Kopfhörer auf einem DJ-Pult in einem Club
+
Die Corona-Krise hat Clubs wie das Fuldaer Kreuz in ihren Planungen für das Jahr stark zurückgeworfen. Die Betreiber arbeiten nun fieberhaft daran, die Krise zu überstehen. (Symbolfoto)

Clubszene in Fulda

Corona-Krise: Wie geht es den Clubs in der Region Fulda?

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
    schließen

Von den Lockerungen der Corona-Auflagen merken die Clubs aktuell nur wenig. Dennoch macht sich bei einigen Betreibern in der Region Fulda vorsichtiger Optimismus breit, die Krise überstehen zu können.

Kulturzentrum Kreuz: „Langsam sehen wir Licht“

Rund 300 Veranstaltungen fanden im vergangenen Jahr in den Räumlichkeiten des Kulturzentrums Kreuz in Fulda statt – etwa ein Drittel davon Partys und Diskos. „Unser Schwerpunkt liegt ja auf soziokulturellen Veranstaltungen. Wenn sich die Lage in diesem Bereich wieder normalisiert, dann können wir auch ohne die Partys überleben“, sagt Katja Schmirler-Wortmann vom Kreuz.

Bei den Diskos – zum Beispiel der „Alles 90er Party“ – habe man sowieso einen externen Veranstalter mit an Bord. Für diesen sei die Situation gleichwohl dramatisch.

Was die Lage des über 40 Jahre alten Kulturzentrums betrifft, sagt Schmirler-Wortmann: „Die Situation ist nach wie vor bedrohlich, aber langsam sehen wir Licht.“ Durch die „Startnext“-Crowdfunding-Kampagne und private Spenden seien in den vergangenen Wochen rund 30.000 Euro zusammengekommen, mit denen man den Neustart in einigen Wochen planen könne.

Man arbeite derzeit ununterbrochen an Konzepten zur Wiedereröffnung, wobei der Fokus auf dem Museumshof liege. „Wir reden dabei aber über sehr kleine Veranstaltungen mit 50 bis 100 Leuten, so dass die Abstandsregeln gewahrt werden“, sagt sie. Pläne des Kulturzentrums, ein eigenes Autokino zu realisieren, hätten sich aufgrund der hohen Kosten erledigt. Wie es mit dem Kulturkeller weitergeht, ist unklar.

Alte Piesel: Optimismus dank Wertschätzung der Gäste

Wo sonst der Boden bei Konzerten und Partys bebt, steht jetzt eine Tischtennisplatte – und die Bühnenbeleuchtung scheint „volle Kanne“ drauf, wie Michael Kling berichtet. Seine gute Laune hat der Inhaber der Piesel nicht verloren, auch wenn er für die nächsten Monate „ziemlich schwarz“ sieht. Sein Programm besteht je zur Hälfte aus Disko-Veranstaltungen und Konzerten. Auch ein von ihm organisiertes Open-Air im Antoniuspark Ende August mit der Eric-Clapton-Tribute-Band Slow-hand ist unter den derzeitigen Vorzeichen kaum vorstellbar.

Weil die Piesel ein Familienbetrieb ist, ihm die Immobilie gehört und die Soforthilfe rasch kam, kann er noch etwas „jonglieren“, wie Kling sagt. Das bedeutet zum Beispiel, dass er den alten Biergarten „reaktiviert“ und auf ein Geschäft im Sommer hofft. „Hier gibt es inzwischen viel Radverkehr, so dass ich durchaus einen Bedarf für so einen Rastplatz sehe“, sagt Kling.

Seinen Optimismus behalte er auch durch die „unglaubliche Wertschätzung“, die er von Gästen und Partnern erfahre. Als der Lockdown begann, habe er noch viele Getränke im Lager gehabt. Diese habe er in seinem Newsletter zum Verkauf angeboten – mit tollem Erfolg. Mit einigen der Bands, die in diesem Jahr auftreten sollten, hat er schon Verträge für 2021 gemacht.

Die Alte Piesel richtet die Planungen damit ähnlich wie der S-Club-Fulda auf das nächste Jahr.

Musicclub Z1: Wieder Leben in die Bude bringen

Der Musik Club Z1 in Hünfeld, früher als PopCorn oder Kornhaus bekannt, hat seit Freitag wieder geöffnet – obwohl es sich um eine Diskothek mit Tanzfläche handelt. „Wir haben umgeswitcht und die Disko in eine Gaststätte und Bar verwandelt“, sagt Inhaber Sven Schirrmeister. Das heißt konkret: Die Tanzfläche wurde zu einer Chill-out-Area mit bequemen Sitzgelegenheiten.

Im Hünfelder Club Z1 kann seit Freitag - unter Auflagen - wieder gefeiert werden.

Im Schnitt kamen früher 250 bis 350 Besucher zu den Partys ins Z1, jetzt ist die Besucherzahl auf 35 begrenzt. Einen Teil des weggebrochenen Umsatzes wollen die Betreiber durch einen zusätzlichen Öffnungstag jeden Freitag kompensieren. Schwierig bleibt es allemal: „Wir wollen wenigstens versuchen, die laufenden Kosten reinzubekommen – und wieder Leben in die Bude“, sagt Schirrmeister. Da er und seine Partnerin Tanja Tost den Club nebenberuflich betreiben, blicken sie nicht ganz so pessimistisch in die Zukunft. 

Smuggler‘s Inn: Keine Rede mehr von „schneller Hilfe“

Die Rockdisko „Smuggler‘s Inn“ in Schlitz-Ützhausen ist weit über die Grenzen des Schlitzerlandes hinaus bekannt. Weil sich der Familienbetrieb in der eigenen Immobilie befindet, halten sich die laufenden Kosten in Grenzen. Eine Wiederöffnung unter Auflagen kann sich Inhaber Karsten Hohmeier kaum vorstellen. „Tanzen im Club liegt irgendwo zwischen Gruppenaktivität und ,Kontaktsport‘. Unter Auflagen geht der Reiz verloren“, sagt er.

Und mit angeheiterten und enthemmten Gästen seien Auflagen auch nur schwer umzusetzen. Wie kommt er über die Runden? „Derzeit leben wir von den spärlichen Rücklagen. Hilfe zum Lebensunterhalt gibt es nur, wenn man sich arbeitssuchend meldet oder Grundsicherung beantragt, mit allen zugehörigen Schikanen der Sozialbehörden. Die versprochene ,schnelle Hilfe‘ hat sich in keiner Weise materialisiert, die Ämter scheinen überlastet, Bescheide brauchen ewig.“

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema