Gegen Corona-Einsamkeit: Bischof Gerber hat in seiner Weihnachtspredigt dazu ermuntert, abends auf dem Balkon gemeinsam Weihnachtslieder zu singen.
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Gegen Corona-Einsamkeit: Bischof Gerber hat in seiner Weihnachtspredigt dazu ermuntert, abends auf dem Balkon gemeinsam Weihnachtslieder zu singen.

Predigt im Dom in Fulda

Gegen Corona-Einsamkeit: Bischof Gerber ermuntert, abends auf dem Balkon gemeinsam Weihnachtslieder zu singen

In der Corona-Krise abends in der Nachbarschaft vom Balkon aus gemeinsam Weihnachtslieder singen - dazu hat der Bischof von Fulda am 1. Weihnachtsfeiertag in seiner Predigt im Dom ermuntert. Michael Gerber fragte: „Gegen Corona gibt es einen Impfstoff – und gegen Einsamkeit?“

Fulda - Bischof Michael Gerber machte die Einsamkeit vieler Menschen in der Corona-Krise zum Thema seiner Weihnachtspredigt. Im Festgottesdienst am Freitagvormittag sprach der Bischof im Dom in Fulda von einer „Pandemie der Einsamkeit“. 

Gegen Corona-Einsamkeit: Bischof Gerber ermuntert zum Weihnachtslieder-Singen auf Balkon

Im englischsprachigen Raum gebe es zu diesem Stichwort bereits viel Literatur - in Deutschland häuften sich Umfragen zum Problem der Einsamkeit, das sich durch die Corona-Pandemie offenbar verstärkt habe. „Wir sollten vorsichtig sein und den Begriff Pandemie nicht inflationär benutzen - auch um Verharmlosungen zu vermeiden“, erklärte Gerber.

Aber es müsse nachdenklich stimmen, „wenn offenbar diese Erfahrung um sich greift, die mehr und mehr Menschen machen: Eigentlich habe ich kein echtes Gegenüber.“ Gegen Covid gebe es inzwischen einen Impfstoff – „doch wie sieht es mit der Einsamkeit aus?“

„Warum nicht am Abend vom Balkon die vertrauten Lieder singen und zu schauen, wer in der Nachbarschaft darauf wie reagiert“, sagte Gerber am Ende seiner Weihnachtspredigt“, die Sie hier komplett im Wortlaut nachlesen können. „Fangen wir an –und sind wir gespannt, was Gott mit uns an diesem Weihnachtsfest 2020 beginnen möchte.“

Schon in der Christmette hatte Michael Gerber drei Parallelen zwischen der Corona-Krise und der Weihnachtsgeschichte gezogen. Nach Worten des Bischofs kommt gerade an Weihnachten eine Sehnsucht an die Oberfläche: „Wo findet die tiefe Schwingung meiner Seele eine Resonanz in einem Gegenüber? Es ist ein Grundbedürfnis, wesentlich für unser Leben. Diese Sehnsucht, ein Gegenüber zu haben, das auf meine Empfindungen reagiert, zeigt sich gerade an diesem Weihnachten 2020.“

Das sei „nicht selten schmerzhaft, weil nämlich viel an Begegnung, was wir eigentlich mit diesen Tagen verbinden, nicht möglich ist.“ Einsamkeit ist nach Überzeugung von Bischof Gerber „mehr als einfach alleine zu sein, als keinen Menschen besuchen zu können.“

Den Weihnachtsgottesdienst aus dem Dom streamte das Bistum Fulda via YouTube.

Er kenne eine ganze Reihe von Menschen, die Weihnachten bewusst allein feiern. „Sie sind allein, aber nicht unbedingt einsam. Einsam bin ich da, wo ich die Erfahrung mache: Was mich tief in meinem Innersten umtreibt, findet keine Resonanz bei einem Gegenüber. Ich fühle mich damit allein gelassen“, sagte der Bischof in Bezug auf Weihnachten unter Corona-Umständen.
 
Gerade ungewöhnliche Situationen wie die aktuelle Corona-Krise hätten das Potential, Menschen formen zu können: „Das kann positiv wie negativ sein, traumatisierend wie heilend. Wie ich eine Krisensituation durchlebe, ob tiefbleibende Verletzungen vorherrschend sind oder Heilungsprozesse angeregt werden, hat viel damit zu tun, ob das, was ich empfinde, bei einem Gegenüber Resonanz findet.“

Abstand halten war auch beim Weihnachtsgottesdienst im Dom in Fulda das Gebot der Stunde.

Das Corona-Weihnachtsfest 2020, an dem die vertrauten Weihnachtslieder in unseren Kirchen nicht erklingen, könne auf ganz andere Weise zu einem Resonanzraum werden: „Bleiben wir aufmerksam: Wo möchte Jesus unsere Seele zum Schwingen bringen in der Art und Weise, wie ich mein Gegenüber in mich aufnehme und darauf reagiere. Fangen wir einfach an – und sind wir gespannt, was Gott mit uns an diesem Weihnachtsfest 2020 beginnen möchte.“

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