Auf sozialen Netzwerken werden Corona-Mythen verbreitet.
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Auf sozialen Netzwerken werden Corona-Mythen verbreitet.

Gefährliche Gerüchte

Corona-Mythen im Faktencheck: Viele Gerüchte kursieren in sozialen Netzwerken - Was stimmt? Was stimmt nicht?

Vor allem in sozialen Netzwerken sind viele Behauptungen rund um die Corona-Pandemie zu finden. Manche sind recht einfach als verschwurbelter Quatsch zu erkennen. Oft ist es aber gar nicht so leicht, eine Antwort auf die Fragen zu finden. Wir haben uns für Sie schlau gemacht.

Fulda - Sind Schnelltests zuverlässig? Hilft Vitamin C gegen das Virus? Zu Corona kursieren viele Behauptungen und Mythen. Wir geben Antworten auf die Frage: Was stimmt denn nun?

Helfen Vitamin C und Zink gegen Corona? Nein. Vitamin C und Zink haben gemeinhin den Ruf, das Immunsystem zu stärken und Infektionen vorzubeugen. Grundsätzlich ist das auch richtig, und es gibt zudem Belege dafür, dass sehr hohe Dosen den Verlauf von grippalen Infekten verkürzen und abmildern können. Die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtete nun von einer klinischen Studie, bei der die Wirkung von Zink und Vitamin C auf den Verlauf von Covid-19 getestet wurde – mit ernüchterndem Ergebnis. „Die Autoren resümieren, dass in ihrer klinischen Studie eine Behandlung mit hoch dosiertem Zinkglukonat, Vitamin C oder einer Kombination der beiden Supplemente im Vergleich zur Standardbehandlung zu keiner signifikanten Verkürzung der Symptomdauer führte“, berichtet die Fachzeitung online.

Schützt die Zistrose vor Infektionen? Jein. Dass Präparate aus Zistrose eine virenhemmende Wirkung haben – unter anderem bei anderen Coronaviren – haben bereits Studien gezeigt. „Die Anwendung von Cystus052, dem Extrakt einer speziellen Zistrosen-Unterart, kann Viren physikalisch daran hindern, in die Schleimhautzellen der oberen Atemwege einzudringen“, berichtet die „ÄrzteZeitung“. Dies könnte auch für Sars-CoV-2 gelten, allerdings gibt es dazu noch keine wissenschaftlichen Studien. Andere Mediziner nennen entsprechende Studien zu Zistrose-Präparaten allerdings unseriös. Das Wundermittel, als das es mancherorts angepriesen wird, ist es sicherlich nicht. Auch wenn es vielleicht einen gewissen Nutzen hat, darf es nicht als wirksam gegen Covid-19 beworben werden – hohe Preise werden dennoch aufgerufen.

Corona-Mythen im Faktencheck: Welche Gerüchte zu Schnelltests, Zink und Zistrose wirklich stimmen

Sind Teststäbchen für Kinder schädlich? Nein. Das teilt die hessische Landesregierung auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Die Sterilisation von Medizinprodukten erfolge immer mit validierten Verfahren. „Dabei hat der Hersteller nachzuweisen, dass die Produkte nach der Sterilisation tatsächlich steril sind und dass im Falle der Ethylenoxidsterilisation die festgeschriebenen Grenzwerte für die Belastung mit Ethylenoxid und dessen Abbauprodukte eingehalten werden“, heißt es. Diese Grenzwerte werden demnach als unbedenklich eingestuft. CE-gekennzeichnete Medizinprodukte, die sterilisiert wurden, könnten als sicher angesehen werden. Hessen beschaffe ausschließlich CE-gekennzeichnete Medizinprodukte. Unter anderem bei der Demonstration der „besorgten Eltern“ in Fulda war eine Belastung der Teststäbchen durch krebserregendes Ethylenoxid thematisiert worden.

Ist Corona tödlicher als die Grippe? Ja. Studien belegen laut Deutscher Presseagentur (dpa), dass Sars-CoV-2 mindestens dreimal tödlicher ist als das Influenza-Virus. In sozialen Medien wird als vermeintlicher Gegenbeweis gerne ein Zitat des Mediziners Clemens Wendtner angebracht, der von einer Sterblichkeit „im Promillebereich“ spricht. Das Zitat ist jedoch älter als ein Jahr, Wendtner habe seine Einschätzung später geändert. Spätestens im September betonte er: „Das Ausmaß der Erkrankung wird erst schrittweise deutlich“. Im Januar sagte Wendtner dem Bayerischen Rundfunk: „Ich habe bereits wiederholt gesagt, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 deutlich gefährlicher ist als das Influenzavirus“. Die Sterberate bei Covid-19 liege bei etwa 1,0 Prozent, für Influenza bei 0,1 bis 0,2 Prozent, sagte Wendtner.

