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Gottesdienste ohne Ungeimpfte? Nicht im Bistum Fulda - Generalvikar will niemanden abweisen

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Von: Volker Nies, Daniel Krenzer

Kirche an Weihnachten trotz Corona ja oder nein? Die Debatte um die Gottesdienste dreht weiter.
Die Regierung empfiehlt den Kirchen dringend, in den Gottesdiensten die 3G-Regeln einzuhalten. Das Bistum Fulda lehnt dies ab. (Archivfoto) © Charlie Rolff

Das Land Hessen hat die Corona-Regeln verschärft. Die Regierung empfiehlt den Kirchen dringend, in den Gottesdiensten die 3G-Regeln einzuhalten. Das Bistum Fulda setzt in einem internen Brief jedoch andere Akzente.

Fulda/Kassel - Die hessische Landesregierung rät zu 3G in Gottesdiensten. Das heißt, dass nur Geimpfte, Genesene und negativ Getestete eingelassen werden sollten – was wiederum eine Kontrolle am Eingang erforderlich macht. Eine Verpflichtung dazu besteht allerdings nicht. Es handelt sich um Empfehlungen, nicht um eine zwingende Anordnung. In Thüringen hingegen ist die Einhaltung der 3G-Regeln im Gottesdienst Pflicht.

In einem internen Brief an die Pfarrer vom vergangenen Freitag setzt Generalvikar Christof Steinert klare Prioritäten: Ihm geht es primär um die Seelsorge im Bistum Fulda. Steinert schreibt, es sei derzeit bisweilen schwierig, einen Corona-Test zu bekommen. Deshalb lehnt er einen zwingenden Test vor dem Betreten der Kirche ab.

„Mit einer Testpflicht würden dann womöglich Ungeimpfte praktisch doch von Gottesdiensten ausgeschlossen. Das ist (…) nicht akzeptabel: Die Feier gerade der Eucharistie ist so zentral für das Leben der Kirche, dass die Teilnahme an ihr wegen einer persönlichen Entscheidung für oder gegen eine Impfung nicht eingeschränkt werden darf.“ (Lesen Sie hier: Verschärfung vor den Weihnachtsfeiertagen - Neue Corona-Regeln in Hessen)

Corona in Fulda: Generalvikar Steinert lehnt Tests für Gottesdienste ab

Daraus folgt für Steinert die Entscheidung, „dass niemand, der nicht gerade sichtbar erkrankt ist und so ein ganz konkretes Risiko für andere darstellt, an der Kirchentür abgewiesen werden soll.“ Steinert schreibt, er sehe die Gefahr, dass Menschen, die nicht geimpft sind, zu Sündenböcken gemacht werden, und warnt vor einer „allgemeinen gesellschaftlichen Ächtung und dem Ausschluss Ungeimpfter aus der Gemeinschaft“.

Die Kirche befinde sich in einem Dilemma: Sie wolle zur Bekämpfung der Pandemie beitragen, sie empfehle auch dringend eine Impfung, aber sie wolle niemanden abweisen, der sich gegen eine Impfung entscheide. „In letzter Instanz sind wir Seelsorger.“ (Lesen Sie auch: Corona-Debatte um 2G oder 3G nimmt Fahrt auf: Das sagen Vertreter von Kirchen, Gastronomie und Sport)

Die Regeln im Bistum Fulda sind gleichwohl in Bewegung. „Wir beraten derzeit darüber, welche Regeln für die Weihnachtsgottesdienste gelten sollen. Es könnte sein, dass für unterschiedliche Gottesdienste unterschiedliche Zugangsregeln gelten, also etwa Messen für Menschen mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis und entsprechend strengeren Vorgaben“, so Steinert.

Kreuzkirche Fulda feiert Gottesdienste bereits unter 2G – inklusive Abstand und Maske

Die Regeln für die Festtage sollen Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden. Das Bistum teilt ergänzend mit, in geschlossenen Räumen gelte wieder durchgängig Maskenpflicht ebenso Abstands- und Hygieneregeln.

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, der weite Teile des Verbreitungsgebietes angehören, ist in ihren Empfehlungen deutlich strikter. Für Gottesdienste im Freien wird die 3G-Regelung angeraten, in Innenräumen seien aber sogar 2G und 2G+, also der Einlass nur von Geimpften und Genesenen, gegebenenfalls plus zusätzlichem Test, „empfehlenswerte Möglichkeiten“. Der Ausschluss von Ungeimpften von Gottesdiensten wird seitens der Landeskirche den Gemeinden also angeraten.

