden-Meinigen mit circa 350. Durch die Vielzahl von Berufspendlern aus diesen Landkreisen zu uns hat dies mit Sicherheit einen Einfluss auf das Pandemiegeschehen in unserem Landkreis. (Lesen Sie hier: Zahl der Corona-Schnelltestzentren im Landkreis Fulda steigt)

Video: Coronavirus: Die Straßen in Fulda sind wegen der Ausgangssperre leer

Die Landesregierung empfiehlt den Landkreisen im neuen Eskalationskonzept, bei allen Maßnahmen in die Gesamtabwägung über den Inzidenzwert hinaus auch die Reproduktionszahl R, die Quote der Positiv-Testungen, den Impfstatus der Bevölkerung, die Hospitalisierungsrate sowie die vorhandenen Testkapazitäten einzubeziehen. Deuten diese Daten im Kreis eher auf eine Verschärfung der Maßnahmen – oder lässt sich daraus ableiten, dass die Situation weniger dramatisch ist als der Inzidenzwert suggeriert?
Unsere Daten deuten alle auf eine deutliche Verschärfung der Situation hin. Lagen vor 14 Tagen noch 35 Personen im Zusammenhang mit Covid-19 in einem der drei Krankenhäuser im Landkreis, ist die Anzahl auf 66 Personen heute gestiegen. Dieser Trend ist bereits auch bei den Intensivbetten zu sehen. Am 17. März waren 8 Prozent der Intensivbetten in den drei Krankenhäusern von Covid-Patienten belegt, heute sind bereits 25 Prozent aller Intensivbetten durch Covid-Patienten belegt. Die Positivquote der PCR-Getesteten am Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung lag Anfang Februar bei 16 Prozent. Aktuell werden über 35 Prozent der Personen dort positiv getestet. Die wöchentliche Testanzahl hat sich im gleichen Zeitraum von 600 pro Woche auf mehr als 1000 pro Woche erhöht.
Ein wichtiger Befund ist, dass inzwischen fast ausschließlich die sogenannte britische Virusvariante B.1.1.7 nachgewiesen wird. Sie ist deutlich ansteckender als der Wildtyp. Der R-Wert schwankte im März zwischen 1 und 2, lag dabei aber stetig über 1. Das bedeutet, dass durchschnittlich eine infizierte Person mindestens eine weitere, zeitweise sogar bis zu zwei weiteren Personen ansteckte. Die Impfquote liegt mit aktuell 14 Prozent deutlich über dem Landesschnitt von circa 10 Prozent.

Welche Corona-Regeln an Ostern gelten, nachdem Kanzlerin Merkel die Osterruhe gekippt hat, erfahren Sie in unserer Übersicht.

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