Hier lässt sich die Pflegedienstleiterin des AWO-Seniorenwohn- und Pflegezentrums Petersberg, Natascha Klotzbach-Williams, von den Oberstabsgefreiten Justin Zajac (links) und Phillip Müller testen.
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Hier lässt sich die Pflegedienstleiterin des AWO-Seniorenwohn- und Pflegezentrums Petersberg, Natascha Klotzbach-Williams, von den Oberstabsgefreiten Justin Zajac (links) und Phillip Müller testen.

Entlastung für Mitarbeiter

Bundeswehr hilft bei Corona-Tests: Soldaten sind in 20 Pflegeheimen im Kreis Fulda im Einsatz

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Um die Alten- und Pflegeeinrichtungen bei den Corona-Testungen zu entlasten, sind seit vergangener Woche acht Soldaten der Bundeswehr im Landkreis Fulda tätig. Zwei von ihnen waren am Mittwoch im AWO-Seniorenwohn- und Pflegezentrum Petersberg im Einsatz.

Petersberg - Seit einer Woche führen die Soldaten in vier Teams die Testungen in den Pflegeeinrichtungen des Landkreises Fulda durch. Denn: Besucherinnen und Besucher dürfen Alten- und Pflegeheime nur betreten, wenn sie einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Die Mitarbeiter müssen ebenfalls mindestens zweimal pro Woche sowie bei Dienstantritt nach einer Abwesenheit von mehr als drei Tagen getestet werden.

Dass die Bundeswehr in Alten- und Pflegeeinrichtungen tätig ist, ist nicht neu: Soldaten halfen dort schon seit November, wenn es Corona-Ausbrüche oder Infektionsschwerpunkte gab, und unterstützten die Mitarbeiter – zum Beispiel bei der Essensausgabe. Neu ist jedoch, dass die Soldaten die Bediensteten nun auch bei den regelmäßigen Pflicht-Testungen entlasten. Auch im Vogelsberg helfen Soldaten bei den Corona-Tests und im Main-Kinzig-Kreis unterstützt die Bundeswehr ebenfalls.

Corona in Fulda: Bundeswehr-Soldaten helfen bei Tests in Pflegeheimen

Gestern waren die beiden Oberstabsgefreiten Justin Zajac und Phillip Müller im AWO-Seniorenwohn- und Pflegezentrum Petersberg im Einsatz. „Eigentlich sind die beiden im Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar stationiert“, berichtet Major Aribert Happ vom Kreisverbindungskommando Fulda

Wie er erläutert, hatte der Landkreis die Bundeswehr als Corona-Helfer angefordert. Vorher musste jedoch geprüft werden, ob diese Hilfe nicht von ziviler Seite kommen konnte – beispielsweise vom Technischen Hilfswerk (THW). „Das Landeskommando in Wiesbaden steuert dann den Einsatz der Soldaten und legt fest, wo sie abgezogen werden“, sagt er.

Im Landkreis Fulda sind derzeit acht Soldaten jeweils in Zweier-Teams in Alten- und Pflegeeinrichtungen unterwegs. Sie wurden zuvor geschult, berichtet der Landkreis.

Im Januar mehr als 700 Corona-Tests im AWO-Seniorenwohn- und Pflegezentrum Petersberg

Für die Petersberger Einrichtung ist die Unterstützung durch die Soldaten eine große Entlastung in der Corona-Pandemie, wie Pflegedienstleiterin Natascha Klotzbach-Williams und Einrichtungsleiter Frank Fladung berichten. 60 Menschen leben hier, etwa gleich hoch ist die Zahl der Mitarbeiter. „Wir haben allein im Januar mehr als 700 Tests durchgeführt“, berichtet Fladung. Das zeige, wie hoch der zusätzliche Zeitaufwand für die Mitarbeiter sei. Schließlich müsse jeder, der die Einrichtung betritt, einen Test machen. Dieser sei aber kostenfrei.

„Es ist wirklich gut, dass uns die Bundeswehr unterstützt“, betont Klotzbach-Williams. Das sei ein großer Gewinn. „Auch die Angehörigen profitieren davon, denn sie wissen: Das Personal kann sich in dieser ohnehin angespannten Situation ganz um die Bewohner kümmern“, sagt die Pressesprecherin der AWO Nordhessen, Sigrid Wieder. Die AWO-Einrichtungen in Petersberg, Fulda, Großenlüder, Eichenzell und Burghaun hätten das Angebot in der Corona-Krise deshalb gern angenommen.

Hintergrund

Die Bundeswehr hält nun 25.000 Soldaten für Hilfseinsätze in der Corona-Pandemie bereit. Damit seien zusätzlich 5000 Männer und Frauen bereit zur Unterstützung von Ländern und Kommunen, teilte das Verteidigungsministerium gestern mit. Es würden auch mehr Reservisten einberufen. Bisher habe es mehr als 3900 Anfragen wegen Amtshilfe gegeben. 

Aktuell seien 17.600 Soldaten im Einsatz. „Es fordern jetzt mehr Landkreise und Kommunen die Hilfe der Bundeswehr besonders für Tests in Alten- und Pflegeheimen an“, erklärte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Auch andere Einrichtungen lassen sich in der Corona-Pandemie von den Soldaten unterstützen: Sie helfen zum Beispiel im Caritas-Pflegeheim St. Josef Fulda sowie in den Einrichtungen der Mediana-Unternehmensgruppe in Fulda und Hünfeld. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) jedoch teilt mit, dass in seinenEinrichtungen eigene Teams im Einsatz sind. Man bilde die Soldaten jedoch aus.

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Wie der Landkreis erklärt, hat jedes Pflegeheim im Landkreis Fulda die Unterstützung der Bundeswehr während der Corona-Pandemie angeboten bekommen und kann sie in Anspruch nehmen, wenn es diese benötigt. Aktuell unterstützt die Bundeswehr bei den Testungen in 20 Pflegeeinrichtungen im Kreis.

In Petersberg waren die Soldaten gestern bis 16 Uhr vor Ort, morgen werden sie in einer anderen Einrichtung eingesetzt. „Es gibt kein festes Team, das an einem bestimmten Punkt stationiert ist“, sagt Major Happ. Der Landkreis habe einen Dienstplan erstellt, aus dem hervorgehe, in welcher Einrichtung der nächste Einsatz stattfinde. Die Bundeswehr-Soldaten werden vorerst für drei Wochen im Landkreis Fulda tätig sein und das Personal entlasten. Dann werde geprüft, ob weitere Hilfe nötig sei.

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