Pfiffige Idee von Arthur Jahn: Der Geschäftsführer von Ellason in Fulda schreibt die vergebenen Termine auf eine Tafel, die er an die Eingangstür hängt.
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Pfiffige Idee von Arthur Jahn: Der Geschäftsführer von Ellason in Fulda schreibt die vergebenen Termine auf eine Tafel, die er an die Eingangstür hängt.

Wirtschaftlich wenig rentabel

Corona: „Click and Meet“ - diese Probleme gibt es laut den Händlern in Fulda in der Praxis

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Im Corona-Lockdown bieten Läden aus der Region Fulda seit zwei Wochen „Click and Meet“ an. Dank des Einkaufens mit Termin sehen viele Händler ein Licht am Ende des Tunnels. Wirtschaftlich rechnet sich das Angebot aber nur für wenige Verkäufer. 

Fulda - Positiv: Fast alle Geschäfte bieten „Click and Meet“ in Fulda an. „Wir wollen zeigen, dass wir noch da sind“, sagt Reginald Bukel, Vorsitzender des Citymarketing. Negativ: Die meisten Geschäfte in der Innenstadt profitieren von Bummlern. Eine solche Shopping-Kultur in der Corona-Pandemie: Verboten (lesen Sie auch hier: Neue Inhaber eröffnen Concept Store Lieblings mitten im Lockdown).

Corona in Fulda: „Click and Meet“ - diese Probleme gibt es laut den Händlern

Läden haben damit zu kämpfen, Kunden in die Geschäfte zu locken. „Die Politik stellt sich ,Click and Meet‘ einfach vor, einfach umzusetzen ist es aber nicht“, sagt Arthur Jahn, Inhaber von Ellason Fulda. Bürger müssen erst mit dem Konzept vertraut gemacht werden. „Es geht um Gewohnheiten, die sich bei den Käufern erst einpendeln müssen.“  

Hinzu kommt bei manchen Personen der Drang, auch etwas kaufen zu müssen. „Deswegen bleiben einige zu Hause“, denkt Bukel. Nicht aber bei Läden, bei denen eine intensive Beratung vorausgesetzt ist. „Wenn ich eine Waschmaschine oder ein teures Kleid kaufen möchte, lasse ich mich länger beraten“, erklärt der Vorsitzende. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Objekt anschließend gekauft wird, ist groß. 

Diese These bestätigt Josef Wirth, Geschäftsführer von Möbel Wirth in Hünfeld. „Alle Mitarbeiter sind im Einsatz. Wir erreichen gute Umsätze.“ „Click and Meet“ werde angenommen und in den allermeisten Fällen kaufen die Interessierten auch etwas. Neugierige Kunden, die sich wie vor der Corona-Pandemie im Möbelhaus nur inspirieren lassen wollen, melden sich hingegen weniger für einen Termin an. 

Auch wenn für die meisten Händler die benötigte Kundenfrequenz nicht erreicht wird, überwiegt der derselbe Tenor – „Click and Meet“? Besser als nichts! Dem stimmt auch Holger Enick von Fink Fashion in Fulda zu. Das Konzept ist „eine gute Lösung“. Noch vor zwei Wochen hörte sich der Geschäftsmann eher skeptisch an: „Eine Woche testen und dann weitersehen.“ 

Video: Click & Meet: So funktioniert das Shopping mit Termin

Das System hinter „Click and Meet“ bleibt aber weiterhin fragwürdig. Einfach in einem Laden fragen, ob ein Termin frei ist: verboten. Sich fünf Meter vor den Laden stellen, anrufen und nach einem sofortigen Termin fragen: erlaubt. „Deswegen verstehe ich nicht, warum nicht einfach eine Zugangsbeschränkung eingeführt wird“, sagt Enick. 

Mit Blick auf die steigenden Corona-Fallzahlen wird sich an der aktuellen Lage allerdings nicht viel ändern (lesen Sie hier: Corona-Hotspot Fulda: Inzidenz steigt auf 153,3 - weitere Testzentren öffnen). Ob die Geschäfte weiterhin öffnen dürfen, wird sich am Montag beim Bund-Länder-Treffen entscheiden. Nach der Krisensitzung des hessischen Corona-Kabinetts darf vorerst „Click and Meet“ weiterhin angeboten werden.

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