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Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden viele Hochzeitsfeiern abgesagt. Inzwischen wird wieder geheiratet, was das Zeug hält (Symbolfoto).

Freude bei Veranstaltern

Schnell noch heiraten, bevor die Corona-Inzidenz wieder zu hoch ist? Boom an Hochzeitsfeiern

  • VonMarius Scherf
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2020 wurden viele Hochzeitsfeten und kirchliche Trauungen abgesagt. Schuld an allem war die Corona-Pandemie. Die Sommermonate bescherten der Branche dann einen Boom, doch Unsicherheit besteht weiterhin. Es wird aber geheiratet, was das Zeug hält.

Fulda - Der schönste Tag – der fiel 2020 für viele Paare in Deutschland so ganz anders aus als geplant. Lockdown und Corona-Pandemie machten vielen bei ihren Planungen einen Strich durch die Rechnung. Zwar gaben sich die meisten dennoch vor dem Standesamt das Ja-Wort – die Zahlen in der Region Fulda blieben in etwa gleich–, doch die große Hochzeitsfeier musste vertagt werden. 

Caterer, Veranstalter und Fotografen machten lange Gesichter, und der Frust war groß. Auch wir berichteten im November darüber (lesen Sie hier: Trauungen nur im Standesamt: So laufen Hochzeiten in der Corona-Pandemie ab - Viele Branchen hart getroffen).

Damals prognostizierten die Befragten für 2021 einen Boom bei den Hochzeitsveranstaltungen. In den vergangenen Sommermonaten waren die Inzidenzen niedrig, die Regeln locker. Aber gab es die perfekte Hochzeits-Welle, auf die viele sehnsüchtig gewartet haben?

Corona in Fulda: Heirat bevor Inzidenz wieder hoch ist? Boom an Hochzeitsfeiern

Wenn man den Fotografen und die Brautmodenverkäuferin fragt, lässt sich ein Anstieg bei den Hochzeitsfeierlichkeiten im Sommer 2021 durchaus ausmachen. Fotograf Steffan Franke zum Beispiel war im August jedes Wochenende ausgebucht. „Nach dem Lockdown haben wir eine kleine Welle erlebt“, sagt auch Katrin Haben vom Brautmodengeschäft „The One“ in Fulda (lesen Sie auch hier: Nach Fund in Engelbert-Strauss-Hose - Ehering ist zurück bei seinem Eigentümer)

Den Grund dafür sehen die beiden aber nicht darin, dass plötzlich mehr Menschen auf die Idee kamen zu heiraten. Viel eher lag es wohl daran, dass die große Fete nachgeholt werden konnte – genauso wie die kirchliche Trauung. 2020 machten auffallend viele vor dem Gesetz frisch Vermählte um die Kirchen einen großen Bogen. Von den 24 Trauanmeldungen, die Fuldas Stadtpfarrer Stefan Buß einmal vorliegen hatte, wurden nur zwei aufrechterhalten.

Er sah deswegen 2021 eine Welle auf die Kirchen zukommen. Sein Wort in Gottes Ohren: Der Stadtpfarrer ist ausgebucht und hat von September bis Oktober noch alle Hände voll zu tun. Am Wochenende muss er mehrere Hochzeiten hintereinander abhalten. „Viele wollen aufgrund der weiter unklaren Situation auch jetzt noch kurzfristig heiraten,“ sagt er. Es entsteht der Eindruck: Es wird geheiratet, was geht. Denn die Corona-Inzidenzen steigen wieder.

Was wird im Spätherbst noch möglich sein? Dabei gebe es immer noch einige, deren kirchliche Trauung aus 2021 noch aussteht. Ein Problem für so manchen: Da alles an einem Tag stattfinden soll, sei es schwierig, an einen Caterer zu kommen, so Buß (lesen Sie auch hier: Weniger Hochzeiten in der Corona-Pandemie - Paare verschieben vor allem kirchliche Trauungen in Fulda).

Patrick Bohl ist zu 100 Prozent ausgelastet. Der Geschäftsführer des Catering-Service „Genuss3“ bekocht seit Juni an jedem Wochenende drei Hochzeiten. „Neuanfragen für den Zeitraum August bis September mussten wir ablehnen, weil wir ausgebucht sind“, sagt er.

Die Corona-Regeln für Hochzeiten

Bei einer Corona-Inzidenz von über 50 sind laut Eskalationskonzept des Landes Hessen bei Feiern in Innenräumen 250 Personen erlaubt (Geimpfte, Genesen und Kinder unter sechs Jahren nicht mitgerechnet). Ein negatives Testergebnis ist Pflicht. Bei einer Inzidenz ab 100 sind nur noch 100 Personen erlaubt. 