Corona-Mythen über Schnelltests und Intensivbetten werden auf Sozialen Medien verbreitet

Erfassen Schnelltests auch Mutationen? Ja. Laut übereinstimmenden Medienberichten mit unterschiedlichen Experten aus dem medizinischen Bereich reagieren die als Schnelltest genutzten Antigentests auf einen Teil des Virus, der unabhängig von den bislang bekannten Mutationen ist. Mit einem Schnelltest könne allerdings – anders als beim PCR-Test – nicht unterschieden werden, mit welchem Virustyp man es zu tun hat. Manche Hersteller von Schnelltests bewerben diese, dass sie besonders zuverlässig zum Beispiel die britische und südafrikanische Mutation erkennen. Auch der einfacher anwendbare sogenannte „Nasenbohrtest“ kann Mutationen des Virus erkennen. „Sie sind in Sachen Qualitätsniveau unter den Antigen-Schnelltests mit den tiefen Rachen- oder Nasenabstrich anzusiedeln. Aber dafür kann man sie viel niederschwelliger einsetzen“, erklärt Klaus Vander, dem Leiter des Grazer Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie, „neue.at“.

Sind Schnelltests überhaupt zuverlässig? Ja, aber: Es sind zwei Werte bedeutend: die Sensitivität und die Spezifität. Die Spezifität gibt an, wie viele Nicht-Infizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten. Die Sensitivität wiederum gibt den Anteil der mit dem Virus Infizierten an, die tatsächlich korrekt ein positives Testergebnis erhalten. Das Paul-Ehrlich-Institut hat Mindestanforderungen für Antigentests festgelegt: Die Spezifität muss über 97 Prozent liegen, das heißt mindestens 97 von 100 Gesunden müssen als solche erkannt werden. Die Sensitivität soll größer als 80 sein, das heißt mindestens 80 von 100 Infizierte muss der Test erkennen. Bei den hier zugelassenen Selbsttests liegt die Spezifität den Herstellerangaben zufolge bei mindestens 98 Prozent. Es kann demnach in einigen Fällen zu falsch-positiven Ergebnissen kommen – was sich dann durch die unabdingbare Prüfung durch einen genaueren PCR-Test herausstellt. Die Sensitivität liegt bei den bisher zugelassenen Selbsttests nach Herstellerangaben und Stichproben bei gut 95 Prozent. Das Problem: Die Tests schlagen am besten bei einer hohen Viruslast an. Infizierte mit geringer Viruslast werden möglicherweise nicht entdeckt. Das könnte dazu führen, dass sich Infizierte in falscher Sicherheit wiegen und unbewusst andere Menschen anstecken. Vorsicht ist also auch bei negativem Schnelltest geboten.

Video: Die größten Impfmythen im Check - Was ist wirklich dran

Werden Betten in Kliniken zunehmend abgebaut? Jein. Die Behauptung, dass es auf den Intensivstationen nur eng werde, weil massiv Betten abgebaut wurden, ist laut Faktencheck der dpa „irreführend und teilweise falsch“. Einige Nutzer in sozialen Netzwerken argumentieren mit Zahlen aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und des Robert Koch-Instituts (RKI). (Bleiben Sie mit dem Corona-News-Ticker für Fulda auf dem Laufenden.)

Auf den ersten Blick scheinen sie zu zeigen: Die Gesamtzahl der belegten Intensivbetten in Deutschland bewegt sich seit rund einem Jahr um die Zahl 20.000. Gleichzeitig sinkt die Zahl der freien Betten. Doch bei den Daten zur Auslastung der Intensivstationen gebe es einiges zu beachten. „Niemand baut Betten ab, aber wir haben einfach nicht das Personal, um sie zu betreiben“, sagte eine Divi-Sprecherin. Ein freies Bett könne im Intensivregister nur dann als frei gemeldet werden, wenn eine Klinik genügend Ärzte und Pfleger habe, um einen Patienten oder eine Patientin darin zu versorgen. Wie viele Pflegekräfte nötig sind, hat sich im Verlauf der Pandemie mehrmals geändert. Hinzu kommen Ausfälle durch erkranktes Klinikpersonal, die etwa in der zweiten Welle laut einer Divi-Sprecherin zunahmen. (dpa, dk)

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