Im vergangenen Winter fiel die Grippe-Saison komplett aus – dank der scharfen Hygienemaßnahmen gegen das Coronavirus. In diesem Jahr befürchten Ärzte, dass die Grippe wiederkommt.
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Im vergangenen Winter fiel die Grippe-Saison komplett aus – dank der scharfen Hygienemaßnahmen gegen das Coronavirus. In diesem Jahr befürchten Ärzte, dass die Grippe wiederkommt.

In der Corona-Pandemie

Sorge vor Grippe-Welle im Herbst - Ärzte im Kreis Fulda raten zur Impfung

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Im vergangenen Winter fiel die Grippe-Saison komplett aus – dank der scharfen Hygienemaßnahmen gegen das Coronavirus. In diesem Jahr befürchten Ärzte, dass die Grippe wiederkommt. Sie empfehlen vielen Menschen die Impfung.

Kreis Fulda - Mit nur einigen Hundert im Labor bestätigten Fällen hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) im vergangenen Winter die schwächste Grippe-Saison in Deutschland seit Jahrzehnten erfasst. Im Jahr davor waren es noch mehr als 180.000 Fälle gewesen. „Es hat in dieser Saison überhaupt keine Grippewelle gegeben“, urteilte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Grund für das Ausbleiben waren Corona-Maßnahmen wie Mindestabstände, Masken und Schulschließungen. Jetzt sind die Maßnahmen gelockert. Ob das den Weg zu einer Grippe-Welle bahnt, ist offen.

Corona in Fulda: Furcht vor Grippe-Welle - Ärzte raten zur Impfung

„Dass es im vergangenen Jahr kaum Grippe-Fälle gab, darf uns nicht in einer falschen Sicherheit wiegen“, sagt Ralph Hönscher, Hausarzt in Petersberg und Vorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen. „Gerade in Pandemie-Zeiten ist es wichtig, sich vor der Grippe zu schützen. Denn eine Infektion wie die Grippe bedeutet eine zusätzliche Belastung für den Körper.“ Schon ab dem Alter von Anfang 30 lasse das menschliche Immunsystem nach, so Hönscher. Die Nachfrage bei den Patienten nach der Grippe-Impfung sei hoch. (Mit unserem Newsticker zur Corona-Situation im Kreis Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Das berichtet auch der Internist Dr. Jörg Simon aus Fulda. „Die Menschen haben im vergangenen Jahr gute Erfahrungen mit der Impfung gemacht. Sie kommen jetzt zur erneuten Immunisierung.“ Hönscher hat beobachtet, dass bei vielen Patienten der Wunsch, ihre Gesundheit zu schützen, gewachsen sei. Zu diesem Schutz gehöre die Impfung.

Hönscher und Simon verfügen für Patienten über 60 seit wenigen Tagen über den hocheffektiven Impfstoff Efluelda. Er schützt vor vier Grippevirusstämmen und enthält je die vierfache Menge Antigen, um die Immunantwort bei älteren Menschen stärker zu stimulieren. „Der normale Grippe-Impfstoff schützte in 50 Prozent der Fälle, der neue Impfstoff schützt zu 65 Prozent“, erklärt Simon. Nebeneffekt der Impfung: Sie reduziert das Risiko von Herzerkrankungen.

Stiche in zwei Arme

Impfungen gegen Corona und Grippe können nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nun an einem Termin erfolgen. Geraten wird dabei zu einem Zeitpunkt ab Oktober. Voraussetzung sei, dass es sich beim Influenza-Vakzin um einen Totimpfstoff handele. (Lesen Sie auch: Diese Impfungen empfiehlt die STIKO noch)

Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Viren oder Bestandteile von Viren. Bei den in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffen für Kinder und Erwachsene handelt es sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts meist um Totimpfstoffe.

Zuvor hatten sich bereits der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens und der Hausärzteverband für gleichzeitiges Impfen ausgesprochen. Zwischen Covid-19-Impfungen und Impfungen mit anderen Totimpfstoffen muss damit nicht mehr zwingend ein Impfabstand eingehalten werden.

Voraussetzung sei, dass eine Indikation zur Impfung sowohl gegen Covid-19 als auch andere Erkrankungen bestehe. Parallel-Impfungen sollten aber nicht in denselben Oberarm, sondern in unterschiedliche Arme erfolgen.

Impfreaktionen könnten bei gleichzeitigen Impfungen häufiger auftreten als bei der getrennten Gabe, hieß es. Umfangreiche Erfahrungen mit Nicht-Covid-19-Impfstoffen zeigten bisher aber, dass die Immunantwort und Nebenwirkungen generell denen einer Solo-Gabe ähnelten.

Simon ergänzt: „Maske und Abstandhalten helfen auch, das Risiko einer Ansteckung mit der Grippe zu reduzieren. Aber sie ersetzen die Impfung nicht.“ Das Gesundheitsnetz will demnächst in Altenheimen gegen Grippe impfen.

Auch Professor Dr. Dirk Breitmeier, Amtsarzt und Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises Fulda, rät zur Grippeschutzimpfung: „Gerade Personen mit Vorerkrankungen sollten sich impfen lassen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die Impfung für ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Diese Gruppen entwickeln demnach am häufigsten schwere Komplikationen aufgrund einer Grippe.“

Video: Grippe-Impfung während Corona-Pandemie: Darauf müssen Sie achten

Die Grippe sei eine ernstzunehmende Infektionskrankheit. Breitmeier warnt: „Insbesondere für ältere Menschen und chronisch kranke Menschen kann der Verlauf einer schweren Grippe tödlich sein. Mit einer Impfung kann man sich auf die passende Weise vor solchen Verläufen schützen.“

Im Zusammenhang mit Corona würden derzeit Wechselwirkungen zwischen den Impfungen diskutiert. Breitmeier: „Es wird nicht ausgeschlossen, dass eine Grippeschutzimpfung auch einen gewissen Schutz gegen das Corona-Virus bietet. Insbesondere beide Impfungen zusammen geben wohl einen besseren Schutz sowohl gegen die Grippe als auch insbesondere gegen COVID-19. Es gibt bereits Überlegungen, die Impfstoffe gemeinsam mit einer einmaligen Gabe zu kombinieren.“

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