Patrick Bohl sieht sich durch die geltenden 3G-Regeln nicht sonderlich gehemmt. „Wir sind alle durchgeimpft“, sagt er. Was ihn und sein Team aber sehr wohl einschränkt ist der Personalmangel in der Gastronomie. „Zwei Köche, die wir immer wieder hinzugebucht haben, haben die Branche gewechselt“, sagt er.

Im Standesamt Fulda liegt die maximale Personenzahl bei 20 Personen und das inklusive Brautpaar, Standesbeamter, Kinder, Trauzeugen, Fotograf oder Dolmetscher. Es gilt die 3G-Regel. Der Corona-Mindestabstand von 1,5 Metern ist einzuhalten, und es gilt die Maskenpflicht.

Aber auch das Gegenteil habe er schon erlebt: Paare haben Hochzeiten 2020 verschoben und sich nicht mehr zurückgemeldet. Überhaupt stellt der 40-Jährige fest: „Die Kunden haben mehr Rückfragen oder sind unsicher.“ Von der Politik wünscht er sich daher ein klares Statement für den Rest des Jahres. Doch unterm Strich überwiege das Positive. „Nach der Feier erlebe ich bei meinen Kunden vor allem viel Dankbarkeit.“

„Schloss Fasanerie ist als Ort zum Heiraten und Feiern sehr gefragt“, sagt Carolin Wehner vom dortigen Marketing. Hochzeiten sind von Mai bis Oktober möglich. „Seit Juli finden hier so gut wie jedes Wochenende Hochzeiten statt. In diesem Jahr gab es 14 standesamtliche Trauungen und 7 Feiern“, sagt Wehner (lesen Sie auch hier: Romantische Hochzeit - Schauspielerin Valerie Niehaus heiratet langjährigen Lebensgefährten in Fulda).

Dabei habe man sogar einen Trend festgestellt: Immer mehr Paare entscheiden sich für eine freie Trauung – also ohne kirchlichen Segen. Überhaupt lässt man sich wohl nicht von steigenden Corona-Inzidenzen und einem ungewissen Herbst verunsichern: Für 2022 seien bisher zwölf Hochzeitsfeiern gebucht, weitere Anfragen kämen täglich.

„Es geht endlich wieder bergauf“, freut sich auch Ralf Neu, der die Hochzeitsmesse auf Schloss Fasanerie am 26. September 2021 ausrichtet. „Die Aussteller freuen sich, es gibt regen Zulauf bei den Kartenverkäufen.“ (lesen Sie auch hier: Alte Liebe rostet doch - 400 Liebesschlösser in Fuldaaue entfernt).

Situation in den Standesämtern

Vor der Eheschließung an den Standesämtern der Region Fulda und in Osthssen schrecken die Paare trotz Corona nicht zurück. Zum Vergleich: 2020 wurden 410 Ehen in Fulda geschlossen, 2019 waren es 408. Bis zum 24. August 2021 wurden 227 Ehen geschlossen. Von einem Boom möchte das Amt daher nicht sprechen.

„In diesem Jahr haben mehr Paare abgesagt als im Jahr zuvor“, heißt es sogar in einer entsprechenden Pressemitteilung. In etwa gleich geblieben sind auch die Zahlen am Standesamt in Eichenzell. Die Anzahl der Trauungen belief sich 2020 auf 69. 2019 waren es 67. 2021 wurden bisher 45 Ehen geschlossen. Die meisten (39) in den vergangenen vier Sommermonaten.

Video: Hochzeitstipps: Was darf die Traumhochzeit kosten?

Einen Boom verneint das Amt, genauso wie das in Schlitz. 2020 wurden dort 55 Paare getraut. 45 waren es bisher in diesem Jahr. Standesbeamtin Melanie Klein stellt fest: „Unsicherheit herrscht auf jeden Fall noch bei den Brautpaaren, auch wie es wohl im nächsten Jahr wird.“ (lesen Sie auch hier: Jawort auf 524 Metern Höhe - Marktgemeinde Haunetal bietet Trauungen in der Burgruine an).

Von den verschobenen Trauungen aus dem Jahr 2020 wurden laut dem Standesamt der Stadt Schlüchtern fast alle nachgeholt. Im Jahr 2019 haben 86 und im Jahr 2020 dann 74 Eheschließungen stattgefunden. Für 2021 rechnet das Amt mit 66 Eheschließungen. „Die Paare sind bei uns voller Vorfreude auf die bevorstehende Eheschließung. Als ,unsicher‘ würden wir dies nicht bezeichnen“, sagt Standesbeamtin Janina Hassinger. 

Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden wurden im Jahr 2020 bundesweit 10 Prozent weniger Ehen geschlossen als im Vorjahresvergleich. Im April 2020, also inmitten des ersten Corona-Lockdowns, ging die Zahl der Eheschließungen im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 37 Prozent zurück. Doch bereits in den Monaten Mai und Juni sei die Zahl der Eheschließungen wieder angestiegen, stellten die Statistiker fest.

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