Corona in Fulda: Bei einer Demo haben Einzelhändler die Öffnung der Geschäfte gefordert.
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Corona in Fulda: Bei einer Demo haben Einzelhändler die Öffnung der Geschäfte gefordert.

OB Wingenfeld spricht

Corona in Fulda: Händler fordern bei Demo die Öffnung der Geschäfte - „Lasst die Türen aufgehen“

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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  • Volker Nies
    Volker Nies
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Corona in Fulda und die Einzelhändler geben nicht auf: Auf einer Demo auf dem Platz „Unterm Heilig Kreuz“ forderten sie die Öffnung sämtlicher Geschäfte in Fulda. Etwa 100 Personen waren zugegen und hörten die verzweifelten Worte der Händler an.

Update vom 27. Februar, 12.21 Uhr: Der Frust bei den Einzelhändlern in Fulda ist groß. Seit Monaten sind ihre Geschäfte in der Corona-Pandemie geschlossen, Einnahmen fallen weg, viele bangen um ihre Existenz. Auf einer von den Händlern Marlies Piechotka und Stefan Hodes initiierten Demo zeigten sie am Samstag auf dem Platz „Unterm Heilig Kreuz“ Flagge.

Corona-Lockdown: Einzelhändler in Fulda demonstrieren für Öffnung

Rot als Farbe des Signals waren die von den Händlern aufgestellten Büsten. Tüten mit Aufschriften „Lasst die Türen aufgehen“ und „wir wollen öffnen“ waren aufgestellt. Die Hygiene- sowie Abstandsregeln wurden bei der Demo eingehalten. Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) machte deutlich, dass er selbst frustriert sei und hoffe, dass die Demo ein deutliches Signal setzte.

„Sobald es Öffnungspespektiven gibt, werden wir diese unterstützen“, sagte der OB und fügte hinzu. „Vielen Dank für das klare Zeichen. Möge es die Wirkung haben, die es verdient.“ Die Idee hinter der Demo sei es gewesen, abermals auf die pandemiebedingten Schließungen hinzuweisen, die laut Piechotka, Inhaberin des Modegeschäftes Crea-Time in Fulda, das Überleben mancher Einzelhändler in der Krise verhinderte.

Video: Corona-Lockdown: Einzelhändler in Fulda fordern bei Demo Öffnung der Geschäfte

„Wir müssen leben mit dem Virus zu leben“, sagte sie. Im Vorfeld der Demo hatte Marlies Piechotka („Wir sehen rot“) im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt: „Wir wollen keine Versprechen mehr haben. Wir wollen Tatsachen sehen.“ Sie hoffe außerdem, dass es sich bei der Demo um die letzte Aktion der Einzelhändler handele. Viele ihrer Kollegen seien mit ihren Kräften am Ende. „Unser Elan stirbt.“

Corona in Fulda: Händler schlagen Öffnung-Konzept vor - wie beim Arztbesuch

Eine Öffnung der Geschäfte könne zunächst ähnlich wie bei einem Arztbesuch aussehen, stellt sich Piechotka vor: Kundinnen und Kunden könnten einen Termin für ihren Besuch im jeweiligen Geschäft vereinbaren, schlägt sie vor. In einem zweiten Schritt könne schließlich die vollumfängliche Öffnung der Geschäfte folgen.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Einzelhändler in Fulda ihrer Verzweiflung Ausdruck verliehen und mittels verschiedener Aktionen auf ihre Not hingewiesen. Erst kürzlich etwa hatten 30 Einzelhändler die Beleuchtungen in ihren Geschäften ausgeschaltet und die Schaufenster verhängt. Ziel war es, der düsteren Stimmung aufgrund der anhaltenden Schließungen Ausdruck zu verleihen.

Corona-Lockdown: Händler in Fulda verlieren Geduld und demonstrieren am Samstag

Erstmeldung vom 26. Februar, 18.11 Uhr: Die Einzelhändler in Fuldas Innenstadt lassen nicht locker: Sie fordern die rasche und umfassende Öffnung aller Geschäfte. Dafür wollen sie am heutigen Samstag in der Stadt demonstrieren. Zwei Kernforderungen wollen die Fuldaer Händler am Samstag vorbringen:

Der Staat soll seine Corona-Auflagen lockern und es erlauben, dass alle Geschäfte wieder öffnen dürfen. Zudem sollen die zugesagten finanziellen Hilfen endlich bei den Betroffenen ankommen. Lesen Sie dazu auch hier: Corona-Lockdown: Situation der Unternehmen hat sich „deutlich verschlechtert“ - Anträge für Hilfen zu komplex?)

Die Händler Marlies Piechotka und Stefan Hodes rufen zur Demo auf.

„Wir brauchen die Öffnung – besser gestern als heute. Viele Kollegen stehen kurz vor dem Aus. Der Innenstadt droht das Ausbluten“, warnt Stefan Hodes, Inhaber des gleichnamigen Schuhhauses in der Friedrichstraße. Er versucht, einen Teil der Verluste durch einen Onlineshop wettzumachen. Aber das ist für ihn aussichtslos: „Der Internetverkauf ist unwirtschaftlich, denn der Aufwand und die Quote der Retouren sind enorm hoch.“

Die Pläne der Regierung, Kunden mit Terminvereinbarung ins Geschäft lassen dürfen („Click &Meet“), sehen die Händler mit gemischten Gefühlen. „Wenn es wirklich kommt, wäre es ein kleiner Schritt in die richtige Richtung – aber natürlich noch nicht genug. Wir Einzelhändler fühlen uns nach wie vor ungerecht behandelt. Einige Berufsgruppen müssen die Last der Corona-Politik tragen, ohne dass das ausreichend honoriert wird“, sagt die Modehändlerin Marlies Piechotka („Crea Time“). (Lesen Sie hier: Corona in Hessen: Lockerungen bei privaten Treffen, Sport, Geschäften, Fitnessstudios, Zoos und Museen geplant)

Ihre Kollegin Rosanna Fiorica („impressioni“) sieht es noch kritischer: „Sollen wir dankbar sein, wenn wir einzelne Kunden ins Geschäft lassen dürfen?“ Für sie sei Click &Meet unwirtschaftlich, da sie dafür mindestens eine Mitarbeiterin aus der Kurzarbeit holen müsste.

Video: Debatte um Corona-Lockdown gewinnt weiter an Fahrt

Die Kundgebung am Samstag um 11 Uhr auf dem Platz Unterm Heilig Kreuz ist bei der Stadt angemeldet. Wegen der Corona-Auflagen sind nur 100 Demonstranten zugelassen. Kommen mehr Menschen in die Nähe, bitten die Organisatoren die Interessierten darum, Abstand von der Kundgebung zu halten.

Eine Protestaktion von Händlern in der Friedrichstraße in Fulda vor einigen Wochen hatte hohe Wellen geschlagen und sogar das Ordnungsamt auf den Plan gerufen.

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