Das Unternehmen von Roland und Vincent Bach produziert hochwertige Vliesstoffe, aus denen europäische Firmen im Jahr 300 Millionen FFP2-Masken herstellen.
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Das Unternehmen von Roland und Vincent Bach produziert hochwertige Vliesstoffe, aus denen europäische Firmen im Jahr 300 Millionen FFP2-Masken herstellen.

Kampf gegen Corona

Eichenzeller Firma Nowotex produziert jährlich Vliesstoffe für 300 Millionen FFP2-Masken

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Deutschland und Europa sind bei der Ausstattung mit Corona-Schutzmasken nicht mehr ganz so abhängig von China: Das Eichenzeller Unternehmen Nowotex produziert mit einer neuen Anlage Filtervliesstoffe. Daraus stellen europäische Firmen 300 Millionen FFP2-Masken im Jahr her.

Eichenzell - Der Vliesstoff von Nowotex hat drei besondere Eigenschaften. Erstens: Der Stoff ist besonders hochwertig verarbeitet, sodass er Luft besonders gut filtert. Zweitens: Das Vlies wird am Ende des Produktionsvorgangs mit einem E-Charger elektrostatisch aufgeladen, so dass es auch 96 Prozent der Aerosole, die bei der Corona-Ansteckung eine wichtige Rolle spielen, aus der Luft herausfiltert.

Dritte besondere Eigenschaft des Stoffes: Er wird in Eichenzell hergestellt. „Damit leisten wir einen Beitrag zur Volksgesundheit, wir erleichtern die Bevorratung von Schutzmasken in Europa – und wir stärken die Wirtschaftsregion Fulda“, sagte Geschäftsführer Vincent Bach am Mittwoch. (Lesen Sie auch: Streit um Corona-Masken - Zwei Unternehmer aus der Rhön verklagen Jens Spahn)

Corona: Firma im Kreis Fulda produziert Vlies für 300 Millionen FFP2-Masken

Die Anlage läuft seit März. Nowotex liefert den Stoff an eine Reihe europäischer Unternehmen, die aus dem Vlies Masken produzieren. Die Unternehmer Roland Bach und Vincent Bach, Vater und Sohn, hatten im Frühjahr 2020, als sie vor der Entscheidung standen, eine eigene Produktion für Filtervliesstoff aufzubauen, nicht lange überlegt. Als in der ersten Corona-Welle im April und Mai 2020 überall Masken fehlten – und die Schutzausrüstung aus China, die verfügbar war, oft den Anforderungen nicht genügte –, fragten sich Bachs, wie sie helfen können.

„Als Unternehmen, das seit Jahren Vliesstoffe für anspruchsvolle Anwendungen herstellt, war es kein weiter Weg hin zur Idee, bei uns in Eichenzell hochwertige Filterfliese für FFP2-Masken zu produzieren“, sagte Firmengründer Roland Bach. Mitte Mai 2020 reichte das Unternehmen einen Förderantrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ein. Sechs Wochen später, Ende Juni, war die Zusage für eine 30-prozentige Förderung da. Die Annahme der Förderung war verbunden mit der Zusage, spätestens Ende März 2021 die Produktion aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Nowotex weder eine Produktionshalle – in den bestehenden Hallen war kein Platz – noch eine Produktionsanlage.

Jetzt musste alles ganz schnell gehen – und es ging schnell: Der Landkreis Fulda und die Gemeinde Eichenzell gaben alle notwendigen Genehmigungen, der Eichenzeller Spediteur Marc Diegmüller baute in Rekordzeit eine Halle, und der Maschinenbauer Oerlikon aus Neumünster (Schleswig-Holstein) reservierte für die Eichenzeller eine der begehrten Spezialmaschinen. Die RhönEnergie Fulda legte bei Frost einen 20.000-Volt-Anschluss.

Video: Masken schützen laut Studie nicht nur vor Corona, sondern auch vor Allergien

Roland und Vincent Bach, aber auch Landrat Bernd Woide (CDU), sind fest davon überzeugt, dass es in Europa noch auf Jahre einen großen Bedarf an hochwertigen Schutzmasken gegen Viren geben wird – auch wenn sich die Corona-Lage in Deutschland und Hessen gerade entspannt. Auch in Fulda gehen die Corona-Neuinfektionen zurück. Wie Merkur.de berichtet, haben bayerische Forscher eine Methode zum Recycling von Corona-Masken entdeckt*.

Über das Unternehmen

Nowotex steht für non woven textile (nicht gewebte Textilien). Fachleute sprechen von Vliesstoffen. Das Unternehmen wurde 1993 von Roland Bach gegründet. Heute führt er die Firma im Industriepark Rhön in Eichenzell mit seinem Sohn Vincent Bach.

Nowotex ist spezialisiert auf die Produktion von Vliesstoffen für Automobilhersteller (etwa für die Schallabsorption im Fahrzeuginnen- und im Motorraum), für den Bau (unter anderem für Trittschalldämmungen) und die Industrie (etwa Reinigungstücher). Der Stammsitz in der Bürgermeister-Ebert-Straße und der neue Produktionsstandort in der Straße Zum Lingeshof befinden sich beide im Industriepark Rhön. Sie sind etwa einen Kilometer voneinander entfernt.

Das Unternehmen beschäftigt 80 Mitarbeiter. Die neue Produktionsanlage soll an sechs Tagen pro Woche rund um die Uhr laufen.

Aus Politik und Wirtschaft gibt es zahlreiche positive Reaktionen auf die Arbeit von Nowotex. „Die Region und Deutschland können stolz sein, dass familien-geführte Unternehmen wie Nowotex in der Krise so schnell reagiert haben“, sagt Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU). IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt findet: „Nowotex war schon früher mutig. Schnelle Entscheidungen und Mut, das zeichnet Mittelständler wie Nowotex aus.“ Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Brand sei Fulda ohnehin „die Region der mutigen Unternehmer“. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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