Corona in Fulda: Vor dem Doppeldecker: Swen Bachmann (links) und Markus Bleuel stehen hinter der 2G-Regel.
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Vor dem Doppeldecker: Swen Bachmann (links) und Markus Bleuel stehen hinter der 2G-Regel.

Corona-Pandemie

„Die Chance, normal Geld zu verdienen“ - Diese Gastronomen in Fulda fahren die 2G-Strategie

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Kein Abstand, keine Maske, keine Kontaktverfolgung. Stattdessen: Tanzen, essen, trinken, eng aneinander – wie vor der Pandemie. Wenn nur Geimpfte und Genesene in Bars und Clubs dürfen, hat das viele Vorteile. Doch die Versprechen nach Normalität haben auch einige Nachteile.

Kreis Fulda - Seit dem 16. September erlaubt die hessische Landesregierung die 2G-Regelung: Wenn sich in Restaurants, Clubs und Cafés nur geimpfte und genesene Personen aufhalten, müssen die Abstands-, Masken- und Hygieneregeln nicht mehr eingehalten werden. Das bedeutet, dass die Betriebe wieder mehr Gäste auf gleicher Fläche bewirten dürfen. Es bedeutet auch, dass die Kontaktverfolgung wegfällt, dass das Personal nicht mehr zum Tragen der Maske oder zum Einhalten des Abstands aufrufen muss, dass es selbst – insofern es gegen Corona geimpft ist – keine Maske mehr während der Arbeit tragen muss. Einige Gastronomen aus Fulda setzen auf 2G – andere haben sich für 3G entschieden.

Corona in Fulda: Diese Gastronomen setzen auf 2G-Strategie

Im Doppeldecker in Fulda sitzt Swen Bachmann auf der Terrasse. Die erste Runde Arbeit hat er getan: Er hat den Wintergarten aufgebaut, der Doppeldecker ist nun bereit für die kalte Jahreszeit. Er vergrößert wieder die Innenfläche der Bar, denn der Inhaber setzt auf 2G. Auch im neben dem Doppeldecker liegenden Café Kaffeeklatsch und bald im Hopfenglück wird er auf die Strategie setzen. „Für uns ist das die Chance, normal Geld zu verdienen“, sagt Bachmann.

„Ich sehe das als gesellschaftlichen Beitrag: Es soll Anreiz schaffen, damit die Leute sich impfen lassen.“ Der 47-Jährige erklärt, dass 2G aus wirtschaftlicher Sicht am sinnvollsten ist: „Jetzt können wir im Herbst wieder Livemusik vor einem größeren Publikum spielen – was den Doppeldecker auszeichnet – und müssen nicht nur mit 50 Prozent fahren.“ Denn aufgrund der Vorgaben musste er den Platz im Doppeldecker so besetzen, dass zwischen den Tischen ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wurde. Der Gastronom fügt hinzu: „Wenn wir direkt wieder schließen müssen, weil die Krankenhäuser zu voll werden, wäre das für uns der Genickschuss.“

Feiern zu können, sieht er als Ventil, gerade für diejenigen, „die nur in der Bar unter Leuten sind und sonst vereinsamen würden“. Den Sicherheitsaspekt sieht er in 2G zusätzlich, denn nur Geimpfte und Genesene einzulassen, bedeute nach Einschätzung von Bachmann sowohl für die Gäste als auch das Personal den besten Schutz. (Lesen Sie auch: Immunologe aus Fulda hält 2G-Partys für vertretbar)

Restaurant Ritter setzt auf 3G - aus diesen Gründen

Im Restaurant Ritter im Fuldaer Barockviertel fährt Pächter Jonas Sporer eine andere Corona-Strategie: Er setzt auf 3G und das aus mehreren Gründen. Denn 2G, so erklärt er, sei nur möglich, wenn das Personal auch vollständig geimpft ist. „Aber ich darf als Arbeitgeber ja nicht einmal fragen, ob alle Angestellten geimpft sind“, sagt er, das sei aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Außerdem sagt der 37-jährige Koch, im Restaurant würden die Abstandsregeln vorbildlich eingehalten. „Und wenn ich eine Feier ausrichte, zählen eh nur die ungeimpften Personen – und das sind meist nur eine Handvoll“, erklärt Sporer.

