Langjährige Aktionen des BDKJ-Diözesanverbands Fulda sind unter anderem die Sternsingeraktion. (Symbolfoto)
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Langjährige Aktionen des BDKJ-Diözesanverbands Fulda sind unter anderem die Sternsingeraktion. (Symbolfoto)

Etliche Austritte

Corona in Fulda: Katholische Jugend plagt Nachwuchssorgen wegen Zwangspause

  • vonMarius Scherf
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Ob mit Sport, rund um Musik oder in der Kirche: Arbeit mit Jugendlichen findet in der Corona-Pandemie letztlich nicht mehr statt. Jugendorganisationen wie dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) geht der Nachwuchs verloren und vielen Kindern aus schlechter gestellten Familien fehlt der Ansprechpartner.

Fulda - Was bedeutet Verantwortung? Für Vanessa Rentsch vom BDKJ in Fulda heißt das vor allem, in einer Gemeinschaft Aufgaben zu übernehmen. Eine wichtige Sache für die 22-Jährige, die an der Hochschule Fulda International Management“ studiert. Gerade in Zeiten von Corona.

„Wenn ich mir aber anschaue, wie rücksichtslos sich manche Menschen jetzt noch immer verhalten, dann zweifle ich an der Menschheit“, ärgert sich die Studentin. Sie ist als Verbandsreferentin ehrenamtlich beim BDKJ tätig. Mit zehn Jahren trat sie in die KSJ, die Katholische Studierende Jugend, ein. Sie übernahm Aufgaben und wuchs in die Verbandsarbeit hinein.

Wegen Corona: Nachwuchssorgen bei katholischer Jugend - Vanessa Rentsch über den BDKJ

Heute betreut sie hauptamtlich drei kleinere Verbände im Bistum Fulda. „Wir reden nicht nur über Gott, sondern wie wir die Grundwerte der Bibel auf unser tägliches Leben übertragen können.“ Vermittelt wird das aber nicht wie in der Schule durch Tafelbilder und Hausarbeiten, sondern durch das Miteinander: „Wir treffen uns zu gemeinsamen Abenden in unseren Jugendräumen oder fahren zusammen auf Zeltlager“, sagt Rentsch.

Langjährige Aktionen des BDKJ-Diözesanverbands Fulda sind zudem die Sternsingeraktion, die 72-Stunden-Aktion und die Ministrantentage. Rentsch findet: „Ich denke, die langlebigen Freundschaften, die man über die Schulzeit hinaus schließt, sind das attraktivste, was ich beim BDKJ mitnahm.“ (Lesen Sie hier: Kreis Fulda: Sternsinger kommen wegen Corona auf anderen Wegen - Videos, Päckchen und Segenstüten).

Doch Corona hat alles auf Eis gelegt und die Studentin fürchtet, dass durch die Zwangspause der Nachwuchs fehlen wird. „Viele Neumitglieder sind bereits ausgetreten, weil wir ihnen in dieser Zeit nichts bieten konnten.“ Die Zahlen der Neueintritte seien in den letzten Jahren sowieso zurückgegangen, das Interesse für einen Jugendverband in den vergangenen Jahren gesunken.

„Erst ist durch G8 der Leistungsdruck gestiegen, dann bestand Konkurrenz durch immer mehr Hobbys und jetzt kommt Corona. Gerade jetzt merke ich, dass der Jugendverband mich geprägt hat und ich mir soziale Fähigkeiten außerhalb der Schule erarbeiten konnte, die in dieser Zeit sehr wichtig sind. Keine Eins in Mathe macht mich zu einem guten Menschen, sondern die Art, wie ich mich gegenüber meinen Mitmenschen verhalte.“

Vanessa Rentsch: „Viele Neumitglieder sind bereits ausgetreten“

Zusammenkommen in Gruppenstunden – das geht nur noch online über Chat-Apps wie Discord und Zoom. „Wir Älteren treffen uns zu virtuellen Stammtischrunden. Mit den Kleinen basteln und spielen wir. Auch unterhalten wir uns über das vergangene Jahr. Der Verlust der Sozialkontakte ist dabei ein ganz großes Thema. Gerade die Jüngeren können es kaum erwarten, dass hoffentlich im nächsten Jahr wieder Zeltlager möglich sind.“

Einen Ersatz können die virtuellen Treffen aber nur begrenzt bieten. „Wir können jetzt kein Ansprechpartner für Kinder aus schlechter gestellten Haushalten sein“, sagt Rentsch. Denn wenn es Probleme gab, hätten solche Kinder früher stets den persönlichen Kontakt gesucht. Von Bildschirm zu Bildschirm trauen sich das viele nun nicht mehr. „Sonst waren unsere Treffen eine Möglichkeit des Zusammenkommens für die Kinder.“ Die meisten hätten jetzt keinen Ort mehr, wo sie im Lockdown Abwechslung fänden.

Einsatz für Mehrbeteiligung der Frauen in der Kirche

Die Anliegen des BDKJ wirken – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie – zeitaktuell. Gerade als christliche Organisation wolle sie auch die Kirche mit ihrer Arbeit ein Stück weit nach vorne bringen, so Rentsch. So setzten sie sich etwa für die Mehrbeteiligung der Frauen in der Kirche ein oder schulen das Thema sexuelle Prävention in der Kirche. Es gibt beim BDKJ also viel zu tun, daher gilt für Rentsch: „Wenn Corona vorbei ist, müssen wir dreifach in unsere Arbeit investieren.“

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