Video: Gottesdienste in Zeiten von Corona

„Wir wollen Gottesdienste verantwortlich feiern und Menschen vor Infizierung schützen. Ungeimpfte schließen sich selbst von Gottesdiensten im Innenraum aus. Von allen anderen Gottesdienstformaten werden sie nicht ausgeschlossen, sagt Prälat Bernd Böttner“, teilt die Landeskirche mit. „Wir feiern als Kirche auf ganz unterschiedliche Weise im Advent und an Weihnachten Gottesdienst, etwa mit Open-Air-Gottesdiensten, digitalen Gottesdiensten oder Gottesdiensten im Fernsehen“, führt die Pressestelle aus.

3G oder 2G in Gottesdiensten? Diese Meinung vertritt Pfarrer Togar Pasaribu.
3G oder 2G in Gottesdiensten? Diese Meinung vertritt Pfarrer Togar Pasaribu. © FZ

Vier Fragen an Pfarrer Togar Pasaribu

Macht die Pfarrei St. Lioba von der 3G-Regelung Gebrauch?

Die optionale 3G-Regelung setzen wir in unseren Gottesdiensten nicht um, weil wir die Menschen, die nicht die 3G-Regel erfüllen, nicht von den Sakramenten ausschließen wollen. Wir geben die Empfehlung, sich vor dem Gottesdienst zu testen, an unsere Gottesdienstbesucher weiter.

Wären Tests und Kontrollen ein erheblicher Aufwand für die Pfarrgemeinde?

Der Hauptaufwand würde darin bestehen, genügend ehrenamtliche Helfer zu finden, die am Eingang die Nachweise kontrollieren.

Wir haben zwar schon Erfahrungen sammeln können durch die Sicherstellung der Kontaktnachverfolgung vor Beginn der Messe, aber die Kontrolle von 3G wäre ein erheblicher ehrenamtlicher Mehraufwand. Da die Gottesdienstbesucher wahrscheinlich nicht extra wegen der Einlasskontrollen früher zur Messe kommen, könnte es etwa bei den Sonntagsmessen zu Verzögerungen kommen.

Wie sehen die Planungen für die Weihnachtsgottesdienste aus, was die Corona-Regelungen betrifft?

Wie im vergangenen Jahr haben wir mehr Messen geplant als in den Jahren vor Corona, da die Platzkapazitäten durch die Abstandsregelungen stark eingeschränkt sind. Auch wenn wir mit der Rabanus-Maurus-Kirche und der Paulus-Kirche sehr große Kirchen in unserer Pfarrei haben, achten wir während und zwischen der Messen auf die Durchlüftung. Darüber hinaus bieten wir eine Christmette sowie ein Krippenspiel im Livestream an, und ich feiere an Heiligabend mit meinen evangelischen Kollegen Marvin Lange und Christian Pfeifer einen ökumenischen „Open Air“-Gottesdienst auf dem Rathausplatz. Zusätzlich wird dieses Jahr eine Christmette aus der Liobakirche im Radio übertragen – auf HR 2 Kultur.

Was halten Sie persönlich von einer 2G-Regelung in Kirchen – also ohne Ungeimpfte?

So sehr ich persönlich die Impfung befürworte, kann ich die 2G-Regelung nicht als Ausschlusskriterium heranziehen und Ungeimpften den Empfang der Sakramente verweigern. Das widerspricht unserem kirchlichen Selbstverständnis. (dk)

Togar Pasaribu ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Lioba in Petersberg und Fulda-Ziehers Nord

Ob vor Ort 3G, 2G oder gar 2G+ angewendet wird, entscheide die Kirchengemeinde anhand der gegebenen Umstände vor Ort. „Die Kreuzkirche Fulda und die Stadt- und Johanneskirchengemeinde in Bad Hersfeld feiern Adventsgottesdienste bereits unter 2G – inklusive Abstand und Maske“, teilt die Landeskirche mit. Die Gottesdienste an Weihnachten und Heiligabend seien in Bad Hersfeld sogar unter 2G+ geplant.

Eine Absage der Weihnachtsgottesdienste hat dem Vernehmen nach im Verbreitungsgebiet keine Kirchengemeinde geplant. Allerdings könnte es wie vor einem Jahr alternative Angebote geben. „Das hängt einerseits von der Entwicklung der pandemischen Lage ab, andererseits auch von den örtlichen und räumlichen Gegebenheiten. In welcher Form die Weihnachtsgottesdienste stattfinden, darüber entscheiden die Kirchenvorstände vor Ort“, teilt die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck mit.

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