Weil er die 3G-Strategie fährt, dürfen die Gäste nur am Platz die Maske abnehmen, auch das Personal trägt den Mund-Nasen-Schutz. „2G ergibt Sinn in Clubs, Bars und Discos – wenn man jemanden aufreißen will, sollte man sich ohne Maske und Abstand bewegen können“, sagt der Pächter des Ritters. „Aber überall 2G, das würde die Gesellschaft spalten – auch wenn es aus gesundheitlicher Sicht vermutlich am besten wäre.“ Manchmal würde er von Gästen hören, dass er die Sache zu ernst nehme, weil er alles genau kontrolliert. „Gastro ist eh schon anstrengend“, findet er. „Und wir sind seit anderthalb Jahren die Corona-Polizei.“ Das mache keinen Spaß mehr. „Und wenn dann ein 20-Jähriger an der Tanke erschossen wird, weil er auf die Maskenpflicht hinweist, gibt einem das kein gutes Gefühl in dem Job, den wir machen.“

Arbeitsrecht

Patrick Heil ist in Fulda Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er sagt, dass 2G für Gastronomiebetriebe möglich ist – unter der Bedingung, dass das Personal vollständig geimpft oder genesen ist. Allerdings: „Der Arbeitgeber hat nach der Datenschutzgrundverordnung in der Gastronomie nicht das Recht, das Personal nach der Impfung zu fragen“, erklärt Heil. 2G würde aber funktionieren, wenn alle Mitarbeitenden von sich aus von der Impfung erzählt hätten. Ungeklärt sei aber, was passiert, wenn jemand lügt in Bezug auf die Corona-Impfung: „Was passiert, wenn jemand einen Gast ansteckt und die Person dann stirbt? Muss dann Schadensersatz gezahlt werden?“ Ob aber jemand aus dem Personal geimpft ist oder nicht, daraus dürften keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen abgeleitet werden.

Die Kneshecke bleibt aus zwei Gründen nach der 3G-Regel geöffnet, erklärt Michael Glas, der das Grillrestaurant in Dipperz-Dörmbach führt. „Wenn ich 2G fahre, muss das Personal geimpft sein – und diesen Druck will ich nicht ausüben. Außerdem stellt das eine Grauzone im Arbeitsrecht dar, die noch nicht geklärt ist. Denn was mache ich, wenn ich die Ungeimpften nicht beschäftigen darf?“, fragt der Gastronom.

Der zweite Grund, der seiner Meinung nach gegen die 2G-Strategie spricht, sind die Kinder. „Ich dürfte Kinder nur dann einlassen, wenn sie geimpft sind.“ Damit übe er auch Druck auf die Gäste aus. „Das ist eine Entscheidung, die ich als Wirt nicht treffen will“, sagt Glas. Die Folgen, dass er 30 Prozent weniger der Sitzplätze belegen darf, trage er – denn die Entscheidung für 3G sei im Team der Kneshecke gefällt worden. „Im Momente können wir die Strategie gut fahren.“ Was aber demnächst passiere, bleibe unsicher. „Wir als Gastronomen richten seit anderthalb Jahren permanent die Betriebe nach den hohen Auflagen aus“, fügt der Wirt hinzu. „Das ist ein schwerer Opfergang für die Gastronomie.“ (Mit unserem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Video: Was gilt wo? Diese Bundesländer setzen auf 2G

Der Spitzbub im Fässchen in Fulda setzt mit Überzeugung auf 2G. So sagt Wirt Robert Hofmann: „Wir haben das wegen der Gesundheit und wegen des Umsatzes gemacht.“ Entschieden habe er sogar in Abstimmung mit den Gästen. „Die sind eigentlich alle begeistert. Denn es ist quasi wie früher – nur geimpft.“

Er habe im Internet nach Bekanntmachung seiner Strategie viele Hasskommentare geerntet, darunter der Vorwurf, dass Kinder nun nicht mehr in den Spitzbub kommen könnten. „Das ist aber Quatsch – wir sind ein Rauchlokal, da haben Kinder eh nichts zu suchen.“ Besonders der Wegfall der Abstandsregelung komme ihm entgegen: „Nach ein paar Bier ist es schwierig, die Gäste um Abstand und das Tragen einer Maske zu bitten.“

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